Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 7 (1.4.1929)
- Article
- K'le Kodesch und Parochoth in bayerischem Synagogenbesitz
- Date
- 1929-04-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 7 Wm. mm käm Abb. 1. Thoraschild. Ende des 17. Jahrh. Privatbesitz: Gunzenhausen. (Die einzeln verstellbaren Buchstaben im Schild sind willkürlich zusammengesetzt.) in der Mitte der Fläche oder auch etwas unterhalb der Mittellinie angebrachtes rechteckiges Feld, das auswechselbare Plättchen mit den Namen der Festtage, an denen das Thoraschild gebraucht werden soll, aufzunehmen bestimmt ist. Dieses Mittelfeld tritt in den älteren Arbeiten beherrschend hervor, wird aber späterhin durch die Fülle der Zutaten nebensächlicher behandelt. Zu dem in der allgemeinen Kunst des zu Ende gehenden siebzehnten Jahrhunderts gebrauchten Dekor aus Frucht- und Blumengewinden, Ranken- und Bandwerk treten als spezifische Ziermotive: die zu beiden Seiten meist auf Postamenten oder Konsolen stehenden iMMs Abb. 2. Thoraschild. Nürnberger Arbeit zwischen 1675 und 1680. Gemeindebesitz: Gunzenhausen. Säulen, die an die beiden Säulen des Tempelvorhofs Iachin und Boas erinnern, ferner die Krone über dem Mittelfeld als „Krone der Thora" und Tiergestalten, meist Löwen, die die Krone wie Schildhalter flankieren. Durch eine Häufung solcher Figuren erhält ein heute in Privatbesitz in Gunzenhausen befindliches Taß (Thoraschild) ein besonders eigenartiges Gepräge (Abbildung 1). Auf einer Zinnplatte sind neben gefaßten Steinen silbervergoldete Tiere, darunter Fabelwesen, wie das Einhorn, aufgesetzt und geben dem Ganzen ein phantastisches Aussehen. Abweichend von den sonst vorkommenden Stücken beobachten wir hier, daß das Mittelfeld nicht von einem einzigen Plättchen ausgefüllt wird, sondern daß die einzelnen Buchstaben zu den Worten zusammengesetzt werden müssen. Während uns zur zeitlichen Ansetzung dieses Thoraschilds lediglich stilistische Merkmale auf das ausgehende siebzehnte Jahr- Abb. 3. Thoraschild. Augsburger Arbeit zwischen 1723 und 1735. Gemeindebesitz: Dettingen. hundert weisen, gestattet uns ein anderes Taß im Besitze der Gemeinde Gunzenhausen durch seine Stempelung eine genauere Festlegung seiner Entstehung. Das nicht sehr große Stück (Höhe 22, Breite 19 Zentimeter) ist in einer Nürnberger Goldschmiedewerkftatt etwa 1675 bis 1680 gefertigt worden (Abbildung 2). Die etwas schwere Formengebung der fränkischen Kunftmetropole zeigt sich in der gedrungenen Gestaltung der gedrehten Säulen, die den seitlichen Abschluß der reichen Rankenornamentik bilden. Die äußere Form, die bis auf den segmentbogigen Aufsatz eine streng rechtwinklige Gestalt aufweift, geht auf eine im süddeutschen Gebiet seither aufgegebene Bildung zurück, die uns in den aus Mittel- und Norddeutschland stammenden Thoraschilden häufig begegnet. Die Geschlossenheit der Erscheinung wird leider durch zwei unorganisch später hinzugefügte Löwen gestört. Die bewegtere Gestaltung, die die Augsburger Kunst bevorzugte, begegnet uns in einem um 1700 entstandenen Stück der Fis chn ch e r Gemeinde, dessen imposante Wirkung von den beiden