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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-07-15 · 14 (15.7.1930) · p. Seite 226

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
14 (15.7.1930)
Article
Kultusgemeinde Speyer
Date
1930-07-15
Page
Seite 226 (sequence 3)
Language
German
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226 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 14 des Ausschusses die zahlreich Erschienenen und gab einen Überblick über die Tätigkeit des Vereins seit seiner Gründung, bestehend in Wohltätigkeit (Unterstützung Bedürftiger) Krankenhilse und Leichenbestattung sowie Wache bei Toten. An Hand des Prophetenwortes Hoseas: „Ich verlobe mich dir auf ewig durch Gerechtigkeit uns Recht, in Gnade und Barmherzigkeit, ich verlobe mich dir in Treue, damit du den Herrn erkennen wirst" erläuterte er die Bestrebungen des Jubelvereins. Mit ehrenden Worten übereiäste der Schriftführer des Vereins, Herr Lehrer Wechsler, der 1. Vorsteherin seit Gründung bis zum heutigen Tage, Frau Isidor Hamburger, ein Geschenk. Möge der Frauenverein weiter wachsen blühen und gedeihen. knkrage Leo (Löw) Merzbacher ist in Fürth 1809 geboren, besuchte dort die Lateinschule, wurde in Erlangen 1830 immatrikuliert, war erster Rabbiner des Tempels Emanuet in TXeto Zock und ist dort 1856 gestorben. Gesucht werden sein Lebenslauf, Briefe und handschriftliche Schriften von ihm. Freundliche Mitteilungen sind an die Redaktion der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeilung" erbeten. Vereine Studien- und Arbeitsförderungs-Verein für Israeliten in Bayern E. V. Die ordentliche Mitgliederversammlung fand am 26. Juni 1930 statt. Die bisherige Vorstandschaft mit Herrn Rabbiner Dr. Vaerwald als ersten Vorsitzenden wurde wiedergewählt und der Rechenschaftsbericht für 1929 genehmigt. Nach dem Berichte gelangten im Jahre 1929 an Studierende der bayerischen Hochschulen Stipendien im Gesamtbeträge von 3930 RM. und außerdem Ermunterungspreise an Handwerkslehrlinge in Höhe von 840 RM. zur Verteilung. Es wurde der dringende Wunsch nach Beitritt weiterer Mitglieder ausgesprochen, da die Stipendien im Verhältnis zu der vielfach zu Tage tretenden Notlage der akademischen Jugend nur in sehr bescheidenen Maße gewährt werden und mitunter Gesuche mangels Millel überhaupt nicht berücksichtigt werden können. Der Ruf zum Beitritt ergeht insbesondere auch an die außerhalb Münchens wohnhaften akademischen Kreise im Hinblick auf die Tatsache, daß auch die Stipendiaten aus dem ganzen Bayernland berücksichtigt werden. Anmeldungen beim Schriftführer des Vereins, Promenadeplatz 5. vückerfchau S. Müller, Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst. Verlag Boltze. Karlsruhe. 1930. Es ist ein Religionsbuch ganz besonderer Art, mit welchem der als pädagogischer Schriftsteller und Historiker bekannte Verfasser unsere religiöse Literatur bereichert. Als feiner Psychologe versteht er die Zeichen der Zeit und konstatiert ganz mit Recht, daß unsere Jugend der Gegenwart eine Sehnsucht nach religiöser Vertiefung und nach praktisch-religiöser Betätigung empfindet. Eine neue Verbundenheit mit unserer Vergangenheit knüpft sich an; die Geschlechter, die einst den „historischen Faden" abgeschnitten haben, werden übersprungen und die Kette soll wieder fortgesetzt werden. Ein Ringen und Kämpfen und Gären um dieses Problem hat eingesetzt und es ist verständlich, daß das nicht ohne Reibungen abgeht und in anderem Geiste und in neuen Formen. Der Einfluß einer 150jährigen Emanzipationsentwicklung kann nicht auf Kommando überwunden werden; dazu bedarf es sehr vorsichtiger, milder und gütiger Führung, gepaart mit vertieftem Wissen und einem an der Kultur orientierten Verständnis. Dazu bietet dieses Buch Müllers die Hand. In edler Sprackie führt Müller hinein ins jüdische Leben des Hauses und der Synagoge und macht den Lehrer vertraut mit den Begründungen und historischen Zusammenhängen all dieser Erscheinungen; ehrlich und gewissenhaft charakterisiert er die alten traditionellen Lebensbetätigungen und unterscheidet davon Einführungen der religiösen Reform. Und es ist auch erfreulich, daß der Verfasser den hebräischen Ausdrücken auch die sephardische Aussprache anfügt; unseres Wissens ist er der erste jüdische Schulmann in Deutschland, der in einem Werke dieses Verständnis für das werdende Hebräisch auch für deutsche Verhältnisse zum Ausdruck bringt. Es wird nicht mehr lange möglich sein, daß sich Europa gegen das mehr und mehr erstarkende und an Einfluß wachsende Hebräisch Palästinas sperrt. Die sephardische Aussprache wird sich durchsetzen und es hat keinen Sinn sich noch dagegen zu sträuben. Man wird dann allgemein erkennen, wie wertvoll für das tiefere Verständnis der hebräischen Texte und ihre exakte Betonung die sephardische Aussprache sich erweisen wird. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß z. B. der Chajje Adam in den Vorschriften für Kriath sch'ma hinsichtlich einer korrekten Aussprache die sephardische Aussprache zur Voraussetzung hat. Es tut dem Werte des Buches keinen Abbruch, wenn wir auch einige kleinere Ausstellungen, die wir bei der Lektüre notiert haben, hier anfügen. Zunächst stört es meines Erachtens, wenn ein jüdisches Lehrbuch als Motto ein Zitat Goethes bringt. Wir brauchen nicht zu sagen, daß wir sonst Goethe nicht missen können, aber hier — es gibt genug Stellen unseres Schrifttums für den gleichen Gedanken. Im Inhaltsverzeichnis 1132 soll es lauten: Fasttage (Taanit E.) Taanijoth. (M.) S. 4. Anmerkung: „Soncino — Gesellschaft" (Sitz in Berlin). S. 4. Zu den „Kernpunkten" des Alllagsgebetes neben Sch'ma und dem Sch'mone — efre koordiniert Alenu zu setzen ist nicht berechtigt. Wir nehmen an, daß der Verfasser zu Sch'ma auch dessen einleitende und abschließende Berachoth einbezogen denkt und als wirklicher Kernpunkt sollte die Birkath Hatorah an den Anfang gesetzt werden. Warum S. 6 in der Anmerkung der Segen über Mädchen (nicht besser: für Mädchen?) dem der Knaben vorangesetzt ist, kann ich nicht einsehen. S. 7 ist der Tag des Sabbats zugunsten des Freitagabend zu kurz gekommen. S. 9 ist sehr sinnig die Bedeutung des Kelches für den Propheten Elia am Sederabend erklärt, doch die halachifche Seite ist damit nicht getroffen: Elia wird einst alle schwebenden Fragen beantworten, also auch: ob wir am Sederabend 4 oder 5 Becher der Erlösung zu leeren Haben auf Grund der Anlehnung an den Bibelfatz in Pentateuch II, 68. S. 10 fft in dem hebräischen Zitat im Anschluß an die S"lichoth die Transkription des Wortes „mappilim" nur mit einem p wiedergegeben. Ebenso muß weiter unten geschrieben werden: Jom Haddin. Hier ist auch die Anmerkung zur Erklärung des Jobeljahres unklar ausgedrückt. S. 13 sollte zur Anmerkung zum Hallel-Gebet die verkürzte Rezitierung an manchen Tagen angegeben werden. S. 17 ist zu ergänzen: Am Sabbat und am Versöhnungstag, am 1. (und 7.) Tag der Wanderfeste findet keine Beerdigung statt. In der Anmerkung S. 18: Mozi ist eine an sich geistvolle und ansprechende Beziehung von lechem und milchoma gegeben; sie stimmt aber sprachlich nicht (siehe Geseniüs). S. 21 wird in einer Anmerkung: arba Kanfoth mit „kleines Gebelluch" übersetzt: „talith katan" ist ein kleines Gewand oder eine Hülle mit vier Ecken. Auch der Erklärung für den Ursprung können wir nicht zustimmen. Das Talith katan unter den Kleidern ist als Ersatz dafür eingetreten, daß man an dem obersten Rock nicht mehr die Zizith anbringen konnte, als die Juden inmitten einer nichtjüdischen Umgebung leben mußten. S. 28 ist in der Reihenfolge der Teilehmer beim Umzug (Hakafah) ein kleiner Irrtum zu ändern: An der Spitze wird eine Torarolle getragen, dann erst folgt der Vorderer usw. S. 29 vermissen wir den Hinweis auf den nationalen Charakter der drei Wanderfeste neben ihrer jahreszeitlichen Bedeutung. Ebenso fehlen nachher die Bezeichnungen: Iamim noraim, S'lichottage, Asereth jme t'schubah mit ihrer Bedeutung. MM HZ Hlpenkurbof Park-Hotel: Modern / Behaglich / Bequem / Kaffee / Restaurant / Bierklause /»5-Uhr-Tee / Tanzabende Fernruf_99 und 109

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