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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-04-01 · 7 (1.4.1929) · p. Seite 103

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
7 (1.4.1929)
Article
K'le Kodesch und Parochoth in bayerischem Synagogenbesitz
Date
1929-04-01
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 7 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 103 mächtigen Löwen ausgeht, die sich an den vom quellenden Formenreichtum der Ranken umspielten Säulen aufrichten. Besonders prunkvolle Gestaltung weift ein Taß der Gemeinde Oettingen auf, das in den Jahren 1723 bis 1735 in Augsburg entstanden ist (Abbildung 3). Beherrscht wird der Eindruck durch den in schweren Falten herabgleitenden zeltartigen Baldachin, der auf zwei Erkerchen mit je drei gedrehten Säulchen ruht. Mit dem Eindringen des Rokoko in die süddeutsche Kleinkunst haben die Goldschmiede auch dem Thoraschmuck eine dem veränderten Zeitgeschmack entsprechende zierlichere Form gegeben. Aus Augsburg, das immer mehr die Führung übernimmt, stammt der von Johann Carl Stiebeldey in den Jahren 1751/53 gefertigte Thoraschmuck (Abbildung4), der eine Zierde der Münch e n e r Hauptsynagoge bildet. Die auf die „Lebensbäume", die Abb. 4. Thorarolle mit Schmuck. Augsburger Arbeit um 1751/53 von Joh. Carl Stiebeldey. Gemeindebesitz: München. Holzwellen der Thorarolle, aufgeschraubten Rimmonim (Thoraaufsätze) zeigen ein lebhaftes Ornament. Vielgestaltig ist ein laut Inschrift von R. Isaak, Sohn des verstorbenen Gemeindevorstandes Seligmann S'gal aus Steppach und seiner Frau Edel, Tochter des verstorbenen Gemeindevorstandes Baruch im Jahre 1761 der Gemeinde Kriegshaber gestiftetes und noch heute dort verwahrtes Thoraschild (Abbildung 5). Das sehr schlanke Stück (Höhe 41,5, Breite 27,5 Zentimeter) zeigt in der unteren Kartusche als Hinweis auf die levitische Abstammung des Spenders eine aus den Wolken herabreichende Hand, die mit einer Kanne Wasser in das Kohanim-Waschbecken gießt. Aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts ist uns eine große Zahl von reizvollen Silbergeräten erhalten, die beweisen, wie gerade die Formenfreude des Rokoko Eingang in die religiöse Kunst auch der Juden fand. Mit dem Vordringen des Klaffizis- *•; * Abb. 5. Thoraschild. Augsburger Arbeit aus dem Jahre 1761. Gemeindebesitz: Kriegshaber. mus werden auch die jüdischen Kultgeräte von dieser Kunstrichtung erfaßt. Als eines der hübschesten Thoraschilde aus dieser Periode erscheint ein in M e m m i n g e r Privatbesitz befindliches, das im Jahre 1824 ein Augsburger Künstler geschaffen hat (Abbildung 6). (Fortsetzung folgt.) Abb. 6. Thoraschild. Augsburger Arbeit, 1824. Privatbesitz: Memmingen.

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