Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 10 (15.5.1930)
- Article
- 100 Jahre israelitischer Frauenverein München, 1830 - 1930
- Date
- 1930-05-15
- Page
- Seite 134 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 153 Israelitischer Zrairenvercm von iSzo?lnläßlich seines hundertjährigen Bestehens veranstaltet der Israelitische Frauenverein am Donnerstag, den 22. Mai i§zo, abends $ Uhr -me Jubiläumsfeier im Cherubinsaal, Vier Jahreszeiten, Eingang Marstallstraße. V7ach Begrüßung und Ansprache wird Herr Rabbiner Dr. B a e r w a l d den Festvorrrag halten über: Die Frau in der jüdischen Gpruchdichtung und die Frau von heute Die Leier wird von musikalischen Darbietungen umrahmt, für die sich in liebenswürdiger Weise Fräulein Ella Llesch und Herr Adolf Fischer von der Staatsoper, München, sowie Herr Dr. Rurt Bett sack zur Verfügung gestellt haben. Rarcen für unsere Mitglieder und Freunde (Eintritt frei) sind bis Mittwoch, den 21. Mai, in der Gemeindekanzlei) Herzog-Max-Straße 7/1, Fernsprecher 93401, erhältlich. Die Büchsen, die der Israelitische Frauenverein zu seinem hundertjährigen Bestehen hat anferrigen lassen, werden in den kommenden Wochen in die Hände der Mitglieder gelangen. ITlichtmitglieder, die eine dieser besonders geschmackvollen Büchsen aufzustellen wünschen, werden gebeten, dies unter Nummer 575 43 zu melden, damit ihnen die Büchsen zugestellc werden können. „veulfchland" in der „Lncvclopaeoia ludaica" Von Dr. Ernst S Der fünfte Band des großen Kulturwerkes der von Jakob Klatzkin und Jfmar Elbogen redigierten „Encyclopaedia Judaica" ist soeben erschienen, wie seine Vorgänger im E s ch k 0 l - Verlag, Berlin, und spiegelt das Judentum „in Geschichte und Gegenwart, von Cahän (dem sozialistischen jiddischen Schriftsteller Abraham Cahan) bis Draguigean (einer Departementshauptstadt in Frankreich, die im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert eine wichtige jüdische Gemeinde besaß). Nach dem ausgezeichneten und neuartigen Prinzip dieser Enzyklopädie enthält sie bekanntlich nicht nur kurze Stichwörter, sondern ausführliche zusammenfassende Abhandlungen über einzelne große Themen, diesmal etwa über Chasaren, Chassidismus, Chibbat Zion, Christentum, Dezisoren und — Deutschland. Da es unmöglich ist, den Reichtum dieses sich erst in der Benutzung ganz erschließenden Werkes in einem Artikel auszuschöpfen und da die geistige Bedeutung der Enzyklopädie als solcher schon verschiedentlich, besonders von Franz Rosenzweig in seinen Artikeln im „Morgen" hervorgehoben wurde, sei hier die Monographie über „Deutschland" etwas näher betrachtet. Sie umfaßt beinahe 100 Spalten und zerfällt in die vier Hauptm 0 n (Jerusalem) abschnitte: Geschichte, Gegenwart, Statistik, Juden in der deutschen Kultur. Die letzte Abteilung gliedert sich in acht Unterkapitel und behandelt die Geisteswissenschaften, die Dichtung, Rechtswissenschaft und Justiz, Naturwissenschaften und Technik, Kunst, Musik, Politik und Wirtschaft. Bei dieser gewiß sehr reichen Disposition fällt zunächst auf, daß ein Gebiet ganz fehlt, welches seit jeher als das eigentliche Kerngebiet des Judentums gegolten hat: die Religion. Aber vielleicht liegt das an der Wirklichkeit und nicht an der Enzyklopädie. Ein religiöser jüdischer Einfluß auf das nichtjüdische Leben Deutschlands ist bisher noch kaum spürbar; es sei denn, er beginne durch Buber-Rosenzweigs Bibelübersetzung. Eine Enzyklopädie aber muß ihrer Natur nach immer ein wenig hinter den letzten Wertungen Zurückbleiben. Der geschichtliche Teil ist von Jsmar Elbogen in gewohnter Großzügigkeit und doch mit Berücksichtigung zahlreicher farbiger Einzelheiten verfaßt. Wir hören von den Sagen, daß schon vor Esra Juden in Deutschland gewohnt haben und ihrer apologetisch-assimilatorischen Tendenz: diese Juden seien an der Kreuzigung Christi nicht beteiligt gewesen; wir hören von den Römerzügen, die in Wirklich-