Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1929
- Issue
- 5 (15.5.1929)
- Article
- Erinnerungen an Oberlehrer Simon Dingfelder s. A.
- Date
- 1929-05-15
- Page
- Seite 11 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 5 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern 11 gen. Erst wenn alle unsere Gemeinden für den Gedanken der Einheit und Einigkeit reif geworden, wenn der altjüdische Verpflichtungsgedanke, daß jeder in Israel verantwortlich ist, für das Wohl und Weh des anderen, Tat geworden, dann erst kann der Verband seine religiösen, sozialen und materiellen Pflichten hemmungslos erfüllen. Was der Verband finanziell leistet, kommt auf die Habenseite jener Gemeinden, die ohne diese Hilfen keinen Rabbiner, Lehrer und Vorbeter hätten. Leider könnten viele Beispiele mangelnden Gemeinsinns aufgezählt werden. Wären nicht die Gemeinden, die nach dem Vorbilde Münchens und Nürnbergs ihre Verpflichtungen erfüllen, die überwiegende Mehrzahl, der Verband wäre längst zerfallen. Dann würde das alte Elend für Gemeinden und Beamten wiederkehren, das so mancher der alten Kollegen durchlebt und so mancher jüngere Kollege vergessen ha t. Die Beamtenorönung des Verbandes soll die rechtliche Krönung der Verbandsfürsorge für seine Beamten werden. Das Beamtenrecht aber setzt Beamtenpflichten voraus, solche, die im Gesetz niedergelegt siyd, und ungeschriebene, die wir uns selbst geben. Das Gebot der Selbstachtung gebietet dem Beamten, der gleich dem Staatsbeamten den Gehalt seiner Gruppe und Stufe bezieht, Ablehnung aller Einkünfte, für die er nicht entsprechende Dienste leistet. Ich bin auch ein Gegner aller geschäftlichen Nebenberufe des Lehrers. Ich meine damit die Lebens- und Feuerversicherungs- Agenturen, geschäftliche Vertretungen usw. Unter diesen Nebengeschäften muß der Beruf Not leiden, die Zeit und Kraft so verschwendet, wird dem Dienst in Gotteshaus und Schule abgespart und hindert die berufliche Fort- und Weiterbildung, in der ich eine B e - r u f s p f l i ch t sehe. Diese Berufspflicht darf sich nicht auf die Pflichtstunden im Amt beschränken, sondern muß den Lehrer zum geistigen Führer und Berater der Gemeinde machen. Er fördere die Vereinigung der Jugend, die der Schule entwachsen ist, in Zirkeln zur Erweiterung und Vertiefung hebräischen Könnens und jüdischen Wissens, zur Einführung in die Geschichte unseres Volkes, zur Ausrüstung mit dem Abwehrmaterial gegen antisemitische Lüge und Verhetzung. G'tt sei Dank gab es und gibt es noch genug Lehrer, die so ihres heiligen Amtes walten. Wo es anders ist, suche jeder die Schuld bei sich selbst. Zu den ungeschriebenen Gesetzen der Beamten gehören auch die Verpflichtungen gegen seine Standesvereinigung und gegen seine Standesgenossen. Endlich gilt es den Einigungsgedanken, von dem ich ausgegangen, auch bei uns in die Tat umzusetzen. Der Lehrerverband hält ein einheitliches Zusammengehen aller jüdischen Lehrer Deutschlands im Interesse der Zukunft unseres Standes für dringend erforderlich. Wir erkennen die Berechtigung dieses Gedankens an und ich glaube, in Ihrem Namen zu sprechen: Wir begrüßen die Einigung und werden mithelfen, sie in die Tat umzusetzen. Gehen wir an die Arbeit mit dem festen Willen, daß wertvolle Beschlüsse zum Besten unseres Standes, zum Wohle unserer Gemeinden heute gefaßt werden — Samenkörner für die Ernte kommender Zei- Jn unseren Wirkungsstätten, in der kleinen Landgemeinde, in der Großstadt, in Volksschulen und im Religionsunterricht wollen wir die Tat folgen lassen. Daß man auch von uns einmal rühme: „Grub einen Quell aus dürrem Wüstensand, Pflanzt einen Baum in ödes Heideland, Auf daß ein Wandrer, der nach vielen Jahren An Deinem Born sich labt und Früchte bricht Von deinem Baum, dich segnend spricht: Ein guter Mensch ist dieses Wegs gefahren." Vorgeschichte der israelitischen Volksschule flltenfta&t Bon H Rose Fortsetzung und Schluß Doch wurde der Akt mit einer feierlichen Rede begonnen und den Versammelten die allerhöchste Gnade seiner Majestät, allerhöchst welche zu erlauben geruht haben, daß den deutschen Schülern mosaischer Religion auch Lehrer aus ihrer Konfession vorgesetzt werden dürfen, anschaulich gemacht und dann die destomehr zur Dankbarkeit hingezogenen aufgefordert, daß sie als Vorgesetzte und Eltern dem neuen Lehrer zum Wohle der Schule freundlichst die Hand bieten und dem neuen Lehrer alle Achtung, Liebe und Vertrauen schenken sollen, als das Lehramt ein sehr schönes und wichtiges Amt und dabei das segensreichste und eben darum das würdigste sei, von welchem die Bildung des Verstandes und Segen über die Eltern, Hausväter, über den König und seine preiswürdige Regierung, über das Vaterland und über das regierende Haus sich verbreite und Gott selbst, die wahre Anbetung bilde. Infolgedessen wurden die Schüler ihrem neuen Lehrer Gehorsam, Liebe und Achtung zu erweisen aufgefordert, die Gemeindemitglieder aber ernstlich ermahnt, diesem ihrem Sohn aus eigener Nation sein saueres und mühsames Brot durch Liebe und Achtung zu versüßen; dann werde die Schule die besten Früchte bringen. Es wurde darauf der neue Lehrer für sein Amt durch Handgelübde verpflichtet und die Gelobung angenommen, daß er seinem Lehramt nach allen seinen Kräften vorstehen und allen seinen Pflichten bestens Nachkommen wolle, worauf man ihm die Schlüssel zur Schule überreichte und den ganzen Lehrapparat einhändigte. Auch wurde dem neuen Lehrer aufgetragen, das Anvertraute wohl zu bewahren, die Kinder liebreich zu behandeln und den Frieden zu lieben. Worauf der ganze Akt, das gegenwärtige Protokoll, darüber verfaßt, verlesen und unterzeichnet wurde. So geschehen ckatto sutto Kgl. Distriktsschulinspektor Bernart. Abr. Meyer, Rabb., Aron Fränkl, Lehrer. So war in der israelitischen Gemeinde Altenstadt eine wirkliche israelitische Konfessionsschule, israelitische Schüler unter einem israelitischen Lehrer, ins Leben gerufen worden. Ihre segensreiche Tätigkeit währte fast ein ganzes Jahrhundert. An ihr haben zunächst folgende Lehrkräfte gewirkt: Aron Fränkl bis 1851, Oberlehrer und Rabbiner Schwab bis 1870. Schon 1854 war als sogenannter Unterlehrer der Schulverweser Nathan Weiß angestellt worden und wirkte in dieser Eigenschaft bis 1874, und zwar von 1870 bis 1874 mehr als Religionslehrer, nachdem aus Mangel an israelitischen Lehrkräften der eigentliche Volksschulunterricht dem christlichen Lehrer Demeter bis 1874 übertragen worden war. Dann besuchten die israelitischen Schüler die christliche Schule in Jllereichen „gastweise". 1880 wurde der Hannoveraner Jsak Lautmann an die hiesige israelitische Schule berufen und ihm folgte 1900 der Berichterstatter bis 1924. In diesem Jahre wurde die Auflösung infolge Schülermangels vollzogen und der Stelleninhaber in den Ruhestand versetzt. Anmerkung der Schriftleitung: Aus räumlichen Gründen mußten Streichungen und wesentliche Kürzungen vorgenommen werden. Bezirkskonferenz Fürlh Nächste Konferenz am 2 6. Mai 1929 in Fürth, Moststraße. Beginn pünktlich 1 4 Uhr. 1. Der Unterricht in der systematischen Religionslehre; Referent: Gönninger, Zirndorf. 2. Mischna, Traktat Schabbos, Fortsetzung; Referent: Ellinger, Fürth. 3. Vereins- und Standesfragen. Blumenthal. Achawa Die Achawa, Pensions- und Unterstützungskasse israelitischer Lehrer in Deutschland, erhebt von ihren aktiven Mitgliedern einen Jahresbeitrag von 4 RM. (Postscheckkonto 47 452 Frankfurt a. M.). Ehrenmitglieder bezahlen als Mindestbeitrag 6 RM. Anfragen richte man an den Schriftführer der Achawa, Herrn Studienrat Walter Rothschild, Frankfurt a. M., Unterweg 20. personalia Unser Kassier, Hauptlehrer M. Hellmann, Würzburg, wurde zum Oberlehrer befördert. Unser früheres Verwaltungsmitglied, Oberlehrer Blatt, Obbach, trat am 1. Mai in den Ruhestand. Einzahlungen im April 1929 Von: Berlinger, Schweinfurt, 15.—; Neumann, Feuchtwangen, 5.—; Lehmann, Eschau, 15.—; Neuberger, Niederwerrn, 30.—; Vachenheimer, Zweibrücken, 30.—; Hammelburger, Jchenhausen, 30.—; Eldod, Höchberg, 15.—; Erlebacher, Höchberg, 15.—; Hönlein, Höchberg, 15.—; Roberg, Höchberg, 15.—; Stolberg, Höchberg, 15.—; Kannemacher, Aub, 30.—; Gutmann, Ottensoos, 6.—; Brückheimer, Marktbreit, 15.—; Schwarzenberger, Bödigheim, 10.—; Schottland, Frankenthal, 30.—; Schmid, Ansbach, 15.— RM. Durch: Rosenfeld, München, 70.—; Brückheimer, Marktbreit, 3.— RM. Postscheckamt Nürnberg 6479, Würzburg, 1. Mai 1929. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilungen,, verantwortlich: Max Adler, München.