Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 5 (1.3.1929)
- Article
- Nehemias Anton Nobel [Rezension]
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 71 Reisebüro I Versicherungsbüro Erledigung aller Reiseangelegenheiten. Eisenbahnfahrkarten, I Versicherungen jeder Ärt zu vorteilhaften Prämien und Bedin- Schiffskarten, Flugkarten usw. nach allen Weltteilen I gungen bei ersten Gesellschaften des In- und Auslandes Fernsprecher 101 und 1201 UllkaUff & Grimm, AUgSbUrg C 9/10 Drahtanschrift: Nordll Meister eine ganz erhebliche Zahl von Schälern hinterlassen hat, unter welchen der Verfasser dieser Schrift als der hervorragendste bezeichnet werden darf. Erwähnt er doch selbst, daß Nobel kurz vor seinem Tode in einem hebräischen Brief ihn als seinen „einstigen Schüler und jetzigen Gefährten" angeredet hat. Und diese Ehrenbezeichnung Wolfsbergs durch feinen großen Lehrer ist wahrlich verdient, wie sich jeder aus dieser Würdigungsschrift überzeugen kann. Wir verweisen auf sein überaus treffendes Urteil (Seite 13), daß Nobel „völlig jenes zweckhafte, im alltäglichen Sinne zielbewußte Planen und Wirken, das die lebensnahen Realpolitiker und die geistlichen Beamten auszeichnet, gefehlt hat," auf die Bedeutung, welche Gabirol und Goethe in feinem Lebenswerk verkörperten (Seite 15), auf die poetische Sprache und religiöse Begeisterung erweckende Wirkung, die für Nobel der erhöhte Standpunkt der Kanzel auslöste (Seite 17). Besonders dankbar sind wir dem Verfasser für die Wiedergabe der herrlichsten Stelle aus Nobels Gruß an Hermann Cohen anläßlich dessen 70. Geburtstag (Seite 18), ferner für die ausgezeichnete Würdigung des Sprachkünstlers und Schöpfers (Seite 21), des großen Ästheten, der aber das Schöne nie als Selbstzweck, sondern nur als dem Wahren und Guten dienend anerkannte (Seite 24 und 25). Der Geist des Judentums nach der Auffassung Nobels wird vom Autor erklärt insbesondere aus der Sabbatidee und der Prophetie als Grundlage des jüdischen Lehrinhalts (Seite 27). Unter Bezugnahme auf Nobels harmonische Verbindung zwischen Agadah und Halachah erklärt Wolfsberg die außerordentlich tiefe Wirkung des Meisters auf die Gemeinde und seine Schüler und es entspricht einer wunderbaren Wahrheit, wenn er hier feststellt: „Er allein konnte deshalb'in unserer Zeit Menschen gewinnen und dem Judentum nicht nur oberflächlich gewinnen, sondern sie zur Umkehr und Heimkehr zu gewinnen, nicht weil sie Schwärmer waren, sondern weil in ihrer Seele der große, aus Liebe geborene und durch Wissen gestaltete Prozeß der Sehnsucht nach der Heimat mächtig geworden war" (Seite 29). Über Nobels Bedeutung als Autor findet sich in der Schrift (Seite 32) der außerordentlich treffende Ausspruch: „Wenn man die Intuition eine Methode nennen darf, so war sie sein geistiges Instrument." Er erwähnt weiterhin, daß dieser anerkannte Vertreter der Agadah, dieser größte Dichter unter den jüdischen Kanzelrednern seiner Zeit, zugleich in der Halachah mit größter Vorliebe die feinsten, subtilsten zivilrechtlichen Probleme behandelt hat, allerdings indem er auch hier die ethische Verbindung herstellte und in der Rechtsvergleichung den sublimen Standpunkt der Halachah hervorhob. Die religiöse Stellung Nobels erklärt Wolfsberg in tiefster Erkenntnis des Unterschiedes zwischen Dogmatik und Dogmatismus (Seite 42). Auf dem Standpunkt der festgefügten Überlieferung stehend war er gleichwohl kein Dogmatiker im Sinne der „Denkrichtung. die mit Freude eine vorzeitige Erstarrung der Lehrmeinung begrüßt und ihre den immanenten Gesetzen folgende Weiterentwicklung unterbindet". Aus einem der Sabbatidee gewidmeten Aufsatz Nobels zitiert der Verfasser (Seite 45) „Ethik und Sozialismus haben in Schöpfungsstunden ein Bündnis geschlossen. Die Religion Israels gab die Weihe; diesem Bündnis entstammt der Sabbat". Nobels Stellung zur nationalen Frage — er war seit frühester Jugend Zionist und bekannte sich insbesondere zum Misrachi — wird von Wolfsberg dahin erfaßt, daß auch sein Zionismus im wesentlichen religiös fundiert war (Seite 51). Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß seine prominente Stellung zu allen jüdischen Tagesfragen und allen Korporationen aus der tiefen Liebe zur Gesamtheit und aus feinem Bekenntnis „zur Einheit des jüdischen Volkes und des Judentums" sich ergab. In der abschließenden Beurteilung Nobels kommt Verfasser zum Ergebnis (Seite 56), „Klerikalismus, rabbinisches Herrscherstreben versanken unter ihm im wesenlosen Scheine und so blieb ein großer, gütiger, gelehrter Mensch, Kamerad der Weisen. Freund der Bedrückten, Lehrer und Förderer der Strebenden". Die Wolfsbergsche Schrift liest sich für den Kenner der Persönlichkeit Nobels und der Zeit, in welcher er lebte und wirkte mit all ihrer Zerklüftung in religiösen und nationalen Fragen wie eine spannende Erzählung; man kann dieselbe nicht aus der Hand legen, ohne sie bis zu Ende zu lesen. Das ist das Verdienst des von Person und Gegenstand in Begeisterung hingerissenen Autors, der in jüdisch-nationalen, religiösen und philosophischen Fragen es zu weittragender Bedeutung gebracht hat. Mit dem Ausdruck freudigster Genugtuung begrüßen wir es, daß Nobels Leben und Wirken von einem in so seltenem Maße Legitimierten uns nahegebracht wurde. Schließlich sei dem Verlag I. Kauffmcmn für die vornehme Ausstattung und die Beigabe eines sprechenden Bildes des Verewigten herzlich gedankt. Dr. Emil Fraenkel. nnoty ny5£J iW Responsen von R. Seligmann Bär Bamberger. Herausgegeben von Rabbiner Dr. S. Bamberger, Kifsingen. 1928. Dooa (Rumänien). Der „Würzburger Raw" R. Seligmann Bär Bamberger gehört zu den größten Halachisten Deutschlands im vorigen Jahrhundert. Er stellte sein überragendes talmudisches Wissen in den Dienst des religiösen Lebens und schuf eine Reihe von Werken, die auf Grund ihres Inhaltes und der Form der Darstellung in der halachischen Praxis unmittelbar Verwendung finden können und im reichsten Maße gefunden haben. Anders verhält es sich mit dem obengenannten Werk, welches in sich eine Fülle von halachischen Erörterungen von S. B. Bamberger vereinigt. Ebenso wie die Verfasser jener Responsen, die in jüngster Zeit in Deutschland gesammelt und dem Druck übergeben wurden (R. David Zwi Hoffmann, R. M. T. Sontheim), nicht gebilligt hätten, daß der Nichtfachmann überhaupt, der Fachmann ohne Quellenstudium ihre Entscheidungen für die religiöse Praxis benutzt, so konnten auch die Responsen Bambergers nur unter dieser Voraussetzung (nach der Entscheidung zweier unserer größten Lehrer der Gegenwart) der Öffentlichkeit übergeben werden. Sie enthalten' die Antworten auf Anfragen, die der Sohn des Verfassers, der frühere Rabbiner in Kifsingen, an ihn gerichtet hat, nnsssi Aass - Schneiderei, - Aodisches MF*