Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 16 (15.8.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-08-15
- Page
- Seite 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 reichen Baugrund dar. Auch in unmittelbarem Anschluß an die bestehenden Gebäude ist infolge der Weiträumigkeit des Grundstücks Platz genug für jede gewünschte Erweiterung. Von den wenig glücklich aneinandergereihten Gebäudeteilen macht der ursprüngliche und älteste Bau, das vorderste villaartige Haus, den besten Eindruck. Hier gruppieren sich um eine in der Hausmitte gelegene Treppe in drei Stockwerken, die teils zum Aufenthalt (Erdgeschoß) teils zum Schlafen bestimmten Zimmer. Nähere Angaben über die Zahl und die Aufnahmefähigkeit dieser Räume können nicht gemacht werden. Die Stockwerkstreppe hat stark verwendelte Stufen. Bei Leuten mit unsicherem Schritt oder mit gestörtem Gleichgewichtsgefühl dürste sie den Eindruck des „Halsbrecherischen" erwecken. Ein Einbau eines Personenaufzugs im Rahmen dieses Hauses wird auf Schwierigkeiten stoßen, da weder für den Aufzug selbst, noch für den Zu- und Abgang ein geeigneter Platz vorhanden 51t sein scheint, übrigens wäre mit der verschiedenen Höhenlage und der verwickelten Anordnung der anderen Gebäudeflügel mit einem Personenaufzug wenig gewonnen. Weder das Vorderhaus noch die anderen Teile des Anwesens sind mit einer Sammelheizung oder einer Warmwasserbereitungsanlage für die Waschtische und Bäder ausgerüstet. Die unter dem Saalbau befindliche Küche, ihre Nebenräume und die Keller machen einen sehr geräumigen und gut eingerichteten Eindruck. Hingegen sind die hinter dem ursprünglichen Wohnhaus angebauten Flügel mit einer Reihe von Gastzimmern, wie bereits erwähnt, wenig übersichtlich angestückt. Der bauliche Zusammenhang mag brauchbar sein, solange es sich um die Versorgung von Kurgästen handelt. Für die Verpfegung von alten, kränklichen oder gar siechen Hausinsassen würde die verwickelte Gebäudeanlage ganz unmögliche Vorbedingungen ergeben. Diesen Nachteil erachte ich für so schwer und ausschlaggebend, daß auch die günstigen Eigenschaften des Anwesens ihn nicht wettmachen können. Überdies ist, wie bereits gesagt, dieser Nachteil nicht der einzige. Der Unterhaltungssaal ist für den vorliegenden Zweck unnötig, wenn nicht geradezu unverwendbar; die Glasveranda würde wesentlich mehr bedeuten, wenn sie unmittelbar von den Zimmern aus erreichbar wäre. Einen einzigen wirklichen Vorteil hat das Anwesen Löwinsky, nämlich die Geräumigkeit des noch unbebauten Gebiets. Wären genug Mittel vorhanden, fo würde es sich empfehlen, durcch entsprechenden Neubau und einschneidenden Umbau des Vorhandenen etwas Brauchbares und Bestiedigendes zu schaffen. Unser Gutachter hat sich aus den von mir angeführten Gründen nicht für dieses Projekt ausgesprochen. Projekt 2: Pension Ehrenreich, Bad Kissingen, Theresienstraße 4. Das Gebäude besteht in der Hauptsache aus zwei ungleich langen Flügeln, welche in einem annähernd rechten Winkel zusammenstoßen. Es wäre deshalb eine Trennung von Alten und Siechen möglich. Es ist allerdings auch, wie bei dem Löwinskyschen Betrieb bis jetzt nur.Sommerbetrieb vorgesehen. Der längere Hauptflügel liegt unmittelbar, also ohne vorgelagerten Vorgarten, an der Theresienstraße, der kürzere liegt an einem Nebensträßchen, das gleichzeitig als Zufahrt zu dem Wirtschaftshof des Anwesens dient. Die Himmelsrichtung der erstgenannten Straßenfront ist Nordosten, diejenige der zweiten Front Nordwesten. Der Hauptflügel (zweireihig bebaut) besitzt eine Gebäudetiefe von 12,30 Metern, der Nebenflügel (einreihig) eine solche von 8,20 Metern. Im rechten Winkel zum Hauptflügel schließt sich an diesen nach rückwärts ein niedriges Nebengebäude an, welches die zum Anwesen gehörige steie Fläche teilt in den Hof und den Garten. Der von der Theresienstraße in das Haus führende 2,50 Meter breite Eingang liegt auf der Straßenhöhe, ist vorn und hinten mit einem zweiflügeligen Tor versehen, kann also von kleinen Fahrzeugen als Durchfahrt benützt werden. Rechts und links von der Durchfahrt gelangt man mittels je einer Differenztreppe von sechs Steigungen in das Erdgeschoß: das Erdgeschoß wird also von der Durchfahrt in zwei Teile zerschnitten. Die Zweiteilung des Hauses kommt auch in dem Umstande zum Ausdruck, daß zwei zweiläufige Treppen zu den oberen Stockwerken führen. Das Erdgeschoß verfügt in seinem links der Durchfahrt gelegenen südöstlichen Flügel über sechs Zimmer, im rechten Flügel über acht Zimmer. Dem linken Flügel ist ein Speisesaal angegliedert, beim Eingang dient ein vom Gang nicht abgetrennter Raum von reichlicher Z'immergröße als Vestibül. Außerdem ist noch eine kleine Pförtnerloge vorhanden. An der Stelle der Durchfahrt und des Vestibüls werden in den oberen Stockwerken zu den anderen Zimmern drei Räume hinzugewonnen, so daß auch in diesem beide Flügel ohne Höhenunterschied -umfassenden Geschoß 17 Räume verschiedener Größe vorhanden sind. In ungleicher Höhe mit dem Haupthaus liegt das rückwärtig anschließende Nebengebäude, welches vom Vestibül aus mittels Differenztreppen erreichbar ist. Es besteht aus einem Sockelgeschoß, dessen Höhenlage ungefähr dem umgebenden Terrain entspricht und einem in Fachwerk errichteten Obergeschoß. Das Sockelgeschoß enthält vier Kammern und zwei weitere Räume. Das Obergeschoß weist vier Zimmer auf, wovon das größte mit einem Balkon versehen ist. Die Bauart des Hauptgebäudes macht im wesentlichen einen soliden Eindruck. Das Erd- und erste Obergeschoß ist hinsichtlich der Umfangsmauern massiv erstellt, das zweite Obergeschoß des links der Einfahrt gelegenen Flügels ist Fachwerkbau, während der rechte Flügel auch im zweiten Obergeschoß Massivmauerwerk aufweist. Dachstuhl und Dachdeckung machen im wesentlichen einen gesunden Eindruck. Die Haupträume des Haupthauses besitzen Öfen, meist Kachelöfen, hingegen der Speisesaal und der Nebenflügel sind ohne Heizeinrichtung. Die Zimmer des von der Durchfahrt links liegenden Küchenflügels sind mit Wascheinrichtungen mit fließendem Wasser versehen. Der rechts gelegene Teil des Hauses hat diese Einrichtung nicht. Die elektrischen Leitungen für die in den Zimmern vorhandenen Beleuchtungskörper sind offen mittels Litzen verlegt,- was nach den jetzt geltenden Bestimmungen nicht mehr vorschriftsmäßig ist. Auch die elektrischen Klingelanlagen haben offenliegende Leitungsadern. Die Küche ist nach Lage, Größe und Ausstattung für ein Kranken- und Altersheim unzulänglich, könnte jedoch nach Maßgabe von Oberregierungsbaurat Dr. Lommel, mit nicht zu großen Kosten umgebaut werden. Dem Vernehmen nach haben die bisherigen Hausinsassen, deren Aufenthalt sich auf die gute Jahreszeit beschränkte, im Hause bzm im Speisesaal nur die Nebenmahlzeiten eingenommen. Der Garten entspricht dem Bedürfnis eines Kranken- und Altersheims. Die beim Wirtschafts- Hof gelegenen Zubehörbauten können zur Autoeinstellung dienen. Hier befindet sich auch die. Waschküche, welche nach Größe und Lage dem vorliegenden Bedarf genügen dürfte. Es wären an Neueinrichtungen erforderlich: Einrichtung einer Sammelheizung, einer Warmwasserbereitungsanlage für Wasserentnahme, Umbau der Küche mit Nebenräumen, völlige Neuverlegung der elektrischen Lichtleitungen, elektrische Signal- und Hausfernsprechanlage, Personenaufzug, Linoleumbelag der sämtlichen Aufenthalts- und Schlafräume, feste Waschtische mit Kalt- und Warmwasseranschluß in den noch nicht damit ausgestatteten Räumen, völlige Neutünchung bzw. Neutapezierung der Räume, Windschutzwände aus' Glas und Sonnenschutz für die Terrasse im ersten Obergeschoß. «Bezüglich des Ankaufs des Anwesens wurden lange Verhandlungen geführt. Es wäre ein Betrag von 175 000 RM. erforderlich, davon sind 60 000 RM. in Hypotheken angelegt, eine Anzahlung an die Besitzer wäre in der Höhe von 30 bis 50 000 RM. zu leisten, der Rest in noch zu vereinbarenden Jahresraten. Bezüglich des Ehrenreichschen Hauses ist vorgesehen, daß die Vorbesitzer, die jetzt ein streng rituell geführtes Hotel führen, die Leitung übernehmen könnten, so daß in bezug der Verwaltung eine Erleichterung gegeben wäre, aber nicht eine Veffeiung von der Verwaltung. Das Projekt 3 ist Burgpreppach. Es handelt sich hier um die frühere Präparandenschule nebst Lehrerwohnung. Es besteht die Möglichkeit 40 bis 50 Leute unterzubringen. Die Gebäude sind seit drei Jahren leer. Es müßten von Grund auf Umbauten und Änderungen vorgenommen werden. Die Gesamkosten werden von Oberregierungsbaurat Dr. Lommel auf 20 bis 26 000 RM., die Kosten für die Einrichtung auf 15 bis 20 000 RM. geschätzt, insgesamt also 40 bis 50 000 RM., wobei allerdings keine Zentralheizung vorgesehen ist. Es darf gesagt werden, daß nach diesen Wiederherstellungsarbeiten die Wohnverhältnisse ungefähr so sein werden, wie in kleinen ländlichen Verhältnissen. Es muß auch gesagt werden, daß in Burgpreppach eine Kanalisation leider nicht vorhanden ist. Es liegt abseits von der Bahn, die nächste Station ist Hofheim und auch das ist nur eine Nebenbahn von Haßfurt, das auf der Bahnstrecke Schweinfurt—Bamberg liegt. Burgpreppach besitzt aber auch kein Krankenhaus, das nächste Krankenhaus ist in Hofheim. Dieses Projekt ist von der Kommission eingehend besichtigt worden. Oberregierungsbaurat Dr. Lommel war einen ganzen Tag dort, hat überall Maße genommen und gesagt, daß wir mit etwa 40 000 RM. bestimmt auskommen.