Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1929
- Issue
- 8 (15.9.1929)
- Article
- Windsheim, M.-Fr.
- Date
- 1929-09-15
- Page
- Seite 17 (sequence 2)
- Language
- German
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MellunW des Ifraelitifrtjen fthrtroctcina für Wem Schriftleitung: Max Adler, München 1929 München, 15. September Nr. 8 Moses Hofmann Es herbstlt! Auch in unserem Verein. Beklagten wir schon im vergangenen Berichtsjahre den Tod von 8 lieben Kollegen, hatten wir kaum das frische Grab des ehemaligen Vereins- und Ehrenvorsitzenden Goldstein verlassen, da trifft uns wieder ein schwerer Verlust im Heimgang eines unserer Besten, des Lehrerveteranen Moses Hofmann (Rothenburg). Stand er auch bereits im gesegneten Alter von fast 78 Jahren, so schienen körperliche und geistige Frische, Rosenwangen im schneeigen Silberbart noch viele Lebensjahre zu verbürgen. Da überfiel ihn unversehens vor mehreren Wochen ein Leberleiden, das überraschend schnell zum leichten Tode Hosmanns Wiege stand in Dittlofsroda bei Hammelburg. Zum Lehrerberuf bestimmt, besuchte er die Präparandenschule Höchberg und von 1868—71 das Israelitische Lehrerseminar Würzburg. Die erste Anstellung fand er in Zeckendorf bei Bamberg. 1875 berief ihn die nach 350jähriger Unterbrechung neugegründete Kultusgemeinde Rothenburg o. d. T. zum Religionslehrer. Hier in der Stadt des . „Maharam" sollte seine Haupt- und Lebensaufgabe in öljähriger Amtstätigkeit erfüllen. Er ward nicht nur Lehrer, sondern auch geistiger Führer und Berater, ja sogar finanzieller Sorger seiner Gemeinde, soweit es sich um Kultusangelegenheiten handelte. Er genoß das Vertrauen seiner Gemeinde in seltenem Maße. Nie erfuhr das schöne harmonische Verhältnis zwischen Gemeinde und Beamten eine Störung. Und auch außerhalb seiner Glaubensgemeinde, in allen Schichten der Bevölkerung erfreute er sich großen Ansehens. Anläßlich seines 70. Geburtstages und goldenen Ortsjubiläums wurden ihm ausergewöhnliche Ehrungen zuteil. Infolge zunehmenden Alters, nach 55jähriger Lehrertätigkeit, ließ er sich in den Ruhestand versetzen, den er bei seinen Kindern in Würzburg verbrachte. Hofmann war Mitbegründer des Israelitischen Lehrervereins für Bayern und 23 Jahre Verwaltungsmitglied. Er förderte ruhig die Interessen unseres Berufes und Standes. In der stürmischen Revisionskampfzeit stellte er mutig seinen Mann, wenn es not tat, auch gegen oben. Wie denn überhaupt Charakterstärke und Wahrhaftigkeit Wesenszüge seines Lebens bildeten. Freitag, 23. August, bewegte sich ein großer Trauerzug, in ihm viele Lehrer, von Würzburg nach der altehrwürdigenn Begräbnis stätte Höchberg, wo die sterblichen Reste Hofmanns an der Seite seines Freundes, unseres unvergeßlichen Hirsch Goldstein zur letzten Ruhe gebettet wurden. In Respektierung eines Wunsches, daß an seinem Grabe nur wenig gesprochen werden solle, beschränkte sich der stellvertretende Geistliche, Herr Seminarlehrer Gr. Neubauer, darauf, den Lebensgang des Heimgegangenen als Lehrer und Mensch kurz zu würdigen. Herr Theodor Mann, Vorstand der Kultusgemeinde Rothenburg, dankte bewegten Gemüts nochmals für treue, hingebende Pflichterfüllung, während Herr Lehrer Liffgens (Rothenburg) seinem treuen Vorgänger die letzten Abschiedsgrüße unseres Vereins, sowie die des großen bayerschen Bruderbundes und des Bezirkslehrervereins Rothenburg überbrachte. Moses Hofmann hat sich durch seine mustergültige Lebensführung ein ehrendes Andenken gesichert. „Sie haben einen braven Mann begraben, mir aber,-war er mehr". A. St. in U. Nuszug aus dem vericht der Vereinslettung über das Zadr 1928/29 erstattet von M. Rosenfeld (München) Gerade ein Jahr ist dahingegangen, seitdem die jetzige Vereinsleitung durch Ihr Vertrauen zur Führung der Geschäfte unseres Vereins berufen worden ist. Ich stehe nun vor Ihnen, um Bericht darüber zu erstatten, was im abgelaufenen Jahre geschehen ist, welche Arbeiten in Angriff genommen worden sind: darüber hinaus muß aber auch gesagt werden, welche neue Arbeiten unserer harren, denn wie im Leben der Natur so gibt es auch im Menschenleben, im Leben des Einzelnen wie im Leben einer Gemeinschaft keinen Stillstand; was wir heute erarbeitet haben, gehört morgen schon der Vergangenheit an und jeder neue Tag stellt neue Forderungen an uns, denen wir gerecht werden müssen, wenn wir nicht geistigem Siechtum und Tod verfallen wollen. Ich bekenne, daß ich mit einem gewissen Zagen an die mir gestellte Aufgabe herantrete, zumal sich hier die schmerzliche Erinnerung an den Mann aufdringt, der vor mir an diesem Posten gestanden und der es in meisterhafter und formvollendeter Weise immer verstanden hatte, dem alljährlichen Geschäftsbericht eine besondere Note zu geben und damit in umfassender, auf hoher geistiger Warte stehenden Betrachtung davon Zeugnis abzulegen, daß unser Verein weit hinaus über die Grenzen einer Berufsorganisation gewillt ist, mitzuraten und mitzutaten an allem, was das Judentum im engeren wie im weiten Kreise bewegt. Wenn ich leider nur zu großem Abstande von diesem unerreichbaren Vorbilde bleibe, so bitte ich im voraus um Nachsicht und mildes Urteil. 1. Stand des Vereins. Unser Verein zählt gegenwärtig 165 ordentliche Mitglieder, die in bayerischen Gemeinden angestellt sind bzw. waren, darunter befinden sich 46, das sind 28 Prozent, im Ruhestande. Die abgebauten Volksschullehrer sind dabei, soweit sie noch als Religionslehrer tätig sind, den aktiven Lehrern zugezählt. Ferner gehören zu unserem Vereins 17 außerbayerische Mitglieder. Es sind dies Kollegen, die früher, zum teil vor vielen Jahren in Bayern beamtet waren und auch nach ihrem Übertritt in nichtbayerische Gemeinden unserem Vereine die Treue gehalten haben. Unter diesen 17 auswärtigen Mitgliedern befinden sich 7 im Ruhestande. Zu unserem Vereine gehören weiter 4 Gewerkschaftsmitglieder und ein außerordentliches Lehrermitglied. Fortsetzung folgt Vereinsmilleilungen 1. Wieder hat uns der Tod einen unserer Besten entrissen. Am 21. August verschied nach kurzem Krankenlager im Alter von 78 Jahren unser lieber Moses Hofmann, der zu den Gründungsmitgliedern unseres Vereines gehörte und von 189*6 bis 1919 in der Verwaltung wertvolle Arbeit leistete. Wir schätzten in ihm den lieben Freund und den treuen Kollegen, der durch seine ruhige, stille, vornehme Art uns allen ein treues Vorbild war. Wir werden seiner stets in Liebe gedenken. Kaum ein halbes Jahr nach dem Heimgange ihres Gatten starb die Lehrerswitwe Frau Bernstein aus Mainbernheim, erlöst aus langen, schweren Leiden. 2. Hauptlehrer Sonn von Buttenwiesen wurde mit Wirkung vom 1. September 1929 an die Israelitische Volksschule in Kitzingen versetzt. Die Gemeinde Buttenwiesen und das Rabbinat Jchenhausen ehrten den scheidenden Lehrer und Freund in sehr ansprechender Weise. Zum Lehrer an die Religionsschule in Nürnberg wurde Präparandenlehrer Hönlein von Höchberg berufen. Nach 46jähriger treuer Dienstleistung traten die Kollegen Oberlehrer Michel (Pirmasens) und Lehrer Bachenheimer (Zweibrükken) in den wohlverdienten dauernden Ruhestand. Am 6. September feierte der Nestor der aktiven jüdischen Lehrer in Bayern, Kollege S. Strauß in Windsheim in körperlicher und geistiger Frische sein 50jähriges Ortsjubiläum. Wir drücken unserem lieben Freunde auch an dieser Stelle unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Kollege Kahn von Westheim erlitt vor einigen Wochen einen bedauerlichen Unfall. Wir wünschen dem lieben Freunde recht gute Besserung. Ein freudiges Ereignis für die ganze pädagogische Welt mar der 75. Geburtstag des Professors Geheimrats Kerschensteiner. Auch wir haben ihm unsere Glückwünsche zum Ausdruck gebracht und von ihm sein Bild mit einer freundlichen Widmung erhalten. Zum Jahreswechsel entbietce wir allen lieben Kollegen ein herzliches kesiwoh uchesimoh tauwoh! München, den 15. September 1929. M. Rosen seid. M. Adler.