Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 3 (1.2.1930)
- Article
- Von jüdischen Büchern
- Date
- 1930-02-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
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42 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 DARMSTKDTER UND NATIONALBANK Kommanditgesellsch aft auf Aktien FILIALE MÜNCHEN, Ottostraße 4 DEPOSITENKASSEN Bayerstr. 8 (am Hauptbhf.) Marienplatz 11-12 Fraunhoferstr.32(E.Auenstr.) Odeonsplatz 6 (E. Gaieriestr.) Isartorpi. 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Die verständnisvolle Belaffung jüdischen und altertümlichen Sprachgutes unterstützt gut die gewollte Wirkung und verlebendigt unseren Eindruck. Als erfreulichstes Zeichen für das steigende Interesse an der Wiederbelebung des Judentums in unseren Tagen ist nicht die Tatsache allein zu vermerken, daß ein solches Buch seine Wiedergeburt feiern kann, sondern, daß bereits durch die Subskription innerhalb des Jüdischen Frauenbundes die Herausgabe gesichert war. Unter diesen Auspizien kann man der für das Frühjahr angekündigten Ausgabe der „Z'ennah u-r'ennah" mit größter Erwartung entgegensetzen, die in mancher Hinsicht eine Ergänzung dieses Buches bringen wird. Bei dieser Lektüre werden uns Gestalten, wie die der „Glücke! von Hameln", noch vertrauter, da wir wissen, wie sehr ihr geistiges Leben in diesen Büchern wurzelte. Die urjüdische Geisteskost, die uns die beiden Bücher lebensvoll nahe brachten, hat Generationen genährt, deren Weltbild gestaltet. Mit dem Eindringen der Schätze des allgemeinen Wissens in die umhegte Welt des „Städtels", mit dem Hinaustreten der Einzelnen, besonders der Jugend aus dem Banne der Überlieferung wurde die Wirkungskraft dieser und anderer Pflanzstätten jüdischer Denkweise rasch gelähmt.. Bei uns in Deutschland war bis zum Ende des zweiten Drittels des vorigen Jahrhunderts die Sprengung der jüdischen Abgeschlossenheit vollzogen. Im Osten spielte sich der gleiche Prozeß vor unseren eigenen Augen ab. Es obliegt dem mühsamen Beginnen der heutigen Zeit, die Brücken zur Vergangenheit wieder zu schlagen. In lebenswahrer Form lassen uns zwei jüngst erschienene Werke Zeugen der Verwüstung werden, die im Gefolge dieser Erscheinung im Gefüge der Judenheit sich zeigte. Schalom A s ch, der bekannte jiddische Dichter, hat sein Schweigen in den letzten Jahren gerechtfertigt durch die Arbeit an einer großangelegten Roman-Trilogie „Vor der Sintflut", drsen erster Band „Petersburg"3 betitelt ist. In diesem, bis zu einem gewissen Grade der Entwicklung der Hauptfigur abgeschlossenen ersten Buche sehen wir mit der an A s ch gewohnten großen Schilderkunst das Leben der privilegierten Juden des zaristischen Rußland, der Akademiker und Kaufleute erster Gilde, die in der Reichshauptstadt leben durften. Diese Schicht ist rasch, obwohl sie meist selbst aus den in den „Rayon" gebannten Kreisen stammt, ihres Ursprungs entfremdet. Nur in der „Schtadlanuth", dem Fürsprechertum, das allerdings ebenso stark zusammenhängt mit der Sorge um die eigene Stellung und Sicherheit wie mit dem Rechtsempfinden und dem Verbundenheitsgefühl, äußern sich noch die Beziehungen zum Judentum; dem zweiten Geschlecht sind die Quellen bereits verschüttet und daher ist ihm das ganze Problem undeutlich geworden. In ihrem geistigen Bewußtsein spielt das „Jüdische" um so weniger eine Rolle, als nicht nur das religiöse Band fehlt, sondern ihr Heim sogar durch die russischen Ikone ein gleiches Aussehen erhält, wie das der christlichen Bürger. In diesem Kreis eines mondän gewordenen, seinem positiven Wesen entgleitenden Namensjudentums stößt plötzlich der junge Mirkin auf das wahre Gesicht des Judentums in der Begegnung mit den um ihr Recht und damit um ihr nacktes Leben ringenden Menschen, die in der ihnen verschlossenen Hauptstadt auf den abenteuerlichsten Schleichpfaden zu ihrem Ziel zu gelangen trachten. In diesen Menschen erkennt er nun Vater und Mutter, da ihm die leiblichen Eltern zu Schemen geworden sind. In den folgenden Bänden „Warschau" und „Moskau" wird sich das Geschick des Helden erfüllen. Gedrungener im Aufbau gibt sich der neue Roman Ludwig Lewisohns: „Das Erbe im Blut."4 Die jüngste jüdische Generation der Vereinigten Staaten kommt darin zum Wort, die Generation, die „drüben" geboren wurde und sich als Voll-Amerideutfcher Sprache. Nach der Ausgabe des Maaße-Buches, Amsterdam 1723, bearbeitet von Bertha Pappenheim. Mit einem Geleitwort von I. Elbogen herausgegeben vom Jüdischen Frauenbund. I. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. 1929. Gebd. RM. 9.—. 3 Schalom Asch, Petersburg. Roman. Paul Szolnay, Verlag, Berlin-Wken-Leipzig 1929. Gebd. RM. 7.—. 4 Ludwig Lewisohn, Das Erbe im Blut. Roman. Paul List, Verlag, Leipzig. Gebd. RM. 8.50. 999999515