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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-04-01 · 7 (1.4.1930) · p. Seite 90

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
7 (1.4.1930)
Article
Die Gesetzestafeln im Midrasch und in der älteren Schriftauslegung
Date
1930-04-01
Page
Seite 90 (sequence 2)
Language
German
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102 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 das Diesseits und das Jenseits. Tanchuma Ki fiffo 12. Gerade das Bild der Braut wird auf das Gesetz gern angewandt, wozu irtaD 31. 18 eine schrifttextliche, freie Stütze bietet, und es wird dem Juden, dem das Studium des Gesetzes gelingen soll, empfohlen, die zurückgezogene Bescheidenheit und das stille Walten der gutbeleumundeten Braut zum Richtmaß seiner Lebensführung zu machen. Tanch. K. s.l l, Ialk. 391. Wie eine Braut wurde Moses die Thora zum Geschenk gegeben. Raschi z. 31.18. Mit Gottes Finger geschrieben, heißt nichts anderes als vom Gottesgeift durchglüht. Dreimal finden wir in der Schrift den Ausdruck Gottesfinger in Verbindung mit den von ihm hervorgebrachten Gestaltungen. Bei der Heimsuchung der Ägypter durch Ungeziefer erklären die Zeichendeuter: Der Finger Gottes ist dies. 8-15. Das Himmelsgewölbe mit seinem Sternenheer wird ein Werk aus Gottes Fingern genannt. Ps. 8.4. An dem Unermeßlichen, dem Universum, und an der Welt der Kleinlebewesen, am Makrokosmus und Mikrokosmus, hat Gottes Schöp. ferkraft gleichermaßen Anteil. Die Tafeln aber sind das Mitt. lere und wie wir vielleicht sagen dürfen, in dieser Mittelstellung das Höhere, menschliche Interesse, Wesentliche. Saab, nach Bechai. Auch nach anderer Richtung hin nehmen die Tafeln des Gesetzes eine Mittelstellung und in eben diesem Sinne einen hervorgehobenen Rang ein. In mannigfachen Variationen wird dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß das Gesetz eine von jenen Mächten sei, die die Erlösung des Menschen herbeiführen. Wiederum ist es der Finger Gottes, an dem diese Idee sich konkretisiert und beweist. Weit mehr als spintisierender Scharfsinn, tiefe persönliche Not, der Schmerz über die Glaubensbedrückung in seinen Tagen scheint sich in der klugen Betrachtung des R. Jsmael kundzutun. Fünfmal kommt Gott seinen Frommen mit dem rettenden Finger zu Hilfe, wie aus dem Schrifttext zu entnehmen ist. Mit dem kleinen Finger wies Gott den Noah an, wie er die Arche einzurichten habe. l.B. M-6,15. Mit dem Ringfinger schlug er die Ägypter. 2. B. M. 8,15. Sein Zeige, finger wies auf die Münze, die die Israeliten zur Rettung ihrer Seelen entrichten sollten. 30,13. Mit dem Daumen und der ganzen Hand vollbringt er die zukünftige Erlösung, übt er das Strafgericht an seinen Feinden. Mich. 5,8. Mit dem Mittelfinger aber grub Gott die Schrift in die Tafeln. P. R. E., Ialk 183- Es mag keine spekulative Marotte sein, daß R. Jsmael die Idee der erlösenden Kraft des Gesetzes mit dem mittelsten und längsten Finger der Hand verbindet. So ragt die ständig durch den Menschengeift zu vollbringende Erlösung über die an einer Stelle in der Geschichte durch den Eingriff der Allmacht geschehende Entfesselung und Befreiung hinaus, weil die persönliche sittliche Kraft an ihr Anteil hat. So sagt auch der Gesetzeslehrer: Man lese nicht choruth 32,16, sondern cheruth: „Freiheit", weil der Jude, der im Studium der Lehre aufgeht, ein wahrhaft Freier ist. Sab. 68 d. Ab. R. Nath. 2. Nach allgemeiner Auffassung enthielten die Tafeln die Zehn Worte. Broch 5a. Saab, angef. v. I. E. 24, 12. Rmbn. dort. Der bezügliche Vers 24,12, der die Meinung aufkommen lassen könnte, daß den zehn Geboten noch andere Lehrelemente zugesetzt waren, ist sinngemäß so zu ordnen, daß vana "wx gleich hinter pxn nn? nx“.'?$« stehen kommt. Saad. Rmbn. Die den Tafeln übergebenen Gebote können nicht von den mündlichen Unterweisungen losgelöst werden, die Moses gleichzeitig von Gott empfing, und die sich möglicherweise jeweils mit dem entsprechenden Teil des Zehnworts verbanden. Saab, bei I. E. 24, 12. Erft nachdem Moses mit dem ganzen Umfang des religionsgesetzlichen Wissens von Gott vertraut gemacht worden war, wurden ihm die Tafeln übergeben. Vgl- Broch 5a. Er erhielt sie als eine Art Gedächtnisstütze. Denn wie sehr auch Moses merkte und obgleich Gott mit ihm die entscheidenden Bestimmungen nach der umfänglichen Unterweisung noch einmal durchging, kam die menschliche Schwachheit in ihm allzu störend zum Durchbruch, und alles, was er gelernt hatte, schlüpfte aus seinem Gedächtnis. Raschi z. 31,18. Ned. 38a, Tanch. K. s. 12. Wenn uns hier die Auffassung begegnet, allerdings schwach nur angedeutet, daß die Tafeln zunächst nur für Moses bestimmt waren, so erhält diese Meinung eine kräftigere Gestalt durch eine Angabe, die die zweiten Tafeln betrifft. Denn so meint R. Jose b. Chanina: Die Thora wurde nur an MoseS und seine Nachkommen übergeben. Aus Sympathie und' gutem Willen jedoch gab sie dieser an Israel hin. Ned. 3,8a. Bei den Wundern, die die Tafeln der naturhaften Gesetzlichkeit des materiellen Seins entrückten, soll nicht dieses übergangen werden, daß die Gottesschrift die Wirkung hatte, die Schwerkraft der Materie aufzuheben. Nur so wird es verständlich, wie Moses die Platten von immerhin kompakter Schwere, Tafeln, die sechs Handbreit im Geviert maßen und drei Handbreit dick waren, mit sich führen konnte. Ned. 38a. Nur so lange aber hielt die Wunderwirkung der Gottesschrift vor, als Moses sich auf dem durch Gottes Nähe geheiligten Bezirk des Sinai bewegte. Sobald er in den unreinen Raum um das Götzenbild trat, floh die Schrift und die Tafeln wurden den Händen des Moses zu schwer, daß er voll Unmut sie von sich warf. Tanch. K. s. 13. Die Geschehniffe jenes Entsetzenstages, des 17. TamuS, erhalten eine düstere Vermehrung durch eine Szene von prometheischer Wucht und Kühnheit. Die tragische Zuspitzung, welche aus der Verschiedenheit der Willenslendenzen der Menschen sich ergab und die Moses kämpfend gegen die Massen des Volkes sich stellen ließ, findet einen parallelen Ausdruck in einem Kampf, den Gott und Moses führten. Als der Herr die Verderbnis des Volkes sah, schickte er sich an, das steinerne Zeugnis den Händen seines Dieners zu entwinden. Dieser aber erwies sich als der Stärkere und entrang Gott die Tafeln. Ier. Taan. 4,8. Warum nimmt überhaupt Moses die Tafeln mit hinunter, da ihm doch bereits auf dem Berge gesagt worden ist, daß das Volk in eine schwere Verirrung geraten ist? Moses will sie den Augen der Allmacht entziehen, damit sie nicht bei ihrem Anblick zu stets sich erneuendem Unmut erregt werde. Chask. z. 32,16. Anderseits kann er es sich nicht versagen, den zuchtlosen Massen flüchtig das herrliche Gottesgeschenk vor Augen zu führen, damit sie die Tiefe ihres Falles und die Schwere ihres Verlustes begreifen. Abarb. z. 32, 16. Aber der furchtbare Anblick des tobenden götzendienerischen Volkes übersteigt doch seine Kräfte. Schwäche befällt ihn, und er schleudert mit dem Rest seiner Kraft die Tafeln ein Stück weit, damit seine Füße von den harten Steinsplittern keine Verletzung erleiden. Chask. z. 32,19. Die Trümmer der zerbrochenen Tafeln wurden in einer Lade auf dem Wüstenzuge mitgeführt. Ier. Schek. 6,1. Trotzdem die ersten Tafeln von Gottes Hand herrühren, übertreffen womöglich die zweiten sie noch an Wert. Denn ihr Versöhnungs- und Bundescharakter wird durch dreimalige Anwendung des Ausdrucks nm stark unterstrichen. Als das Erfüllungsziel der ersten ist bloß genannt: Damit es ihnen gut gehe. Dt. 5. 26. Hinzu kommt, daß die zweiten am Versöhnungstage gegeben wurden. Saab bei I. E. 34, 1. Dem Bundescharakter der zweiten Tafeln wird eine sichere Grundlage dadurch gegeben, daß das Volk genau wie am Sinai mit seiner Erklärung: Wir

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