Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 23 (1.12.1929)
- Article
- Versuch über Arnold Zweig
- Date
- 1929-12-01
- Page
- Seite 384 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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384 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 dieses Buch nur noch etwas Ähnliches wie über den „Grischa" gesagt sein, daß nämlich auch hier von der Warte einer unbestechlichen Humanität die Ideologie des Judengegners, wenn auch selbstverständlich nicht entschuldigt, so doch psychologisch zu deuten versucht wird, und das mit solch einer Objektivität und Klarheit, daß mir der „Caliban" eine der wirksamsten Waffen gegen den Antisemitismus zu sein scheint, eine wirksame geistige Waffe nämlich; denn - und diese Worte schreibt Zweig im „Caliban" — „Eroberung durch Gewalt ist niemals Überwindung durch höheren Geist, durch reinere Gesittung, durch gewinnende Kultur." Wenn „Caliban" aus einer bewußten Abwehrstellung heraus entstanden ist, so ist das jüngste Buch Arnold Zweigs aus der strömenden, schöpferischen Liebe zu seinem Judentum entstanden. Es heißt „Herkunft und Zukunft" und sagt mit seinem Titel schon, daß es hier um Erinnern und Hoffen geht, um ein Rückwärtsblicken und doch gleichzeitig um ein gläubiges Vorwärtsschauen. Aus den zu diesem Buche vereinigten Effays „Das oftjüdische Antlitz" und „Das neue Kanaan" spricht nicht die kalte Berechnung des Politikers zu uns, nicht die bedächtige Gründlichkeit des Wissenschaftlers, sondern die ahnungsreiche Schau des Dichters, seine Ehrfurcht vor der Vergangenheit und seine gläubige Hoffnung, mit der er der Zukunft des Judentums entgegensieht. Es ging nicht an, die Werke des Dichters — und auch nur die wesentlichsten — ausführlicher zu behandeln, als es die Enge deö Raumes gebot. Es konnte nur versucht werden, den Weg eines Dichters anzudeuten, einen Weg, der nicht immer gradlinig verläuft, sondern oft eigenwillig das Gestrüpp menschlicher Lauheit und Enge durchbricht. Was wir eingangs von Arnold Zweigs Sprache sagten, daß sie nämlich, mit den Worten Leopardis, schön und kühn ist, das glauben wir nunmehr auch von dem ganzen Werk des Dichters sagen zu dürfen; denn in seiner dichterischen Gestaltung paaren sich Mut mit Klang, und Stolz steht neben Liebe. Zweig ist nicht der Dichter der Studierstube, er ist der Dichter der Wirklichkeit. Er steht nicht abseits vom Leben, sondern stößt mit jugendlichem, feurigem Impetus mitten hinein: das ist K ü h n h e i t. Daß er aber dieses Leben zu gestalten versteht, mit meisterlicher Hand und mit liebender Seele: das ist Schönheit. Arnold Zweig steht im Mittag, seines Lebens, er hat der Jugend, der jüdischen Jugend mehr zu sagen, als manch anderer, der in Deutschland die Feder führt. Er ist ihr großer, mutiger Führer, er, der einmal an sie die Worte richtete: „Denn eine Jugend, die zurückblickt, bevor sie noch ernstlich will, die nicht wagelustig und voll Stolz in das heranwogende Dunkle, Ungeformte und Zukünftige steigt, um es zu Form und heller Gegenwart zu zwingen - eine solche Jugend, nur Schauen ohne Tat, nur Sehnsucht ohne Angriff, hat ihrem letzten und reinsten Stigma ängstlich entsagt, Bürge des Kommenden und Bringer der Freiheit zu sein." Bibliographisches Aufzeichnungen über eine Familie Klopfer, 1911, Albert Langen, München; später enthalten in „Drei Erzählungen", Welt-Verlag 1920, und im „Zweiten Geschichtenbuch", 1923, Albert Langen, München. Novellen um Claudia, Roman, 1912, Ernst Rowohlt, Leipzig, später Kurt Wolfs, München Abigail und Nabal, Drama, 1912, ebendort. Rikualmord in Ungarn, Drama (heißt jetzt Die Sendung Semaels), 1915, ebendort. Geschichkenbuch, 1916, Albert Langen, München. Bennaröne, eine Geschichte, 1918, Roland-Verlag, München. Drei Erzählungen, 1920, Welt-Verlag, Berlin. Das osijüdifche Antlitz, Essay, 1920 (mit Steinzeichnungen von Hermann Struck), Welt-Verlag, Berlin. Zweites Geschichkenbuch, 1923, Albert Langen, München. Gerufene Schatten, Erzählung (mit Steinzeichnungen von Klaus Richter), 1923, H. H. Tillgner, Berlin (später erschienen in Reclams Universalbibliothek, mit Nachwort von Heinz Stroh). Das neue Kanaan, Essay, 1924, Horodisch & Marx, Berlin. Lessing, Kleist, Büchner, Essays, 1925, I. M. Spaeth, jetzt Gustav Kiepenheuer, Berlin. Frühe Fährten, Erzählungen, 1925, ebendort. Der Regenbogen, Novellen, 1926 (enthaltend „Pont und Anna"), ebendort. Der Spiegel des großen Kaisers, Novelle, 1926, Gustav Kiepenheuer, Berlin. Die Umkehr, Schauspiel, 1927, ebendort. Caliban, Versuch über den Antisemitismus, 1927, ebendort. Der Streit um den Sergeanten Grischa, Roman, 1928, ebendort. Juden auf der deutschen Bühne, 1928, Welt-Verlag, Berlin. Pont und Anna, Novelle, 1929, Gustav Kiepenheuer, Berlin. Herkunft und Zukunft, zwei Essays, 1929, Phaidon-Verlag, Wien. Münchener Kunst in Nom Einen unter obigem Titel in der „Bayerischen Staatszeitung" vom 17. Oktober 1929 erschienenen Aufsatz entnehmen wir nachfolgenden Abschnitt, der, da er von dem Münchener jüdischen Bildhauer Zadikow handelt, besonderes Interesse verdient. Seit Beginn dieses Jahres haben die ersten deutschen Künstler die Villa Massimo als Gäste des preußischen Staates wieder bevölkert. Es spricht für die Großzügigkeit, mit der die Leitung der „Accademia Tedesca“ ihre Aufgabe auffaßt, daß sie sich nicht aus preußische Künstler beschränkt, sondern auch gerade Münchener Künstlern schon mehrfach Gelegenheit gegeben hat, Rom und Italien mit seinen unermeßlichen Kunstschätzen kennen zu lernen. Der bekannte Münchener Maler Professor Joseph Eberz hat einige Monate hier geweilt, ferner der Graphiker Wilhelm Heyse, dessen Radierungen sehr geschätzt werden, und endlich der Münchener Bildhauer Arnold Zadikow. Im Jahre 1914 erhielt er vom preußischen Staate den Rom- Preis. Ehe er in seinen Besitz kam, brach der Krieg aus. Jetzt, nach fünfzehn Jahren, konnte er erst in den Genuß seiner Auszeichnung kommen. Wie befruchtend der Aufenthalt in der Villa Massimo auf ihn wirkte, das zeigten seine Arbeiten, die er in diesen Tagen, ehe er Rom verließ, hier ausstellte. Die Ausstellung, die von den künstlerischen Kreisen Roms stark besucht wurde, zeigte mehrere sehr lebendige Porträtbüsten, darunter den Charakterkopf des Malers Professor Eberz und ein Selbstporträt des Künstlers. Im Mittelpunkt stand eine frei aus dem Stein gehauene Marmorfigur in Lebensgröße „Der sinnende Knabe", ein Werk von selten herber Schönheit, überzeugend einfach und klar in der Form. Daneben sah man noch eine Reihe von Plaketten, frisch angelegte Figuren und Reliefkompositionen, die, zum erstenmal zu einer Sammelausstellung vereinigt, einen guten Überblick über die künstlerische Reife Zadikows gaben. Vor allem aber bewies diese Ausstellung auch, daß die Deutsche Akademie in Rom ein Ort ist, an dem wirkliche Künstler in einer wahrhaft paradiesischen Umgebung die höchste Steigerung ihrer Schaffenskraft erfahren können. Möge es noch recht vielen Künstlern, vor allem auch Münchenern, vergönnt sein, Rom, seine Kunst und seine Sonne auf diese Weise zu erleben! M. Th. E. ^•liiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiinuuniiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiHHiiiiiiiiiniiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiHiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiniiiiuiiiiiiiiiHiuiniiiniiniiniiiiHiiiiiHNiii iiiiiuiiuiiii. Ä KUNST-GEWERBE-HAUS SSM