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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-12-15 · 24 (15.12.1929) · p. Seite 400

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
24 (15.12.1929)
Article
Das Geschwisterproblem im ersten Buch Moses
Date
1929-12-15
Page
Seite 400 (sequence 4)
Language
German
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400 Bayerische Israelitische Gememdezeitung Nr. 24 bedurfte es dieser letzten Erfahrung, damit Josef, nach des Vaters Tode, die Sorge seiner Brüder, die nun eine späte und nachträgliche Rache fürchten, mit dem großen Worte beruhigen kann, das in der Tat die Lösung des Brüderproblems enthält: „Fürchtet Euch nicht! denn bin ich an Gottes Statt?" Eine herrliche Agada unterstreicht diesen letzten Gedanken: sie erzählt vom Tode Jakobs. Der Erzvater fürchtet, auf dem Totenbette, unter seinen zwölf Söhnen könne sich ein Unwürdiger befinden, wie Iischmael, Sohn Abrahams, oder wie Esau, Sohn Iizchaks. Da sagen die Nosalie perles zu ihrem Mit dem Rüsttag zum diesjährigen Chanukkahfeste ist ein Jubelfest seltener Art verbunden, an dem, weit über den Familienkreis hinaus, insbesondere die ältere Generation unserer Münchener jüdischen Gemeinde lebhaften, herzinnigen Anteil nimmt. An diesem Rüsttage wurde vor neunzig Jahren, der damals auf den 1. Dezember fiel, Heuer aber auf den 26. Dezember fällt, dem Ehepaar Simon Baruch und Henriette Schefftel 1839 in Breslau eine Tochter geboren, die den Namen Rosalie erhielt. In ihrer Vaterstadt und späterhin in Posen verlebte sie ihre Jugendjahre in einer Atmosphäre, die überaus befruchtend wirkte auf ihren leicht empfänglichen Geist, auf ihre ungewöhnlichen Gemütsanlagen. Ihr Vater verband, wie in jenen Tagen viele Kaufleute, moderne Bildung mit tiefer jüdischer Gelehrsamkeit. Eltern sowohl wie Großeltern, die in Posen gemeinsam Haushalt führten, bildeten für die heranblühende Jungfrau leuchtende Vorbilder in wahrer, echter Frömmigkeit, in Betätigung edlen, stets hilfsbereiten Menschentums, denen und deren Zeitepoche sie in vorgerückteren Jahren ein literarisches Denkmal setzte im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, Jahrgang 1905 und 1919, unter dem Titel: „Unsere Großmütter" und „Unsere Großväter". Aus der warmherzig und temperamentvoll geschriebenen, ttes empfundenen kulturhistorischen Skizze: „Unsere Großmütter" seien um deswillen einige Zitate hierhergesetzt, weil sie zugleich die treffendste Charakteristik darstellen für die wertvolle Persönlichkeit der Verfasserin selbst. Bayerischem®^ Vereinsbank Kredit- und Hypothekenbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen Bayerns rechts des Rheins ttifdjeWtinsij 0° 8% H Gold-pfandbrief fest nEE. *" Je49555 ioo ©olömocf Das Änlagepapier für jedermann Söhne, und reden den Vater mit feinem Gottesnamen Israel an: „Höre, Israel, ER ist unser Gott, ER ist einzig." Und sie sprachen weiter: „Ebenso wie in Deinem Herzen nur EINER ist, so ist auch in unseren Herzen nur EINER." Da Hub unser Vater Jakob an und sprach: „Gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit für immer und ewig." In dieser Deutung hat sich die im Brüderftreit bedrohte Einheit der Menschen durch die Besinnung auf die göttliche Einheit wieder gefunden. neunzigsten Sedurtstag So lesen wir über die Frauen aus dem Übergangsstadium vom Ghetto in die Freiheit, S. 161: „Die Ansprüche, welche diese Frauen an sich selber stellten, waren unbegrenzt; die Ansprüche, die sie an das Leben stellten, waren minimal, ja, man kann wohl sagen, sie waren gar nicht vorhanden. Ob Wohlhabenheit im Hause herrschte, ob Enge und Dürftigkeit — immer wohnte Frohsinn und Heiterkeit darin. Die jüdische Frömmigkeit bringt diese Heiterkeit mit sich. Die altjüdische Weltansicht ist eine durch und durch optimistische und schließt jeden Hader mit dem Schicksal aus. Kopfhängerei verträgt sich nicht mit der Art der Frömmigkeit, wie sie unsere Großmütter besaßen. Es war eine naive, man möchte sagen, unbewußte Frömmigkeit. Wohltätigkeit üben, Not lindern, Ergebung in den Willen der Vorsehung, das war ihr Frömmigkeitsideal." ' Der ethische Einfluß der „Sprüche der Väter" auf die jüdische Frau wird durch folgende beherzigenswerten Ausführungen, S. 1-63, in helle Beleuchtung gerückt: „Än jedem Sabbat in den langen Sommernachmittagen wurden sie abschnittweise von den damaligen Frauen nach dem Minchagebete, wie es Vorschrift ist, mit Ruhe und Muße gelesen. Die Sprüche der Väter! Was ist nicht alles in diesen Sprüchen enthalten! Es ist der Geist des Judentums, der hier in konzentrierter und doch allgemein verständlicher Form vorliegt, es ist der zusammengefaßte Goldgehalt, der in dem unermeßlichen Schrifttum zerstreut ist, es sind die köstlichsten Perlen aus demselben, die hier zu einer Kette zusammengereiht sind, mit der das Volk sich schmücken sollte. Und es hat sich damit geschmückt; denn jedermann war sie zugänglich gemacht, jedermann besaß sie in seinem Gebetbuche. Es ist eine religiöse Spruchweisheit, wie sie nur das Judentum aufzuweisen hat. Eine Frau, welche diese Schätze von religiöser Weisheit, wie von Lebensweisheit sich zu eigen gemacht, hat gründlich gelernt, worauf es im Punkte der Frömmigkeit am meisten ankommt. Das dort aufgestellte Ideal geht ihr in Fleisch und Blut über. Sie verbindet mit dem Worte „fromm" alles Große, Gute und Edle, wozu die jüdische Religion erzieht. Das gute Herz, die vornehme Gesinnung, das edle Handeln, die frommen Werke, das galt ihr, wie sie es aus den Sprüchen lernte, für Frömmigkeit und danach richtete sie ihr Leben ein." Endlich sei noch wiedergegeben, was über das jüdische Frauenideal der Gegenwart, S. 175, gesagt ist: „Dieses alte jüdische Frauenideal ist noch immer bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben. Es ist nicht tot, nicht ausgestorben, was auch über die jüdischen Frauen der Gegenwart von Juden und Nichtjuden gesagt, gedichtet, gekrittelt werden mag. Es lebt in ihrer Brust, ihr Leben und Wirken im Hause ist noch in den allermeisten Fällen das Leben und Wirken nach dem oben geschilderten Ideal, unbeirrt von den wechselnden Modebegriffen über Schicklichkeit, Weiblichkeit, Moral. Die Flamme der Gottesfurcht, die unsere Großmütter und Urahnen einst erleuchtet und erwärmt hat, sie hat ihre Leuchtkraft noch nicht eingebüßt, sie leuchtet den Enkeln, ihnen selber unbewußt, auf ihren Pfad und hält sie im Banne stengster Pflichterfüllung, schärft ihr Gewissen, führt sie der Wohltätigkeit, der werktätigen Liebe zu und läßt das Streben nach Höherem niemals in ihnen schwinden." Solch ein jüdisches Frauenideal dürfen wir auch in Frau Rosalie Perles verehren, die diesen uns Münchnern wohlvertrauten Namen führt, seitdem sie 1863 dem Rabbiner der Brüdergemeinde in Posen, 2r. Joseph Perles, die Hand zum Ehebunde reichte. Dieser Vereinigung zweier geistig hochstehender, seelisch gleichgesinnter Persönlichkeiten war vom allmächtigen Lenker der menschlichen Geschicke eine übreaus glückliche, mehr als drei Jahrzehnte währende eheliche Gemeinschaft beschieden. Der Ruf des Gatten als eines bedeutenden, angesehenen Rabbiners und Gelehrten, seine hohe Auffassung von den

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