Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (15.4.1929)
- Article
- Die Darmstädter Pessach-Haggadah
- Date
- 1929-04-15
- Page
- Seite 119 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 19 schristen ist ferngehalten und alle Teile des Ganzen dienen jenem einzigen Sinn, der Lobpreisung des Buches, des aus dem Buch verkündeten Wortes. Selbst die beiden inneren ganzseitigen Hauptminiaturen (siehe die beiden Abbildungen) sind in ihrem mit gotischen Spitzbogen stockwerkartig gegliederten Ausbau und in der rhythmischen Wiederholung des gleichen Motivs, nämlich der Vorlesung aus dem Buch, rein dekorativ und weisen in deutlicher Symbolik auf die heilige Pflicht hin, aus dem Buch die beiden Nächte hindurch zu rezitieren und zu erzählen. Das Auffallende des prächtigen Initialschmssckes, all der aus den verschiedensten Kunstquellen geschöpften Tierfiguren und lesenden Gestalten, des reichen Ranken- und B»lütenwerkes, der vier schon berührten großen Tafelbilder ist, wentt man die Miniaturen für sich ohne Text ansieht und kunstwissenschaftlich und kulturgeschichtlich aus ihren eigenen Elementen analysiert - sagen wir zunächst negativ —, ihr „unjüdischer Charakter", während doch die Handschrift als Ganzes, also der hebräische Text zusammen mit den durch und durch dem abendländisch-christlichen KulturkreiS zuzurechnenden Bildern, in vollendeter Weise ein Abbild des Jüdischen schlechthin ist wie nur irgendein geläufiges Bildwerk aus den Zeiten des Perikles das klassische Griechentum, trotz unseres besseren Wissens von seinem Zusammengesetztsein, repräsentiert. Wie die im Ritus des Sabbat-Ausgangs gebrauchten Gewürzbüchsen (B'somim-Büchsen), schlanke Türmchen mit gotischen Spitzbogen, jahrhundertelang gotischen Monstranzen nachgebildet wurden, so hat man auch hier, noch ganz entfernt von der romantischen Idee der „Heimatkunst", die naheliegenden christlichen Formen übernommen, ohne daß jemanden beim Anblick des Ganzen auch nur der leiseste Nachbar-Gedanke „Assimilation" oder „Chuqqath-ha-goi" (Nachahmung unjüdischer Gebräuche) kommen könnte. Wegen der in jedem Teile fesselnden Einzelheiten der übrigen Bilder unserer Handschrift muß hier immer wieder auf die Hiersemannsche Ausgabe selbst hingewiesen werden; sie hebt in einer vollendeten Weise die Einmaligkeit der kostbaren Darmstädter Handschrift auf und macht diese zum Gemeingut. Die Pergamentblätter des Sofer Rabbi Israel b. Rabbi Meir aus Heidelberg — sein Andenken sei zum Segen — sind das ergreifendste, unmittelbar zu Herzen sprechende Denkmal aus der Geistesgeschichte der deutschen Juden im Mittelalter, das denkbar lebendigste Dokument ihrer tiefen Verwurzelung mit dem Zeitgeist, der damaligen ungezwungenen untrennbaren Zweieinigkeit: Gerade, aufrechte Sinnesart für jüdische Eigenart und Würde und deutscher mittelalterlicher Geist eines Eckart, Tauler und Seuse. Abbildung II Blatt 48v der Darmstädter Pessach-Haggadah: Lesende Figuren als Arabesken zur Verherrlichung der Rezitation aus der Haggadah VfU) R’le Roöejd) und parochoth in bayerischem Synagogenbesilz Von Theo Harburger (München) (Fortsetzung und Schluß) häuseö. Von Interesse ist an diesem Stück auch die durchbrochene Der Thoraschmuck besteht außer dem Schild noch aus den Silberarbeit, die mehr flächig als zierlich behandelt ist. Zur Form beiden Auffätzen, Rimmonim, die allerdings in den selteneren des Granatapfels kehrt in stärkerem Maße zurück ein Rimmonim- Fällen „Granatäpfel", wie der Name besagt, darstellen, sonpaar der Gemeinde Ichenhausen, das Samuel Bardet in dern meist kleine Türmchen mit Glöckchen. Wie ein schlanker Augsburg in den Jahren 1779/81 schuf (Abbildung 9). Eine Campanile erscheint ein solcher Rimmon, der aus dem ftühen merkwürdige Umgestaltung des Aufbaues finden wir in einem achtzehnten Jahrhundert stammt und sich im Besitze der Gemeinde 1808, vermutlich in einer Nürnberger Werkstatt entstandenen Fisch ach befindet (Abbildung 7). Hingegen wirkt ein Stück in Paar, dessen Pyramidenform durchaus ungewohnt ist. Der in Oettinger Privatbesitz (Abbildung 8) mächtig mit seinem Treuchtlingen verwahrte Thoraauffatz hat uns in seiner schweren Standfuß und der weiten Buchtung seines Glockengeausführlichen Beschriftung die Namen der um das erste Jahr-