Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (1.3.1930)
- Article
- Franz Werfel und sein neues Werk
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 65 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 Ihr Zuhause Hotel Bayerischer Hoff m" SA M WMWM» I Ssstsllsn 8is ditts rechtzeitig. Fern ruf 22 §ranz Werfel und sein neues Werk Von Julius Bab Franz Werfel stammt aus dem jüdischen Prag, das eine merkwürdig große Rolle in der jüngsten deutschen Literaturgeschichte gespielt hat. Die doppelte Spannung, unter der die jungen Leute vor der nationalen Katastrophe dort lebten, als Deutsche und als Juden, hat sie sehr wach, sehr aktiv, sehr ausdrucksvoll gemacht. Sie wurden Führer in der expressionistischen Bewegung. Überdauert hat diese Bewegung eigentlich nur einer von ihnen, der von vornherein als ihr größtes Talent erkenntlich war: Franz Werfel. Franz Werfel begann 1912 mit dem noch etwas spielerisch rührseligen Büchlein der „W e l t f r e u n d" und gab dann den vollkommenen und vielleicht noch immer stärksten Beweis seiner Begabung in dem Bande „W i r s i n d". Da bricht im ekstatischen Schrei eines ganz selbständig bewegten Verses religiöse Leidenschaft aus. Diese Gedichte „reden in mancherlei Gestalten nur von einem. Von dem permanenten Exiftenzbewußtsein, das ist F r ö m m i g k e i t". Und in den mannigfachen Bildern des kleinen Lebens, die der erste Band nur mit allzu zärtlicher Rührung umfing, wird jetzt ein großes, erschütterndes Gefühl der Gesamtheit fühlbar. So in dem schönen Gedicht „An eine alte Frau, die beim Diner servierte". Das Bildnis einer alten Frau aus. dem Volke, die allein, inmitten einer sog. „Gesellschaft" das Gefühl von Erde, Menschheit, Gottheit vermittelt. Es kam der Krieg, und Werfels nächster Gedichtband „Einander" war härter, rhetorischer, bewußter — ausgefteift gleichsam durch das schreckliche Ereignis des Weltkriegs, dem sich der Dichter mit wütenden Versen entgegenwarf —, der Dichter, der vorher die schönen Verse geschrieben hatte: „Feindschaft ist unzulänglich". Aber auch in diesem Bande steht - offenbar einem sehr tiefen Erlebnis von Werfel zu genügen — ein Gedicht „Alte Dienstboten". Wie dies ganze Buch wiederholt es rhetorischer, feierlicher, härter das Thema aus dem früheren Gedichtband: Gepriesenes Leben, Dienst! Mit abgeschundenen Händen, Sich irdisch tilgend, himmlisch zu vollenden! Dann kam eine lange Zeit, wo Franz Werfel, in dem nicht nur ein religiös beflügelter Dichter, sondern auch ein höchst geschickter, von allerlei Ehrgeiz verführbarer Literat wohnt, auf Irrwegen ging. Vor allem als Theatraliker lieferte er höchst fragwürdige Produkte, die erst zuletzt in Anlehnung an einen historischen Stoff wenigstens äußeren Halt gewannen. („Iuarez und Maximilian.") Auch „Paulus unter den Juden" war mehr ein geistreiches Zustandsgemälde über die komplizierte innere Lage Palästinas im Jahre <50 unserer Zeitrechnung, als eine mit persönlicher Entschiedenheit geführte Auseinandersetzung der religiösen Welten, die sich dort begegneten. Der notwendigen Schärfe der dramatischen Form scheint sich Werfel zu verschließen. Erfolgreicher waren seine Bemühungen um die epische Form. Hier gelang ihm — auf einem Seitenpfade gleichsam — ein schöner Wurf: von einer tiefen Liebe für die italienische Musik ausgehend, schuf er den Roman „Verdi", ein hohes Menschenbild mit dichterischer Kraft vor uns aufrichtend. Jetzt nun — nach noch mancherlei Zwischenwerken lyrischer und Wallach-Kostüme fertig und nach Maß / Wallach, München an der Hauptpost DARMSTÄDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellsch aft auf Aktien FILIALE MÜNCHEN, Ottostraße 4 DEPOSITENKASSEN Bayerstr. 8 (am Hauptbhf.) Marienplatz 11-12 Fraunhoferstr.32(E.Auenstr.) Odeonsplatz 6 (E. Galeriestr.) Isartorpl. (Zweibrückenstr. 2) Ostbahnhof (Wörthstraße 51) Leopoldstraße 15 Sendlingertorplatz IO Valleystraße 7 .Großmarkthalle) Sparkonten gegen Banksparbücher (für Einlagen in beliebiger Höhe bis zu RM. 10000.—) {Täglich fällig . . . zurzeit 5 ®/o p. a. nach 1 Monat fällig) bntsprechend nach 3 Monat fällig/ e z"®" * * Kapital und Reserven 120 Millionen Reichsmark n,- ■ is Antonius-Wäscherei Sommerstraße 60 Fernruf 44438 Lindwurmstraße 97