Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 14 (15.7.1929)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der siebenten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Aschaffenburg am 30. Juni und 1. Juli 1929
- Date
- 1929-07-15
- Page
- Seite 225 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 226 des Herrn Rabbiners Dr. Eckstein, daß er diesen Nachweis für Bayern erbracht hat. Ich danke ihm, dem jüdischen Frontbund und allen, die sich an den Feststellungen beteiligt haben. Der Allmächtige hat uns in den Jahren nach dem Kriege bewahrt. Möge er, wie es in dem niederländischen Dankgebet heißt, uns beistehen, damit nicht die Gemeinde ein Opfer der Feinde wird. Möge er uns fürder beistehen, wie er uns bisher beigestanden hat. Das walte Gott! Ich gebe das Wort dem Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg, Herrn Trier. Trier: Hochverehrte Damen und Herren! Die Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Aschaffenburg sehen es als eine Auszeichnung an, daß die Tagung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in diesem Jahre hier stattfindet und sie freuen sich, die bewährten Führer der bayerischen Judenheit hier begrüßen zu können, alte Beziehungen zu erneuern und neue Freundschaften anzuknüpfen. Wenn ich die Ehre habe, hier vor Ihnen zu stehen und Sie zu begrüßen, so bewegen mich Empfindungen des Stolzes über die glänzende Entwicklung des Verbandes und Befriedigung, daß Sie die Einladung der Kultusgemeinde Aschaffenburg angenommen haben. Ich heiße Sie im Namen der Kultusgemeinde und im Aufträge der Verwaltung auf das herzlichste willkommen. Ich begrüße auch meinerseits insbesondere den Vertreter der bayerischen Staatsregierung, Ministerialrat Mezger, ich begrüße den Vertreter der Kreisregierung und der Stadt Aschafsenburg, Geheimrat Oberbürgermeister Dr. Matt, und ich begrüße den Vertreter des Stadtrats, Herrn Stadtrat Dr. Schwind, ich begrüße ferner den Herrn Abgeordneten Dewald und die Vertreter der Presse. Ich begrüße insbesondere auch die ehrwürdigen Herren Rabbiner, ich begrüße die Mitglieder des Rats mit ihrem Präsidenten, Herrn Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und die Mitglieder der Tagung mit ihrem Vorsitzenden, Herrn Oberstlandesgerichtsrat Professor Dr. Silberschmidt, dem ja Aschaffenburg nicht fremd ist. Es ist eine sehr schöne Einrichtung des Verbandes, die alljährlichen Tagungen stets in einem anderen Orte der ihm angeschlossenen Gemeinden abzuhalten. Nachdem die vorhergehenden Tagungen in den bayerischen Großstädten München, Nürnberg, Augsburg, Fürth, Würzburg, Bamberg stattgefunden haben, sind Sie dieses Mal an die äußerste Nordwestecke Bayerns gekommen und hier nicht minder herzlich willkommen. Die Kultusgemeinde Aschaffenburg wird sich bemühen, den Ruf Aschafsenburgs als Kongreßstadt zu wahren und Ihnen den Aufenthalt so angenehm als möglich zu gestalten. Aschaffenburg, am Main gelegen, wegen seiner schönen Umgebung und seiner herrlichen Parkanlagen auch das bayerische Nizza genannt, hat alte historische Erinnerungen, aber auch eine alte jüdische Geschichte. Nach alten Dokumenten wird schon im Jahre 1335 eine Synagoge erwähnt und aus Urkunden ist ersichtlich, daß schon im 14. Jahrhundert, wahrscheinlich auch schon früher, Juden hier gewohnt haben. Im 18. Jahrhundert, etwa um 1750—1780, haben hier Juden ihre Angelegenheiten mit dem Mainzer Landesrabbiner geregelt. 1806 wurden für die Juden alle Einschränkungen aufgehoben in Anwendung des Gesetzes von der Gleichheit aller. Nach der Zugehörigkeitserklärüng Äfchaffenburgs zu Bayern im Jahre 1814 wurde das Distriktsrabbinat Aschaffenburg mit dem Sitz in Aschaffenburg gegründet. Wir hätten nun alle gewünscht, daß die heutige Tagung in eine Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs gefallen wäre, in eine Zeit, die berechtigte Hoffnung gibt auf eine Periode kulturellen Aufschwungs. Statt dessen sehen wir in deutschen Landen, insbesondere in der Rheinpfalz heute nach zehn Jahren nach dem großen Kriege, Fremde im Lande stehen. Es ist aber von ausschlaggebender Bedeutung, daß diese Fessel fällt. Erst dann wird es uns möglich sein, den Idealen zum Ziele zu verhelfen. Erst dann wird an Stelle des Materialismus der Idealismus treten. Auch der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden vertritt nur zum geringsten Teil materielle Interessen, sein Hauptaufgabenkreis liegt auf ideellem Gebiete, auf dem Gebiete höchster menschlicher Betätigung, der Religion. Sein Wirken ist deshalb Dienst am Vaterlande und staatserhaltend. Die günstige Entwicklung des Verbandes beweist, daß er zur richtigen Zeit gegründet wurde und von den richtigen Männern geleitet wird. Die Israelitische Kultusgemeinde Aschafsenburg wünscht, daß der heurigen Tagung ein voller Erfolg für den Verband beschieden sein möge. Möge auch die heurige Tagung ein Markstein werden in der Geschichte des Verbandes. Mit diesem Wunsche begrüßt die Kultusgemeinde Aschaffenburg die Tagung des Verbandes, und auch im Namen der Kultusverwaltung Aschaffenburg möchte ich die Wünsche für einen erfolgreichen Verlauf der Tagung aussprechen, daß sie Früchte zeitige in einem bald wieder erstarkten freien Deutschland. Damit rufe ich namens der Kultusverwaltung den Damen und Herren ein herzlich Willkommen zu in den Mauern Äfchaffenburgs. Ober st landesgerichtsratPro f. Dr. Silbers chmidt: Herzlicher Dank sei erstattet Herrn Trier und der Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Aschafsenburg für die freundlichen Begrüßungsworte, die sie uns gewidmet hat. Wir sind von Herzen dankbar für die viele Mühe, die von der verhältnismäßig kleinen Gemeinde aufgewendet worden ist, um den Verband so würdig und schön in den Räumen dieser herrlichen Stadt empfangen zu können. Ich muß aber noch einer Pflicht genügen. Es war nicht richtig, daß wir nur einen Dahingeschiedenen zu beklagen hätten. In dem Jahr, das hinter uns liegt, ist auch Herr Justizrat Dr. Dreifuß aus München aus unserer Mitte gerissen worden. Ich habe damals ihm den Scheidegruß namens der Tagung am Grabe ausgesprochen. Und ich kann auch heute nicht anders sagen, daß dieser Verlust ein ganz besonders schwerer für den Verband war. Justizrat Dreifuß hat sich an den Arbeiten unseres Verbandes mit dem ihm eigenen juristischen Scharfsinn und mit dem ihm ganz besonders eigenen menschlichen Takt beteiligt. Wir haben ein sehr großes Gewicht auf seine Mitwirkung gelegt. Er hat fast die größte Arbeit in dem Reoisionsausschuß jährlich geleistet. Er hat die Garantie dafür übernommen, daß unsere Geschäftsführung sich in ordnungsmäßigen Bahnen bewegt. Trauernd standen wir an seinem Grabe und wir müssen auch diesen Verlust heute trauernd vermelden. Sie haben sich zu seinen Ehren von Ihren Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen. Das Wort hat nun Herr Oberbürgermeister Geheimrat Dr. Matt. Geheimrat Dr. Matt: Hochgeschätzte Damen und Herren! Im Auftrag des Präsidenten der Regierung von Untersranken und Aschaffenburg, der mir seine Vertretung übertragen hat, habe ich die Ehre, Ihren Kongreß herzlichst zu begrüßen. Ich begrüße Sie .auch zugleich namens der Stadt Aschaffenburg, welche sich freut, von überall aus Bayern hier Ihre Vertreter begrüßen zu können. Ihr Kongreß ist ein Kongreß Ihrer Ältesten, ein Kongreß ernstester Männer, welche sich zum Prinzip gemacht haben, die Religion als Fundament des sittlichen Lebens zu fördern und welche darum bestrebt sind, nach dem altüberkommenen Glauben und nach den alten Gepflogenheiten ihrer Väter sich der heutigen Zeit anzupassen. Mit diesem Prinzip stellt sich Ihr Kongreß in bewußten Gegensatz zu so vielen Tendenzen, welche die Religion ausschalten wollen aus dem öffentlichen Leben und gegen sie protestieren. Anderseits treffen Sie sich hier auf dem Boden, den auch die christlichen Konfessionen zur Pflege ihrer Religion mit Ihnen teilen. Dadurch ist eine Plattform gefunden, auf welcher sich alle zusammenfinden können und müssen zum Wähle unseres Vaterlandes. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen namens der Stadt und des Herrn Regierungspräsidenten den besten Verlauf Ihrer Verhandlungen. Sie befinden sich hier aus althistorischem Boden, Zeuge davon ist unser herrliches Schloß. Manche Gesandtschaften von Kaiser und Königen und Fürsten sind hier ein- und ausgegangen. Nicht allein in Aschafsenburg, sondern auch in vielen umliegenden Städtchen und Dörfchen, soweit unsere historischen Kenntnisse zurückreichen, waren schon immer Juden angesiedelt. Ihre Geschichte war die gleiche wie die der Judenschaft in Mainz und Speyer. Ganz genaue Daten hat uns der verstorbene Bezirksrabbiner Bamberger in seinem um das Jahr 1900 erschienenen Buche hinterlassen, mit dem er sich besondere Verdienste erworben hat. Wir haben daraus erfahren, daß schon vor langer Zeit Judenkongresse mit der gleichen Tagesordnung, nämlich der Ordnung der äußeren Verhältnisse, wie heute in Aschafsenburg getagt haben. In Aschafsenburg selbst hat sich eine geachtete Judengemeinde erhalten, sie blüht und aus ihren Mitgliedern sind dem Leben der Gemeinde und des Staates wesentliche Kräfte zugegangen. Wir wünschen, daß Sie von unserer schönen, an alten Kunstschätzen reichen Stadt eine gute Erinnerung heimbringen. Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt dankt dem Vertreter der Stadt Aschafsenburg für die freundlichen Worte. Es ist mir vorher der Wunsch nahegelegt worden, Herrn Ministerialrat Mezger nach den lokalen Vertretern sprechen zu lassen. Ich weiß nicht, ob - das nicht so gemeint war, daß nach dem Vertreter der Kultusgemeinde Aschaffenburg Herr Ministerialrat Mezger sprechen wollte. Aber wie dem auch sei, wir begrüßen Herrn Ministerialrat aufs herzlichste und ich bitte ihn, das Wort ergreifen zu wollen. Ministerialrat Mezger: Sehr verehrte Damen und Herren! Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus entbiete ich dem Verband zu feiner diesiäkrigen