Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-05-15 · 10 (15.5.1929) · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
10 (15.5.1929)
Article
Die Juden von Küps
Date
1929-05-15
Page
Seite 156 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2727810-2727875-2727885-2735655--04728-2735706
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

156 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 10 Synagoge zu Küps Israelitischer Friedhof zu Küps Vorschrift vom 28. Juli 1834 entweder eine vollständige Elementarschule eingerichtet werden, oder die jüdischen Kinder sollten der christlichen Schule zugewiesen werden mit gesondertem Religionsunterricht. Da die jüdische Gemeinde den Aufwand für eine eigene Schule nicht aufbringen wollte oder konnte, so wurden die Mischen Schüler von Küps (17) und Oberlangenstadt (18) der hiesigen protestantischen Schule zugewiesen. Wegen Überfüllung derselben aber wurde in dem Jachre 1835 die Errichtung einer christlichen Schule angeordnet, die im Jahre 1837 fertig gestellt war. (Akten der Distriktsinspektion.) Diese Schulen hatten nunmehr die jüdischen Kinder von Küps und Oberlangenstadt zu besuchen. Der Religionsunterricht wurde vom jüdischen Lehrer und Vorsänger Abraham Hirsch Kronacher in Oberlangenstadt erteilt. (Geb! 2. August 1797, gest. 1867.) Ihm war vorangegangen Jsak Kronacher (gest. 29. Oktober 1828, 79 Jahre alt) und diesem, Seligmann Schwarz (geb. 1787, gest. in Baiersdorf). Auf Abraham Kronacher folgte Ährer Abraham Bonheim (1868—74) und auf diesen Simon Silberstein (1874—80), sodann Adolf Schwarz (1880—1882), der nach Binswangen übersiedelte und dort lange Jahre amtierte. Hingegen kam von dort Moses Wetzlar 1882 nach Kronach, der nunmehr den jüdischen Kindern von Oberlangenstadt und Redwitz den Religionsunterricht in Oberlangenstadt erteilte. 'Wir fügen hier die bemerkenswerte Tatsache ein, dah der Rabbiner Johannes Cellarius von Burgkundstadt, der sich deshalb Gnostopolitanus nennt, am 20. Mai 1519 an die neu (1502) gegründete Universität Wittenberg berufen wurde als Lehrer der hebräischen Sprache, nachdem er sich zum Christentum bekehrt und die Rechtfertigung vor Gott aus dem Glauben angenommen hatte. Nach wenigen Monaten, im Dezember, kam der bedeutende Mann an die Universität Leipzig, wo Matthäus Aurogallus (Goldhahn) sein Schüler war, der dann Lucher bei dem großen Werke der Bibelübersetzung, insbesondere des Alten Testaments, wacker beistehen konnte. (1530.) (48. Jahrgang der Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums^) Noch können wir etwas Seltsames und Bemerkenswertes von der Küpser jüdischen Gemeinde berichten. In Staub und Moder auf dem Dachboden der Synagoge zu Altenkundstadt lagen die papierenen Zeugen vergraben und vergessen, bis der verstorbene Rabbiner Dr. Goitein (Burgkundstadt) sie eines schönen Tages aus ihrem tiefen Schlafe weckte und zum Reden brachte. Es handelt sich hier um „die Blutbeschuldigung zu Küps 1797." Der oben genannte Lehrer Marx Abraham in Küps habe Ende Mai 1797 den zehnjährigen, schwachsinnigen Bettelknaben Mathes Marr aus Grün bei Küps in seine Wohnung gelockt, habe ihn mit einem Stricke angebunden, ihm ein Eisen in den Mund geschoben, und ihn an einem Nagel ausgehängt. Sodann habe er ein langes Messer, eine Hechel, ein Schüsselein und ein Häfelein gebracht, ihm mit dem Messer in die Finger geschnitten und auf den Bauch gehechelt, von welchem sehr viel Blut in ein Schüsselein gegossen sei. Aus den Fingern sei auch Blut geflossen, das in Blasen an den Fingern aufgefangen worden sei usw. Da bald hierauf in der ganzen Gegend eine Beunruhigung der Gemüter sich bemerkbar machte, erließ die fürstbischösliche Regierung in Bamberg, an die sich die Stadt- und Land-Judenschaftsdelegierten wandten, verschiedene Regierungsdekrete an das Centamt Weihmain zur Untersuchung des Falles, wodurch' die Unhaltbarkeit der verbreiteten Lügen sich herausstellte. Traurig aber interessant sind diese Dokumente einer dunklen Zeitepoche und die einer gewissen Tragikomik in der Auswirkung nicht entbehren. Doch fühlt man schon deutlich hindurch den Flügelschlag eines freiheitlichen Zeitgeistes, welcher langsam aber unaufhaltsam über den Rhein zu uns herüberschwebte. - Aus dem Verbände Der bayerische Kultusminister Goldenberger gegen die Alanauer Ritualmordhehe Der bayerische Kultusminister Dr. Goldenberger hat anläßlich der Ritualmordhetze in Franken durch einen Erlaß die Schulbehörden angewiesen, in den oberen Klassen den Schulkindern Aufklärung über die gänzliche Unhaltbarkeit der Ritualmordlegende zu geben. Zu dieser von den Nationalsozialisten beanstandeten Ministerialentschließung erklärte der Minister in der Sitzung des Haus- STOltWERCK [ SCHOKOLADE-PRALINEN "i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.