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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1930-02-01 · 3 (1.2.1930) · p. Seite 41

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
6 (1930)
Issue
3 (1.2.1930)
Article
Joseph Roth
Date
1930-02-01
Page
Seite 41 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 3 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 41 Leo Stern i X München-Ostbahnhof 30 Jahre am Platze Kohlen Koks Briketts Holz für Hausbrand, Gewerbe und Industrie Beste Kohlscheider und Rührer Anthrazite Fernsprecher 43333—36 Schauspielerische enthielt, wurde geweckt und aktiv" — trifft Roth da nicht etwas, was zutiefst an das Wesen jüdischer Schauspielkunst rührt? Und wenn der alte Zipper, besten Rachenkatarrh eine Kur in Kudowa und besten Magenleiden einen Aufenthalt in Karlsbad erfordern, sich einbildet, er bliebe zu Hause, weil er zwei Übel habe, von denen jedes einen anderen Kurort verlange, ohne daß es ihm in den Sinn kommt, daß er nirgends hinfuhr, weil er kein Geld befaß - ist das nicht von derselben Art wie der Witz vom sterbenden Schnorrer, der zu seinen Söhnen sagt: „Hier Hab' ich mich schön gequält, lachen würd' ich, wenn's drüben nicht anders war'."? Joseph Roth, der eine Romangattung geschaffen hat, die Schule machen müßte, wenn das Wesentliche seiner stendhalver^- wandten Kunst, eine subtile Psychologie, die sich nie ins Kleinliche verliert, erlernbar wäre,, der deutsche Schriftsteller und Europäer Joseph Roth ist da, wo der Mensch sich am unmittelbarsten gibt, am stärksten rassegebunden: hinter seinen Humoren lauert die Trauer des Schlemihltums. Juden auf Wanderschaft Von Joseph Roth v Nach einer alten Legende sind einmal zwei Ostjuden durch die Welt gezogen, um Geld zum Bau einer Synagoge zu sammeln. Sie kamen zu Fuß durch Deutschland, sie kamen an den Rhein, gingen nach Frankreich und begaben sich in die alte jüdische Gemeinde Frankreichs, nach Montpellier. Von hier zogen sie ostwärts, ohne Karte, ohne die Wege zu kennen und verirrten sich. Sie gelangten in einer finsteren Nacht in das lebensgefährliche Spanien, wo sie getötet worden wären, wenn sich nicht ihrer die frommen Mönche eines spanischen Klosters angenommen hätten. Die Mönche luden die jüdischen Wanderer zu einem Disput ein, waren über die Gelehrtheit der Juden sehr erfreut, brachten sie sicher über die Grenze zurück und gaben ihnen noch einen Klumpen Gold zum Bau der Synagoge. Beim Abschied mußten die Juden schwören, das Gold wirklich zum Bau der Synagoge zu verwenden. Die Juden schworen. Aber die Sitte (wenn auch nicht das Gesetz) verbot ihnen, das Gold, das aus dem Besitz eines Klosters, wenn auch eines freundlichen kam, für das Heiligtum zu benutzen. Sie überlegten lange und kamen endlich auf die Idee, aus dem Goldklumpen eine Kugel zu formen und sie auf dem Dach der Synagoge als eine Art Wahrzeichen anzubringen. Diese goldene Kugel leuchtet noch aus dem Dach der Synagoge. Und sie ist das einzige, das die Juden des Ostens noch mit ihrer alten spanischen Heimat verbindet. Diese Geschichte erzählte mir ein alter Jude. Er war Thoraschreiber von Beruf, ein Sopher, ein frommer und ein weiser und ein armer Mann. Er war ein Gegner der Zionisten. Jetzt, sagte er, wird der Cherem (der Bannfluch) gegen Spanien erlöschen. Ich habe nichts dagegen, daß meine Enkel nach Spanien gehen. Es ist den Juden nicht immer dort schlecht gegangen. Es gab fromme Menschen in Spanien und wo fromme Christen sind, können auch Juden leben. Denn die Gottesfurcht ist immer noch sicherer als die sogenannte moderne Humanität. Er wußte nicht, der Alte, daß die Humanität nicht mehr modern ist. Er war nur ein armer Thoraschreiber. Von jüdischen Büchern Eine Übersicht von! Die erfreuliche Zunahme des Interesses der Juden an ihren eigensten Angelegenheiten hat naturgemäß auch ein Wachstum des jüdischen Schrifttums hervorgerufen. Vieles davon ist altes Kulturgut und durch neuzeitliche Darstellung wieder zur alten Wirksamkeit im Kreise der jüdischen Familie erweckt worden. Ein anderer Teil der Literatur wieder beleuchtet die brennendste Frage des jüdischen Seins, die Art unseres Lebens in und mit der Umwelt, so daß aus vielen Stimmen der Vielklang der jüdischen Existenz sich uns erschließt. Schilderung, zum Teil mit dichterischer Kraft und philosophischem Überblick geboten, reicht die Hand einer lebensvollen Darstellung der Persönlichkeiten und Verhältnisse, wie wir sie alle aus unserem Miterleben kennen. In hübscher Ausstattung gibt Else Schubert- Christ aller eine Auswahl „Jüdische Legenden"/ die vorzugsweise dem 1 Jüdische Legenden. Nacherzählt von Else Schubert-Christaller. Verlegt bei Eugen Salzer, Heilbronn 1929. Gebd. RM. 1.50. heo Harburger reichen, im Talmud uns überlieferten Schatz entnommen sind. Der Jugend, für die sie bestimmt sind, wird in sprachlich erfreulicher Form ein Teil von dem geboten, was an Lebenswerten und ErkennMijsen unsere Vergangenheit pries und der Überlieferung wert hielt. So erfüllt das Bändchen, dessen niedriger Preis die Beschaffung weitesten Kreisen ermöglicht, seinen Zweck vollauf, die Kette der Tradition weiterzuspinnen, daran mitzuwirken, den Kern des Judentums zu bewahren und zu erhalten. Nicht nur der Jugend, sondern jedem Kenner und Liebhaber echtester jüdischer Folklore wird aus einer von Bertha Pappenheim, der verdienten Führerin des Jüdischen Frauenbundes, bearbeiteten Wiedergabe und Verdeutschung des Amsterdamer M a a ße- Buches von 1723eine wertvolle Bereicherung und Vertiefung jüdischen Fühlens zufließen. Das mit einem Geleitwort I. Elbo- - Allerlei Geschichten. Maaße-Buch, Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch nebst Volkserzählungen in jüdisch- Hotel Kaiserhof •"" ' Schnlzenstrafle 12 Gebr. Greif Beliebtes Caf6 - Restaurant Künstler-Kapelle 8^47

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