Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1930
- Issue
- 3 (15.3.1930)
- Article
- Der hebräische Unterricht im 1. Schuljahr
- Date
- 1930-03-15
- Page
- Seite 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 3 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 7 derselben hängt Quantität und Qualität des Erfolges ab. Im Hebräischen erübrigen sich derartige Vorarbeiten; wir stellen lieber die durch diese Schulungsübungen erreichten geistigen Dispositionen in seinen Dienst und gewinnen hierdurch an ohnedies schon kurz bemessene Zeit für Übungen, die auf die Eigenart unseres Unterrichtsstoffes zugeschnitten sind. Zusammenfassend wäre zu sagen: Unsere bisherige Arbeitsweise krankte an zwei Punkten: 1. Der erste hebräische Unterricht bestand in der Erlernung des Lesens der inhaltlich völlig unverstandenen und zum Teil auch lautfremden hebräischen Schrift, als Voraussetzung des sich daran anschließenden Übersetzungsunterrichtes. 2. Die jeweilig gebräuchlichste Lesemethode in der Muttersprache erfuhr eine mechanische Übertragung auf Erlernung des hebräischen Lesens. Aus der richtigen Erkenntnis dieser Fehlerquellen ergibt sich naturnotwendig ein Streben nach Vermeidung derselben. Es gilt also ein Lehrverfahren zu suchen, das aufgebaut ist auf fester sicherer Grundlage, als welche oben bereits bezeichnet wurde die Eigenart des Unterrichtsstoffes und die Individuallage der Kindheit und des Kindes. An dem bisherigen Ziel, Lesenlernen der hebräischen Schrift, hallen wir fest. Es hat sich durchaus als möglich erwiesen, den Kindern im ersten Schuljahr die Kenntnis der hebräischen Buchstaben und deren Zusammensetzung zu Silben und Wörtern zu vermitteln. Wir erweitern aber das Ziel nicht nach seinem Umfang, wohl aber nach seinem Inhalt und fordern: Befähigung der Schüler zu lautreinem deutschen Aussprechen der hebräischen Sprache und zum verständnisvollen Lesen der hebräischen Schrift. Von Anfang an sind sie anzuhallen hinter den Zeichen den Inhalt zu suchen und Form und Inhalt miteinander zu verbinden. Fortsetzung folgt Bezirkskonferenz München. Am 20. Februar 1930 waren drei Jahre seit der Gründung der Bezirkskonferenz München verflossen. Allmonatlich versammeln sich ihre Mitglieder zur Fortbildungsarbeit wissenschaftlicher und methodischer Art, zur Besprechung und Stellungnahme in Vereins und fiandespolitischen sowie in allgemein jüdischen Fragen und nicht zuletzt zur Pflege der persönlichen Beziehungen innerhalb der Kollegenschaft. Die ursprüngliche Teilnehmerzahl 11 hat sich, trotz der beklagenswerten Verluste zweier Kollegen, durch eine Vermehrung der Lehrkörper der Israelitischen Kultuögemeinde und der Israelitischen Volkschule sowie durch Eintritt des Kollegen Rosenbaum aus Ingolstadt auf 15 erhöht. Ein Rückblick auf die Tätigkeit zeigt, daß wertvolle Arbeit geleistet wurde und beweist die Notwendigkeit intensiven Schaffens in den Bezirkskonferenzen, und zwar: 1. Zur Forderung von Vereins- und Standesintereffen: Durch die Lokalunion der Vereinsleitung und der Bezirkskonferenz sowie des Verbandes Israelitischer Gemeinden ergibt sich naturnotwendig eine breitere Behandlung von Vereinsfragen. Die Tagungen des Verbandes und ihre Auswirkung auf den Lehrerverein, Rundschreiben an die Bezirkskonferenzen, Lehrerbildungsfragen, Statutenberatung waren öfters Gegenstand der Tagesordnung. Einen breiten Raum nahmen auch die großen Vorbereitungen für die im Jahre 1927 stattgefundene, harmonisch verlaufene Tagung des Verbandes jüdischer Lehrervereine Deutschlands ein.. Die Zugehörigkeit einiger unserer Mitglieder zu anderen jüdischen Organisationen wie CV. Jugendverein usw. bedingt des öfteren auch eine Aussprache über allgemeine jüdische insbesondere schulantisemitische ErziehungS- und schulpolitische Fragen. 2. Zur Anregung für die eigene Weiterbildung: In eingehender Weise wurde das Problem Lehrerbildung diskutiert. In einstimmiger Stellungnahme ersieht auch die M. B. K. in der Vollausbildung des jüdischen Lehrers im Gegensatz zur nur Religionslehrerbildung die Lösung dieser für das Judentum so hoch bedeutsamen Frage. In dankenswerter Weise hat die Israelitische Kultusgemeinde München auf Antrag der B. K. die Anschaffung wertvoller Bücher im Dienste der Lehrerbildung aus den Gebieten der Religionswissenschaften und der Religionspädagogik genehmigt. Die Referate: „Das Judentum und seine Umwelt" von Gutmann, Referent Dr. Keßler; „Die Lehrbarkeit der Religion" von Schorsch, Referent Dr. Klugmann gaben in hochinteressanten Ausführungen in erschöpfender Weise einen Überblick über die besprochenen Werke und so wertvolle Anregungen zum Selbststudium. Die praktische Verwertbarkeit dieser Bücher im Dienste deö Unterrichts wurde von den Referenten besonders gewürdigt. Die anschließenden sehr ertragreichen Diskussionen bestätigten den Gewinn, den jeder Teilnehmer aus diesen Referaten zog. 5. Zum Ausbau der Methodik des Religionsunterrichts. Unter diesem Gesichtspunkt waren es in der Hauptsache zwei Fragenkomplexe, die im Mittelpunkt der pädagogisch methodischen Erörterungen standen: a) Lehrplan für den israelitischen Religionsunterricht. Es wurde allgemein als ein großer Mangel empfunden, daß ein solcher überhaupt noch nicht existiert. Die neuerschienene Lehrordnung für bayerische Volksschulen enthalte zwar Richtlinien für den katholischen und protestantischen Religionsunterricht, nicht aber für den jüdischen. Es ist deshalb begrüßt worden, als ein Entwurf eines Lehrplans von Seminardirektor Stoll erschien. In einem Referat Dr. Keßlers nahm auch die M. K. dazu Stellung und ersah in diesem Entwurf eine wertvolle Grundlage für die Aufstellung eines Landeslehrplanes. Es wird wohl Aufgabe der kommenden Konferenzen sein, diesem Ziele näher zu kommen, d) Der hebräische Fibelunterricht: Diese in allen Lehrerkreisen brennende Frage war auch in unserer Konferenz öfters Gegenstand der Erörterung. Die neuerschienenen Fibeln wurden besprochen und in eingehender Weise auf praktische Verwendbarkeit geprüft. In seinem Referat: „der hebräische Unterricht im ersten Schuljahr" weist Kollege Julius Kissinger die Notwendigkeit nach, einen auf Grund der Eigenart des Unterrichtsstoffes und der seelischen Eigenart des Kindes aufgebaute Unterrichtsweise zu suchen. Reichliche Verwendung des Lesekastens und Schreibheftes machen die Fibel im ersten Schuljahr entbehrlich. Die dem Lehrgang vorausgehenden Sprechübungen erleichtern die Schwierigkeit des Lesenlernens und ermöglichen von Beginn an Verständnis- und inhaltvolle Lesetexte. In seinem Referat: „Der hebräische Fibelunterricht" zeigte Kollege Rosenfeld die guten Erfahrungen, die er bei der Anwendung der Prinzipien der hiesigen Versuchsschule machte und wie sich die Arbeitsschule auch im Hebräischen fruchtbar erweist. Wenn das Programm der M. B. K. keine Veranstaltungen zur Fortbildung in spezifisch jüdischen und talmudischen Fächern aufweist, so ist das zurückzuführen auf die reichlichen Gelegenheiten, die sich ihren Teilnehmern nach dieser Richtung hin in Gemeinde und Vereinen bietet. Der Vorsitzende: Dr. Klugmann. Der Schriftführer: Julius Kissinger. Bezirkskonferenz Fürth. Die nächste Konferenz findet am 3 0. März 1930 statt. Blumenthal. Perfonalta Kollege Berlinger (München) wurde am 1. Februar zum Hauptlehrer befördert. Die Volksschullehrerstelle Pirmasens wurde dem Hauptlehrer Lamm (Rockenhausen) übertragen. Am 10. März feierte der Nestor unseres Vereins, Lehrer Sonn in Würzburg, seinen 90. Geburtstag. Auch an dieser Stelle seien dem greisen Jubilar nochmals unsere herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Einzahlungen im Februar 1930 Von Levite, Gunzenhausen RM. 15.—; Erlebacher, MönchSroth 15.—; Blum, Nürnberg 15.—; Blumenthal, Neustadt 24.—; Lautmann, Frankfurt 30.—; Fränkel, Erlangen 30.—; Bein, Nürnberg 15.—; Bachenheimer, Zweibrücken 25.—; Dr. Eschwege, Frankfurt 25.—; Zielinski, Emden 20.—; Weinstock, Theilheim 15.—; Rosenberger, Hammelburg 20.—; Bernstein, Zweibrücken 15.—; Berlinger, Schweinfurt 15.—; Kurzmann, Schweinfurt 15.—; Kahn, Westheim 15.—; Neuberger, Niederwerrn 15.—; Stein, Haßfurt 15.—; Lehmann, Eschau 5.—; Freudenberger, Thüngen 20.—; Geßner, Rostock 10.—; Gutmann, Ottingen 20.-; Stoll, Würzburg 30.—; Fuchs, Cronheim 32.—; Blumenthal, UnSleben 15.-; Heß, Miltenberg 20.—; Anfänger, Heßdorf 15.—; Ellinger, Fürth 15.—; Müller, München 15.— . Scheckamt Nürnberg 6479. Würzburg, 2. März 1930. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München.