Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (1.5.1929)
- Article
- Etatsberatung der Münchener Gemeindevertretung
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 145 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 145 daß seine Freunde nicht in der Lage seien, einen höheren Betrag für Ohel Jakob zu gewähren, als in dem Voranschlag bereits durch die Vorstandschaft eingesetzt sei. Es -liege der liberalen Fraktion fern, gemachte Zugeständnisse zu widerrufen; es werde daher der Betrag des Vorjahres wieder bewilligt. Darüber hinauszugehen vermöge sie jedoch aus prinzipiellen Gründen nicht. Die Ablehnung der jüdischen Volksschule sei ein Programmpunkt der liberalen Wahlliste gewesen und beruhe auf der inneren Überzeugung seiner Freunde. Diese müsse ebenso respektiert werden wie die Überzeugungstreue der Orthodoxie. Es könnte auch die orthodoxe Weltanschauung allgemein nicht als geeignete Bildungsgrundlage für Kinder aus liberalen Kreisen betrachtet werden. Gewiß seien liberale Eltern nicht. gezwungen, ihre Kinder in diese jüdische Volksschule zu schicken.Wenn jedoch dieSchule weiter ausgebaut werde, so bestehe die Gefahr, daß dies dazu benützt werde, um auch die Kinder der Majorität auf diese Schule zu verweisen. Die Entscheidung der Fraktion sei schweren Herzens erfolgt, aber im vollen Gefühl der Verantwortung. Rosenthaler betonte demgegenüber, daß eine Gefahr aus einer jüdischen Volksschule keineswegs erwachse. Die Tatsache bestehe, daß auch viele liberale Eltern ihre Kinder in die jüdische Volksschule schicken, man könne diese Eltern nicht bevormunden. Es gebe eine Reihe von Mitgliedern der liberalen Fraktion, die in dieser Frage anderer Ansicht seien als Dr. Oestreichwenn kein Fraktionszwang bestände, würde die Mehrheit der Versammlung dem Antrag zustimmen. Justizrat Dr. Fränkel wendete sich gleichfalls gegen den liberalen Fraktionszwang. Es handle sich nicht um eine Weltanschauungsfrage, sondern einzig und allein um das Prinzip der Gerechtigkeit. Seine Freunde hätten nicht gegen rein liberale Bedürfnisse gestimmt und müßten daher auch Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse verlangen können. Lichtenauer erklärte namens der zionistischen Fraktion, daß sie auf das ausdrücklichste für die Förderung der Orthodoxen eintrete. Es fei erwiesen, daß eine Reihe von Kindern liberaler Eltern die jüdische Volksschule besuche. Diese Eltern könnten doch nicht daran gehindert werden, ihre Kinder in die jüdische Schule zu schicken. Die jüdische Volksschule sei das Bedürfnis einer starken Minderheit, sie habe bei weitem nicht mehr die Gegnerschaft wie bei den letzten Wahlen. Rosenthaler verlas eine Resolution des Verbandes Jüdischer Jugendoereine, Landesverband Bayern, in welcher die Errichtung und Aufrechterhaltung jüdischer Volksschulen als notwendig bezeichnet wird. In der jüngsten Generalversammlung des Vereins Ohel Jakob sei eine Resolution gefaßt worden, wonach dieser an die Kultusgemeinde appelliert, sich dem wichtigen Bedürfnis der jüdischen Volksschule nicht zu verschließen. Andernfalls sei die orthodoxe Fraktion genötigt, gegen den Etat zu stimmen. Justizrat Dr. Oestreich erklärte, daß das den liberalen Wählern gegebene Wort hinsichtlich der Konfessionsschulen für die liberale Fraktion ein sehr wesentliches Moment für die Aufrechterhaltung ihres Standpunktes fei. Ob sich die Stellungnahme der Gemeindemitglieder in dieser Frage gewandelt habe, bezweifle er stark. Wechsler führte aus, die Unwissenheit sei der schlimmste Feind des Judentums, sie führe aus dem Judentum hinaus. Die Gemeinschaft, die gegen die jüdische Volksschule ihre Stimme abgebe, müsse sich darüber klar sein, daß sie selbst den Boden unterwühle, auf dem sie stehe. Auf Antrag von Rechtsanwalt Dr. Siegel wurde die Sitzung wegen der vorgeschrittenen Zeit — es war inzwischen 1.45 Uhr geworden — vertagt. Über die Fortsetzung der- Verhandlungen in der Sitzung vom 29. April wird in der nächsten Nummer der Zeitung berichtet werden. Kinderheim der Israelitischen Iugendhilfe Das K in der heim der Israelitischen Jugendhilfe an der Antonienstraße hat durch die sinnige Spende der Münchener Jesaja-Loge UOBB. eine wertvolle Ausschmückung erfahren: der Speisesaal erhielt in zwei Gemälden des Münchener Kunstmalers Stanislaus Bender nicht allein eine wahre Bereicherung, sondern noch mehr eine besondere Note. Der Raum wurde nach Angaben des Künstlers in ein auf die Farben weiß und gelb gestimmtes Gewand gekleidet, das zu den in Feldern eingelassenen Bildern trefflich harmoniert. Beide Schöpfungen führen den Beschauer in biblische Zeiten zurück und vermögen dadurch den jugend- Iffl U i T P O L D B iE T R I E B Cafg Luitpold — Palmengarten Tabarin Luitpold neue Leitung: Hans Keckeisen Erstklassige Küche u. Wirtschaftsführung Jeder Art zu mäßigen Preisen Täglich nachm, und abends Konzert, Sonn- und Feiertags nachmittags 4-Uhr-Tee Ta&arlD täglich Künstlerprogramm Telephon 90 0 65, 92 7 99 Wallach * München an der Hauptpost Vorhangstoffe und Bodenbelag eigene Fabrikation, eigene Künfilerentwürfe Gtitmöbel, neu und antik Beleuchtungskörper - Tücher - Decken Reiche Auswahl - Mäßige preise Hausfrauen nehmt zur Bewältigung Eurer großen Wäsche die Wäscherei der Münchner Hausfrau Landwehrstr. 57/59 Tel. 596858 in Anspruch. Sie bietet Euch alle Vorteile. 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