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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1929-04-15 · 4 (15.4.1929) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1929
Issue
4 (15.4.1929)
Article
Vorgeschichte der israelitischen Volksschule Altenstadt
Date
1929-04-15
Page
Seite 8 (sequence 2)
Language
German
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8 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 4 monaüich 20 fl zahlbar, pünktlich zu entrichten und die schulfähigen Kinder fleißig in die Schule zu schicken. Dem Rabbiner wurde noch insbesondere aufgetragen, für die Entrichtung des fixen Gehaltes möglichst zu sorgen, denselben Monat für Monat zu erheben und dem Schullehrer zuzustellen. Derselbe versichert mit den Judenschaftsvorstehern der höchsten Verordnung des Generalkommissariats getreulich nachzukommen und Vorsteher und Rabbiner unterzeichnen hiermit zur Bekräftigung das Protokoll. Abraham Josef, Rabbiner. So werden denn ab Januar 1815 die israelitischen Kinder von einem chrisllichen Lehrer im jüdischen Gemeindehause zu Altenstadt mit Zusttmmung der Schulaufsichtsbehörde unterrichtet. Mittlerweile war das Generalkommissariat in Kempten aufgehoben und als Regierung nach Augsburg verlegt worden. Nach 9 Jahren greift diese den alten Plan der Vereinigung beider Schulen in Jllereichen wieder auf und schreibt am 2. Juni 1824: „Wenn die Judenschaft nicht allen Anforderungen zur Unterhaltung einer eigenen Schule gerecht werden kann, so sind deren Kinder in die Schule nach Jllereichen zu schicken. Dorten ist ein zweckmäßiges Lokal einzurichten und ein Schulgehilfe beizugeben." Dieses Verlangen der Regierung wird durch eine am 3. Mai 1825 an das Herrschaftsgericht Jllereichen ergangene Nachfrage wiederholt eingeschärft. Doch am 31. Mai 1825 konnte letztgenannte Stelle der Judenschaft endlich mitteilen, daß alles beim bisherigen Zustande verbleiben kann. Franz Schneider aber wirkte an der Schule in Altenstadt und zwar längere Jahre in definittver Eigenschaft bis 1824. Als sein Nachfolger wurde am 31. Dezember 1824 in provisorischer Weise Johann Meyer ernannt. Daß aber der Regierung das Wirken eines christlichen Lehrers an der israeliüschen Volksschule doch nur als ein Notbehelf erschien, beweist ihre am 24. Februar 1825 ergangene Anftage bei der Judenschast, ob diese den Lehrer Meyer weiter behalten oder die Aufstellung eines jüdischen Lehrers wolle, da es nun genügend vorgebildete israelittsche Lehrer gebe. Die Gemeinde hat sich wohl für den bestehenden Zustand entschieden. Denn sonst hätte nicht der Schuloerweser Johann Meyer im November 1825 seine definitive Anstellung an der Schule in Altenstadt angestrebt. (Hier folgt ein Empfehlungsschreiben des Herrschaftsgerichtes Jllereichen. D. Sch.) Am 3. Februar 1826 erfolgte dann auch auf den gemeinschaftlichen Anttag des Herrschaftsgerichtes und der Distriktsschulinspektion in Jllertissen und in Rücksicht auf die bestehenden Verhältnisse die Erzember 1827 vom Herrschaftsgericht ausgestellt worden: (Gestrichen! nennung Meyers zum definitiven Lehrer in Allenstadt durch die Regierung zu Augsburg. Meyer muß eine tüchtige Lehrkraft gewesen sein, wie folgendes (von uns gestrichen! D. Sch.) Zeugnis beweist. Johann Meyer wurde bald darauf an eine andere Schulstelle, die aus den Akten nicht ersichtlich ist, berufen. Damit war die deutsche Judenschule zu Altenstadt wieder erledigt, und zwar auf mehrere Monate. Wo und durch wen in dieser Zeit der deutsche Vollsschulunterricht erteilt wurde, kann den Akten nicht entnommen werden, obzwar damals 57 schulpflichtige Kinder vorhanden waren. Für den hebräisch biblischen Unterricht scheint sowohl jetzt als auch während der ganzen vorausgegangenen Besetzung durch die beiden chrisllichen Lehrkräfte eine mehr private Regelung gettoffen gewesen zu sein. Denn am 2. März 1828 berichtet Abrcch. Meyer, der Rabbiner, an das Herrschaftsgericht: „Um alle Streite zwischen Samuel Weil und andere Nebenlehrer im Hebräischen hinianzuhalten, wurde folgende Einteilung gettoffen: 1. Samuel Weil 12 Knaben, 9 Mädchen, 2. Salomon Harburger 7 Knaben, 5 Mädchen, 3. Samuel Schneider 5 Knaben, 5 Mädchen, 4. Heinrich Beer 3 Knaben, 5 Mädchen, 5. Moritz Hirsch 4 Knaben, 4 Mädchen. Dieser Beschluß solle 6 Monate gelten." Um die erledigte Schulstelle hatten sich zwei Kandidaten beworben, Aron Fränkl aus Schlipsheim, Landgericht Göggingen und Max Alexandersohn aus Lindau. Dem Wunsch der Gemeinde, den Volksschullehrerposten mit dem des Religionslehrers zu vereinigen, wurde im Regierungsreskript vom 20. Mai 1828 entsprochen, doch ausdrücklich betont, daß die Bezahlung für die zweite Tätigkeit nicht in das Gehall von 300 fl, welches im Judenedikt von 1813 festgesetzt ist, eingerechnet werden dürfe, nachdem Fränkl auf eine eigene Honorierung verzichtet hatte. Das Herrschaftsgericht wurde vielmehr beauftttgt, unter Hinweis auf § 12 der allerhöchsten Verordnung vom 28. Januar 1828, eine besondere Renumeratton auszumitteln und hierüber innerhalb 14 Tagen zu berichten. Im übrigen wurde in der Regierungsentschließung vom 8. September 1828 der Schuldienstexspektant Aron Fränkl zum Lehrer ernannt bei einem jährlichen Einkommen als „Schullehrer" von 300 fl. Am 8. Oktober 1828 gibt das Disttiktsschulinspektorat Jllerttssen an das Herrschaftsgericht den Auftrag, daß Fränkl mit besonderer Feierlichkeit am 10. in sein Amt einzuführen sei, wozu das Rabbinat, die Kultusoorftände und die sämtlichen Werktags- und Sonntagsschüler in festlichen Kleidern früh 10 Uhr erscheinen sollen. Hierüber berichtet uns nachfolgendes Schriftstück: 11. Oktober 1828. Abschrift der an der deutschen Judenschule zu Altenstadt erfolgten Installation des Lehrers A. Fränkl. Nachdem der Schuldienstexspektant A. Fränkl als Schul- und Religionslehrer mit einem Gehalt von 300 fl als Schullehrer emannt wurde, so wurde derselbe heute nach alle» höchster Verordnung von dem geferttgten Disttiktsschulinspektorat Jllertissen mit Feyerlichkeit den versammelten Vorständen der isr. Gemeinde und sehr vielen anwesenden Gemeindemitgliedern als neu aufgestellter Lehrer vorgestellt und ebenso den gleichfalls versammelten Werktags- und Sabbatschülern als ihr neuer Lehrer empfohlen. Schluß folgt personalia Kollege Leopold Schwarz, bisher Hauptlehrer a. D. in Edenkoben, wurde an die seit 1. September 1928 erledigte Schulstelle in Speyer berufen. — Herz, Altenmuhr, trat am 1. April die Schulstelle in Wiesloch (Baden) an. — Berlinger, bisher in Schlüchtern, wurde an die Volksschule in München, und Einstädter, Kitzingen, an die Volksschule in Nürnberg berufen. — Hauptlehrer Ellinger, Fürth, ist mit Schluß des Schuljahres in den Ruhestand getreten. Neuaufnahme: S t o l l b e r g, Höchberg. Außerstande, allen lieben Kollegen, die meiner anläßlich meines achtzigstn Geburtstages in so ehrenvoller Weise gedacht haben, einzeln zu danken, bitte ich meinen herzlichsten Dank auf diesem Wege entgegennehmen zu wollen. München, im April 1929. Heinrich Friedmann. vücherscdau A. Friedmann, Bilder aus meiner Heimatgeschichle. (Ein Beitrag zur Geschichte und Heimatkunde in Bayern.) Verlag: Ludwig Stadelmeier, Ingolstadt. Der Heimatgedanke wird von der modernen Pädagogik mit Recht als ein Zenttalpunkt des gesamten Unterrichts betrachtet; Heimatkunde ist Unterrichtsgegenstand aus der Unterstufe, der Heimatgedanke Unterrichtsprinzip in allen weiteren Klassen. Auch der jüdische Geschichtsunterricht hat sich diesen Gedanken zu eigen gemacht und heißt darum jede Gabe willkommen, die Heimat und jüdische Geschichte miteinander verbindet. Als eine solche Gabe ist die unter obigem Titel jüngst erschienene Sammlung heimatgeschichtlicher Aufsätze aufs wärmste zu begrüßen, bietet sie doch einerseits reichhaltigen und interessanten Stoff aus der Heimatgeschichte der Juden in Bayern, während sie zugleich reiche Anregung zu selbständiger Weiterforschung auf diesem Gebiet gibt. Die genaue Quellenangabe erleichtert dem Lehrer, der geschichtlichen Stoff für seinen Wirkungsort sucht, diese Aufgabe ungemein. Das Büchlein ist darum für die Hand des Lehrers wohl zu empfehlen, es eignet sich ebensosehr zur Anschaffung für Schülerbibliotheken, da es reiferen Schülern vertieften Einblick in die bayerische wie in die jüdische Geschichte zu verschaffen imstande ist. Bei einer Neuauflage sollten die beiden letzten Aufsätze, ebenso Nr. 19, die nicht in den Rahmen des Werkchens paffen, besser wegbleiben oder durch andere Stoffe ersetzt werden. Einzahlungen lm Marz 1929 Von: Gutmann, Ottensoos, 15.—; Gutmann, Nürnberg, 20.—; Heimann, Augsburg, 15.—; Steinfeld, Augsburg, 15.—; Blumenthal, Neustadt, 32.—; Steinhäuser, Höchberg, 30.—; Strauß, Uffenheim, 15.—; Frank, Uffenheim, 15.—; Levi, Burgpreppach, 15.—, Zilinski, Emden, 20.—; Köstrich, Uehlfeld, 20.—; Blumenthal, Unsleben, 15.—; Dr. Bamberger, Nürnberg, 30.—; Blum, Nürnberg, 45.—; Bernstein, Wilhermsdorf, 30.—. Durch: Dr. Bamberger, Nürnberg, 100.—; Gutmann, Oettingen, 10.—. Postscheckkonto: Nürnberg 6479. Würzburg, 31. Marz 1929. M. Hellmann. Für den Inhalt der „Mitteilllngen,, verantwortlich: Max Adler, München.

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