Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (15.4.1929)
- Article
- K'le Kodesch und Parochoth in bayerischem Synagogenbesitz
- Date
- 1929-04-15
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 121 WWW t7fan& mm ^4. Abb. 11. Thoramantel. 1724 aus der Werkstatt des Fürther Vorbeters Elkana Naumburg. Gemeindebesitz: Kriegshaber. ter des LandesvorftandeS Iffachar Bär der Gemeinde Kriegshaber im Jahre 1724 gestiftet wurden, bewahrt heute die Gemeinde Augsburg auf. Das dazu gehörige Mäntelchen zeigt wie der Vorhang ein reichbesticktes, ornamentiertes Mittelftück zwischen zwei gedrehten Säulen, unter denen Löwen die Thorakrone halten (Abbildung 11). Sodann wirkte in Höchstädt der Goldsticker Jakob Koppel Gans, Sohn des R. Juda Löb, von dem die prächtigen Stücke aus dem Jahre 1727 stammen, die gleichfalls für einen Kriegshaberer Juden Löb, Sohn des Gemeindevorftandes R. Abraham und seine Frau Hendel, Tochter des Nathan S'gal gefertigt wurden und heute eine Zierde der Synagoge von Krumbach bilden. Auch Ichenhausen besitzt einen Vorhang dieser Herkunft, der im Jahre 1730 oder 1737 von R. Abraham, Sohn des Gemeindevorstandes Iofle, Kriegshaber, und seiner Frau Blümle, Tochter des Oettinger Abb. 12. Thoravorhang. Erstes Drittel des 18. Jahrhunderts. Gemeindevorstandes Moses gestiftet wurde. Diese Vorhänge besitzen prächtige Gehänge (Kaporeth), die in schwerer Stickerei die drei Kronen der Thora, des Priestertums und der Königsherrschast zeigen sowie in den herabhängenden Zwickeln die Bundestafeln, das Stiftszelt, das kupferne Waschbecken, den goldenen Tempelleuchter, das Räuchergefäß, den kupfernen Altar und die Schaubrote (Abbildung 12). Ebenfalls sehr schöne Vorhänge besitzt die unterfränkische Gemeinde HeidingSfeld. Die hier gegebene Auswahl will dazu anregen, durch größere Wertschätzung des Erhaltenen lebendigen Zusammenhang mit unserer Vergangenheit zu suchen. Wenn ferner mancher schaffende Künstler und Kunstgewerbler daraus Anregungen zu eigenen, freien Entwürfen unter Verwendung des überlieferten Kunstguts gewinnen würde, wäre es sehr zu begrüßen. Erklärung Am 24. März 1929 wurde in Manau bei Hofheim (Ufr.) din fünfjähriger Knabe mit einer Halswunde tot aufgefunden. In Versammlungen und in der antisemitischen Preffe wird Ritualmord behauptet. Die Bevölkerung wird damit in die höchste Erregung versetzt. Ob ein Mord oder ein Unglücksfall vorliegt, ist bisher nicht aufgeklärt. Wir haben das Vertrauen, daß die gründliche amtliche Untersuchung den Sachverhalt so schnell wie möglich klar stellt. Die Vertretung der bayerischen Judenheit weist hiermit die gegen die jüdische Religion und ihre Bekenner erhobene Anschuldigung des Ritualmordes feierlich und mit tiefer Entrüstung zurück. Die gleiche Anschuldigung wurde gegenüber dem Christentum in den ersten Zeiten seines Bestehens ebenso grundlos erhoben. Die jüdische Religion verkündet seit Jahrtausenden die Heiligkeit jedes Menschenlebens. Wir empfinden es als eine Schmach, daß wir auch heute noch gezwungen sind, uns und unser Bekenntnis gegen die Behauptung des religiösen Mordes zu verteidigen. München, den 14. April 1929 Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden Dr. Neumeyer Bayerische Rabbinerkonferenz Dr. Freudenthal.