Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (15.5.1929)
- Article
- Die Juden von Küps
- Date
- 1929-05-15
- Page
- Seite 155 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 155 über die Erbauung der Küpser Synagoge ist nichts bekannt, wohl aber wies das im Mai 1900 niedergelegte massive Gebäude, das einer Turnhalle gewichen ist, als Erbauungsjahr 1769 inschriftlich nach. Das scheint die zweite Synagoge gewesen zu sein. Pietätvoller Sinn hat jene alten Inschriften der neuen Turnhalle eingefügt. Wir lesen dort: .nSsjin > IKä’ D'p*is "i> -u>x»n nr ■ r>' öa süs. . pm ’p 7V1. H ' Al ( 1769.) So mutet es uns wehmütig an, wie ein verklungen Lied aus fernen Tagen, wenn wir in hebräischer Schrift lesen: „Ich bin wie eine Lilie". sSaronsj (Hohes Lied, Kap. 2. 1.) (Zugleich die Jahreszahlinschrift für 1769 — 5529.) „Dies ist das Tor des Ewigen, Gerechte werden darin eingehen." (Ps. 118. 20.) „Der Ewige behütet die Türen Israels." — „Dies sind die Tore der Frömmigkeit, ich komme hinein und danke Gott." (Psalm 118. 19.) — Auf der Südseite der Synagoge befand sich die Wohnung des Lehrers, die ebenfalls fromme Inschriften an den Oberschwellen der Türe und der Fenster aufwies. Auf der Rückseite der Turnhalle lesen wir den Spruch: „Hier, wo die Synagoge stand Erhebt sich jetzt ein Turnerhaus. Was edler Sinn zuvor geplant Hat Opfermut geführt hinaus. Auch fürder unser Losung sei: Frisch, fromm, fröhlich, frei!" Seit 1870 war die Synagoge nicht mehr benützt. „Es war ein schmerzlicher Anblick", schrieb im Jahre 1908 der um die Heimatpflege hochverdiente Pfarrer Pöhlmann aus Küps, „wenn die alte Synagoge nach hundertjährigem Dienst kalt gestellt, zu einem Streu- und Heumagazin jahrelang herabgesunken war. So ganz vertrauert blickte der ehrwürdige „10-Gebot-Schrein" darein, daß er nun ganz und gar so vergessen und verachtet war und in einer so wüsten Umgebung trotz Butzenscheiben und Logengitter sich befand. Noch führt er sein traurig Dasein in dunkler Ecke weiter, ein schmerzvoller Zeuge vergangener Zeiten, vielleicht kommt er noch einmal wieder zu Ehren unter verständigen, schonenden, zartfühlenden Händen." — Freud und Leid teilten die jüdischen Gemeindemitglieder mit ihren Dorfgenosfen, so daß sie in gutem Frieden zusammenlebten. Auch in den Kriegszeiten wollten sie ihren Mann mitstellen. So hören wir, daß bei einer Waffenlieferung während des Siebenjährigen Krieges acht jüdische Hausväter sich als wehrhafte Männer präsentierten und 4 pistohlen, 2 Flinden, 4 Degen, 1 püchsen, 1 Säbel lieferten. Im übrigen waren ihnen die stetigen Einquartierungen insofern gewinnbringend, als sie die Gewürzlieseranten waren, d. h. den Spezereihandel trieben, auch nicht selten zu Armeelieferanten wurden und so immer auf den Kriegsrechnungen erschienen. Im Krieg wie im Frieden betrieben sie eifrig Viehhandel. II. Wenn wir vorhin von der Wohnung des jüdischen Lehrers sprachen, so wissen wir leider nur sehr wenig von deren Insassen und ihren Schulen. Die protestantische Lokalschulinspektion hatte kein Aufsichtsrecht über die Juden in Küps und Oberlangenstadt. Sie gehörten zum Rabbinate Redwitz, das bis 1862 bestand und von Rabbiner Moses Gutmann (Verfasser des Werkes „Die Apokryphen des Alten Testaments, aus dem griechischen Text übersetzt und durch Einleitungen und Anmerkungen erläutert." (Altona 1841), von 1827 bis 1862, wor er starb, versehen wurde. Unmittelbar darauf wurde dieses Rabbinat dem in Burgkundftadt einverleibt. Wir lesen von einem jüdischen Religionsleher Marx Abraham dahier. Im Jahre 1811 befand sich in Küps ein sogenannter Judenschulmeister, der von der gesamten Judenschaft angenommen war. Dieser aber beschäftigte sich wenig oder gar nicht mit dem eigentlichen Unterricht (profanen) der Jugend, gab ihr höchstens Anweisung in hebräisch Lesen und in den jüdischen Zeremonien und besorgte die Synagoge. Außerdem hielten sich mehrere wohlhabende Judenfamilien einen jüdischen, wie man sagt, studierten Privatlehrer gemeinschaftlich auf eigens Kosten. Von 18 Kindern unterrichtete er 9 im Deutschen, Lesen, Schreiben und Rechnen und in der hebräischen Sprache. Die andern 9 Kinder armer Eltern lernten bei dem Judenschulmeister so viel Hebräisch als zum Bekenntnis ihrer Religion nötig erschien, versäumten aber das Deutsche, sowohl Lesen als Schreiben und Rechnen ganz. In Oberlangenstadt war damals gar kein jüdischer Jugendlehrer, denn der dort gewesene Privatlehrer war vor einiger Zeit wieder abgegangen. So stand es in beiden Orten nicht gut um die jüdischen Schulen. Vielleicht wurde Michael Küpßer aus Küpß, geb. 1785, der 1812 in Redwitz jüdischer Privatlehrer war, später hier angestellt. Sicher ist uns nur, daß am 25. April 1825 Seligmann Strauß an die hiesige israelitische Schule von der Kgl. Regierung berufen wurde, aber noch am 12. Dezember 1830 beschwert er sich bei ihr, daß sich weder eine Lokalnoch eine Distriktsschulinspektion um seine Schule kümmere. Er fühlt es zugleich als eine seiner heiligsten Pflichten, den Eltern und geneigten Judenfreunden sowohl als auch der Kgl. Regierung selbst durch Abhalten öffentlicher Prüfung, unter der Leitung seiner Schulinspektion, Rechenschaft von seinem Wirken in seiner Sphäre (Bereich) abzulegen. Gleich einer gesetzwidrigen Winkelschule bleibt seine Schule im Verborgenen „und ein pflichtvergessener Lehrer würde unter solchen Umständen Spielraum genug haben, ein Mietling in seinem Amte zu seyn, was ich doch selbst auch seyn könnte, indem Niemand von meinem Wirken in der Schule etwas weiß." Trotzdem müssen die sowohl aus der Werktagsals auch aus der Sonn- und Feiertagsschule austretenden Schüler einen Schulentlaßschein zu 30 Kr. nebst Stempel lösen, „ungeachtet der Herr Pfarrer nicht einmal weiß, ob der Schüler lesen oder schreiben kann." Am zweiten Weihnachtsfeiertage 1830 unterstellt die Kgl. Regierung die hiesige israelitische Schule der protestantischen Lokal- und Distriktsschulinspektion. Vier Jahre darnach muß dieser Lehrer sich wieder beschweren, daß man die Aufbesserung seines Diensteinkommens auf die Congrua (allgemeiner Gleichgehalt) zu 50 fl. nicht gewähre. In der Tat wurde ihm solche für 1832—34 verweigert, wohl aber „vertröstete man ihn auf bessere Zeiten". Und wie 1835 die „bösartige Krankheit der Menschenblattern im hiesigen Orte grassieret", und auch ihn traf, so daß er an derselben 22 Tage gefährlich darniederlag, erstirbt er in der Hoffnung gnädigster Bitterhörung und erhält doch wenigstens 15 fl. Krankenunterstützung. Zwei Jahre darauf verläßt er seinen Dienst und wandert nach England aus. Bezüglich der jüdischen Schule selbst sollte nach Regierungsf> HAUS MÜNCHEN KARLSPLATZ 5 DER QUAL17Ä7S N. STARK & Cil 5 T O F F E d d NÜRNBERG LU1TPOLDSTRASSE 11