Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 20 (15.10.1929)
- Article
- Zur Geschichte der Familie von Hirsch
- Date
- 1929-10-15
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gernein-dezeitung 331 Kund gethan sey dieses allen Kronbeamten, allen Unseren Höheren und niederen Staatsdienern und allen Unseren Unterthanen insgemein, damit sie den Jacob von Hirsch auf Gereuth und seine Nachkommen nicht nur selbst für adelich erkennen, sondern sie auch, wo es ihr Amt oder ihre Pflicht erfordert, dabey handhaben, indem Unser Wille ist, daß jeder, der dieser Verleihung entgegenhandeln sollte, durch den Fiskus Unserer Krone vor die Gerichte gefordert, und dort sowohl wegen Verletzung unserer Befehle als wegen Miskennung wohl erworbener Befugnisse eines Dritten zu öffentlicher und Privatgenugthuung zugleich, ohne alle Nachsicht angehalten werden soll. Zur Gewißheit alles dessen haben Wir eigenhändig Unfern Königlichen Namen unterzeichnet, und Unser großes Insiegel anhängen lassen. So geschehen in Unserer Haupt- und Residenzstadt München den dreyzehnten Tag des Monats August nach Christi Unseres lieben Herrn Geburt Ein Tausend Acht Hundert und Achtzehn Jahr Unseres Königreichs im Dreyzehnten. Max Joseph vit: Graf v. Rechberg Auf Königl. Allerhöchsten Befehl P r o s ch Kgl. wirklicher Rath und geheimer Expeditor (Schluß folgt.) ' ■; 's'«'’-» Abbildung 5: Das Wappen der Familie von Hirsch auf Gereuch Nus dem Verbände Einweihung der wiederhergestellken Synagoge in Heidingsfeld Heidingsfeld, ein Städtchen unweit von Würzburg, besitzt eine alte Judengemeinde, die im Nürnberger Memorbuch bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wird; im 15. Jahrhundert hatte die Gemeinde ein Rabbinat, das vom 18. Jahrhundert bis 1813 Oberrabbinat aller jüdischen Gemeinden des Würzburger Bezirks war. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts zählt die Judengemeinde in Heidingsfeld an 600 Seelen. Dem damals in Würzburg bestehenden Wohnverbot für Juden verdankte die Gemeinde Heidingsfeld ihr Aufblühen; die Aufhebung dieses Verbots bedingte auch den Verfall der Gemeinde. Heute ist ihre Seelenzahl schon wesentlich unter 100 gesunken. Die jetzige Synagoge stammt aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Ihre Architektur und ihre Inneneinrichtung spiegelt die Einflüsse der Würzburger Barockzeit wieder. Ein rechteckiger Bau, dessen Männerraum durch 2 Untergeschosse und ein Mezzaninobergeschoß hindurchgeht und der an der Südseite von einem dreigeschossigen Bauteil begleitet wird, dessen Erdgeschoß und 1. Empore für die Frauen bestimmt ist. In einem 3. Geschoß über der ■ Frauensynagoge befindet sich die Gemeindestube. Der ursprüngliche Haupteingang zum Männerraum, der an der Nordseite liegt, ist innen durch Gestühl verstellt. Dieser Hauptzugang scheint bei Trauungen benützt worden zu sein, die auf dem Platz vor der Synagoge abgehalten wurden; hier befindet sich nämlich der Chuppastein mit den hebräischen Anfangsbuchstaben des Trauungsspruches: „Stimme der Wonne und Stimme der Freude, Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut." Die Männersynagoge schließt nach oben ab mit einer Spiegeldecke, die mit Rokokostuckwerk geschmückt ist. Der Almemor in der Mitte ist in klassischen Formen verziert. Seine Tischplatte ist seitlich mit einem schmiedeeisernen Gitter versehen, auf dem Kerzenhalter angebracht sind und das Laubwerk in Art der Rokokoornamente zeigt. Aus dem 17. oder 18. Jahrhundert (vermutlich aus einer älteren Synagoge) hängt eine Anzahl der üblichen Messingkronleuchter im Kreis um den in der Mitte angebrachten klassizistischem Kronleuchter von der Decke. Das Gestühl aus losen Ständern war ursprünglich um den Almemor gruppiert. Nach einer Beschreibung der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a, M. gehört die Heidingsfelder Synagoge zu den historisch und künstlerisch interessantesten Bauwerken ihrer Art. Verschiedene Instandsetzungen, im 19. Jahrhundert haben die Heidingsfelder Synagoge verunziert. Rohe Farben an Decken und Wänden, überftrichenes Holz- und Steinwerk sowie schlechte Gruppierung der Bänke raubten dem Gotteshause die stilvolle Feierstimmung des Raumes. Der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden betrachtete es auf Grund einer Anregung des Herrn Kommerzienrats Braunschweiger als eine wichtige Aufgabe, die Synagoge in alter Schönheit wieder erstehen zu lassen. In der farbigen Behandlung sollte der ursprüngliche Zustand aus der Zeit guter handwerklicher Kultur wieder hergestellt werden. Eine gründliche Untersuchung sämtlicher Teile des Hauses förderte denn auch alles zutage, was dem Auge jetzt wohlgefällig und fast selbstverständlich erscheint. Die Vorgefundene Farbengebung reichte aus, um dem Bau seine ursprüngliche Vornehmheit wiederzugeben. Der kleinen Mitgliederzahl der Gemeinde entsprechend wurde nur die Bestuhlung der Wände belassen. Zum Schutze gegen die Grundfeuchtigkeit entfernte man den alten Steinboden und legte eine isolierende Betonschicht aus Backsteinen. In die Bänke wurden unauffällig elektrische Heizungsplatten eingesetzt; besondere Sorgfalt wurde der elektrischen Beleuchtung gewidmet, die mit ihrem diffusen Licht der ursprünglichen Beleuchtung mit großen Kerzen entspricht. Die Herren Oberregierungsbaurat Dr. Lommel und unter dessen Anleitung Herr Architekt Kreis sowie Herr Andreas Menna haben die Wiederherstellungsarbeiten geleitet. Die aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts stammenden zahlreichen Thoravorgänge von hervorragend kunstgewerblichem Wert wurden ebenso wie der silberne Thoraschmuck unter Leitung des Herrn Sigmund Seligsberger einer fachgemäßen Renovation unterzogen. Nun steht die Synagoge in ihrer alten, schlichten Vornehmheit wieder da. Am 22. September fand die feierliche Einweihung in Gegenwart der Heidingsfelder Gemeinde, der Vertreter des Stadtrates Würzburg und Heidingsfeld, der Kultusverwaltung Würzburg, baye-