Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-05-01 · 9 (1.5.1930) · p. Seite 127

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
9 (1.5.1930)
Article
Walter Steinthal: Dreyfus [Rezension]
Date
1930-05-01
Page
Seite 127 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2727810-2727900-2727909-2737807--06084-2737856
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

144 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 affäre der Jcchrhundertwende über Nacht wieder aktuell geworden. Die Ähnlichkeit zwischen dem damaligen Frankreich und dem heutigen Deutschland hat den Fall Dreyfus wieder in Erinnerung gebracht, nachdem ein zeitgemäßes Bühnenstück auf sie hingewiesen hatte. Das jetzt vorliegende neue Werk „Dreyfu s" aus der Feder Walter Steinthals entwirft in knappen, wirklichkeitsgetreuen Zügen das Gesamtbild der Affäre Dreyfus. Es führt in das Milieu der iickernationalen Spionage, hinter die Kulissen der Kriegsgerichte, hinter die Mauern der Gefängnisse, in die Kabinette der höchsten und geheimsten Politik. Es schildert, wie das Drama eines Unschuldigen aus dem Weg über die Politik zur Tragödie eines ganzen Volkes wird, wie um einen einzelnen Mann ein Volk sich spaltet, Bürgerkrieg und Rassenhaß entfesselt und, um ein Haar, ein europäischer Krieg herbeigeführt wird. Es schildert aber auch den genialen geistigen Aufstand des französischen Volkes, das sich von der Schmach eines parteiischen Fehlurteils reinigt und den von dunklen Kräften mißbrauchten Staat zur Entwicklung ins Freie zwingt. Ein großer Teil des Buches gilt der deutschen Politik der damaligen Jahre, insbesondere den Gestalten des Staatssekretärs von Bülow und Wilhelm II., denen beiden eine so bedeutsame Rolle im Dreyfusdrama zufiel. — Die Dreyfus-Affäre ist der großartigste Kriminalroman der Weltgeschichte, geadelt hier durch die meisterliche Darstellung eines Publizisten von Rang. Schon vor seinem Erscheinen hat die reichshauptstädtische Presse aus die Bedeutung des Steinthalfchen Werkes hingewiesen. Es ist die erste buchmäßige Darstellung des Gesamtfalles in deutscher Sprache und in diesem Sinn, trotz seines bequemen Umfanges und seines billigen Preises, ein Standardwerk. F. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung versendet soeben Heft 20 ihrer Zeitschrift, in der Dr. C z e l l i tz e r als Fortsetzung des Archivkataloges eine Liste der bis jetzt gesammelten jüdischen Stammtafeln mitteilt; ihre Zahl beläuft sich auf über 80 (wozu noch die in früheren Heften mitgeteilten Chroniken und Familiengeschichten hinzuzuzählen sind); die ausgedehnteste ist mit über 3000 Personen die Samsontafel, d. h. die gesamte Nachkommenschaft von Markus Gumpel, gest. 1733, und seiner Frau Minka, gest. 1732, in der überraschend viele christliche Deszendenten aufgeführt werden, die als hohe Beamte, Offiziere und Politiker in Staat und Wirtschaft führende Stellungen errungen haben. Von bekannteren Familien seien sonst erwähnt: Lassalle, Max Liebermann, Rudolf Masse, Paul Heyse, Akiba Eger, die Katzenellenbogen, Marburg, Heinrich Hertz, Meyerhos, Ballin, Bing, Schiss, Geiger, Deutsch, Münz, Gabriel, Rieser u. a. m. Sodann stellt Otto N e u m a n n aus 72 verschiedenen Jahrgängen der bekannten „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" alle familiengeschichtlichen Arbeiten zusammen, die er sowohl nach Verfassern, wie auch nach Wohnorten der betreffenden Familien ordnet. — Ebenfalls als historische Quelle gedacht ist die Mitteilung des von König Jerüme (dem „König Lustick") 1812 gebildeten jüdischen Konsistoriums in Bremen durch Max Markreich (Bremen) mit genauen Einzelheiten über die 25 jüdischen Konsistorialräte. — Elisabeth Kupka (Breslau) schildert die 12 von Friedrich dem Großen 1744 privilegierten Judenfamilien in Breslau; es entbehrt nicht der Pikanterie, daß einer der 12 Familienväter nachträglich gestrichen werden mußte, um einem besonderen Protege Friedrichs Plcch zu machen, nämlich Veite! Ephraim aus Berlin, einem Sohn des bekannten „iovaillier und Münzjuden" seiner Majestät. CAFE WINTERGARTEN Inhaber: Franz Schnabl Nachmittags Konzert. Äbends ununterbrochen Tanz 2 Kapellen. Mäßige Preise. Kein Eintritt. Kein Weinzwang Die Wäscherei der Münchener Hausfrau Inhaber: Land wehr straße 57/59 Georg Höcker Telephon 596858 bürgt für schonende Behandlung Pfundwäsche ab 20 Pfd. 30 Pfennig (glatte Stücke gemangelt) Mietwäsche 28 Pfennig Verwendung nur besten Materials Kostenlose Zustellung nach allen Stadtteilen Feine Herren-Stärkwäsche Filialen: Baaderstr. 13, T. 25702, Gabelsbergerstr. 103, T. 596491, Hermstr. 48, Ohlmüllerstr. 13, Cammerloher-Fürstenrieder Str. (Kiosk), Boschetsriederstr.79 Cafc-Conditorei Pinakothek Inh. F. Schiffmann, Bad Reichenhall » Ecke Barer-Theresienstraße Äbends Künstlerkonzert Empfehlen und besuchen Sie uns: Sie Uranclieii lagllch Sala töl (Taf el*n. May oimaisenDl) Firma MÄY, München, Landschaftstraße 4, empfiehlt beste Qualitäten, auch Konserven, täglich Frischgemüse, Kaffee, Tee. Wir liefern ins Haus. Telefonische Bestellungen werden rasch erledigt. Oskar Böhm Glasermeister München Thierschstr. 39 Fernruf 26103 Neubauten Einglasen von Schaufenstern Ein- und Umglasen von Glasdächern bei langjähriger Garantie Ausführung sämtlicher Reparaturen in allen Stadtteilen ohne Preisaufschlag / Offerte kostenlos 6efd)äftsnad)rfd)ten Liebe Hausfrau! Soll ich Dir das größte Kopfzerbrechen in Deinem Haushalt abnehmen, frage Dich mal ehrlich, ist es nicht die Wäsche? Willst Du sie blendend weiß, billig und dennoch schonend behandelt wissen, so komm doch einmal unverbindlich in die größte und modernste Wäscherei Münchens, in die Wäscherei der Münchener Hausfrau, Landwehr straße 5 7. Hier wird sie Dir mittels Auto kostenlos abgeholt, unter Deiner persönlichen Aufsicht mit weichem Wasser (weich wie Regenwasser) über Nacht eingeweicht und mit bestem Seifenmaterial (Seifenflocken) in etwa zwei Stunden separat in einer Trommel gewaschen, getrocknet und schrankfertig gemangelt. Ruf für die Zukunft die Nummer 596868 an, wenn Dü Dich allen Ärgers des Waschens entledigen willst. . . _ Fernruff 297128 Sophie Velisch Spezialistin der modernen, auf wissenschaftlicher Basis aulgebauten Schönheitspflege Maximilianstraße 38/1 gegenüber dem Hotel „Vier Jahreszeiten“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.