Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 3 (1.2.1929)
- Article
- Sitzung von Gemeindevertretung und Vorstand
- Date
- 1929-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
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38 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Caf€ Luitpold — Palmengarten Tabarln Luitpold neue Leitung: Hans Keckeisen Erstklassige Küche ^Wirtschaftsführung jeder Art zu mäßigen Preisen Täglich nachm, und abends Konzert, Sonn- und Feiertags nachmittags 4-Uhr-Tee Tatarin täglich Künstlerprogramm mit Tanz Telephon 90 0 65, 92 7 99 und Walther Weiß und J.-R. Dr. Feuchtwanger zu Stellvertretern. Bekanntgegeben wurde daraus die Wiederwahl der Vorsitzenden des Vorstandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, J.-R. Dr. Oestreich, J. -R. Dr. Straus. Daran schloffen sich Ergänzungswahlen für den Vorstand. An Stelle der beiden ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder K. -R. S.' Weil und R.-A. Dr. Perlmutter wurden Frau Recha Stark und J.-R. Dr. Emil Frankel gewählt. Es folgten die Wahlen für die Ausschüsse. Im Zusammenhang damit wurde die Frage der Zusammenlegung einzelner Ausschüsse behandelt. Beschlossen wurde die Vereinigung des Wohltätigkeits- und Waisenstiftungsausschusses. Die Frage der Zusammenlegung weiterer Ausschüsse wurde dem Verfaffungsausschuß überwiesen. Die einzelnen Ausschüsse wurden wie folgt besetzt: Wahlprüsungsausschuh: R.-A. Dr. Werner, Julius Bloch, J.-R. Dr. Hellbrauner, R.-A. Dr. Wilmersdörfser, J.-R. Dr. Feuchtwanger, R.-A. Dr. Siegel. Revisionsausschuß: Direktor Apfel, Eugen Löwenstamm, Isaak Wildberg, Karl Vach, Abraham Josef Maier, David Horn. Verfassung s- und Geschäftsordnungsausschuß: Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, R.-A. Dr. Werner, R.-A. Dr. Wilmersdörfser, J.-R. Dr. Hellbrauner, J.-R. Dr. Oestreich, K.-R. Dr. Wassermann, J.-R. Dr. Feuchtwanger, Paul Grünbaum, Bernhard Lustig. Finanz- und Stiftungsausschuß: Geh. J.-R. Dr. Dispeker, Recha Stark, J.-R. Oestreich, Louis Picard, J.-R. Dr. Heilbronner, K.-R. Dr. Wassermann, Dr. F. Gutmann, R.-A. Dr. Wilmersdörffer, J.-R. Dr. Elias Straus, Justin Lichtenauer, R.-A. Dr. Siegel. Die Wahl eines zwölften Mitgliedes bleibt der nächsten Sitzung Vorbehalten. Synagogenausschuß: J.-R. Eugen Beer (Stellvertreter Direktor Apfel), Isaak Vacharach, K.-R. Louis Ballin, Dr. Karl Lö- 'P€>71 / CA ooo (perusasta3sse “TfldSSi Aiss-ScfineLderel - Aodisches Beiwerk. wenthal, Louis Selinger, Kantor Kirschner, Bernhard Lustig, Dr. Robert Beer, Josef Schachno. Synagogenchorausschuß: R.-A. Dr. Wilmersdörfser, J.-R. Dr. Oestreich, Kantor Kirschner. Dem Ausschuß gehört außerdem Rabbiner Dr. Baerwald von Amts wegen an. Die Wahl der Mitglieder mit beratender Stimme soll zusammen mit der B i l - dungderübrigenAusschüsseinder nächsten Sitzung erfolgen. Der nächste Punkt der Tagesordnung hatte die Eingliederung der Jugendfürsorge in die Organisation der gemeindlichen Wohlfahrtsarbeit zum Gegenstand. Auf Antrag von J.-R. Dr. Straus wurde beschlossen, für die Jugendfürsorge ein mit dem gemeindlichen Wohlfahrtsamt verbundenes Jugendamt zu schaffen und das Komitee des Vereins Jugendhilfe, des bisherigen Trägers der Jugendfürsorge, als leitenden Ausschuß des Jugendamtes zu bestellen und Frau J.-R. Eßlinger als Beauftragte der Gemeinde in den Ausschuß abzuordnen. Weiter wurden die Gebühren für das Ritualbad auf Grund Berichts des Gemeindesyndikus R.-A. Flaschner herabgesetzt. Den zweiten Teil der Sitzung füllten die Berichte der Vorsitzenden des Vorstandes über das abgelaufene Verwaltungsjahr aus. J.-R. Dr. Oestreich führte aus, daß im Jahre 1928 umfangreiche Baumaßnahmen durchgeführt worden seien. Die Gesamtausgaben dafür hätten rund RM. 150 000.— betragen. An der Spitze stünden die Ausgaben für die Wiederinstandsetzung der Synagoge, die RM. 58 000.— ausgemacht hätten. Dieser Betrag sei nicht unwesentlich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Das sei darauf zurückzuführen, daß die Schäden doch nicht den befürchteten Umfang gehabt hätten. Das Gotteshaus sei nunmehr so wieder hergestellt, daß auf Jahrzehnte hinaus größere Reparaturen nicht in Frage kämen. Ferner hätten die Büroräume im Gemeindehaus durch Einbeziehung einer Wohnung im Nachbarhause eine Erweiterung um fünf Räume erfahren. Im Zusammenhang damit sei eine vollständige Neueinteilung und gründliche Reparatur der alten Räume erfolgt. Die Schaffung eines weiteren Sitzungszimmers fei für das laufende Jahr geplant. Für die Instandsetzung der Gabriel und Rosa Ritter'schen Speiseanstalt und für die Anschaffung neuer Einrichtungsgegenstände dortselbst seien etwa RM. 12 000.— aufgewendet worden. Ebenso seien in den beiden Altersheimen Verbesserungen vorgenommen worden mit einem Kostenaufwand von rund RM. 10 000.—. Für das Leichenhaus und die Aussegnungshalle des Nordfriedhofs sei eine neue Heizanlage geschaffen worden, desgleichen seien neue Sektionen im Friedhof angelegt worden. Schließlich habe die Gemeinde zur Vergrößerung des Nordfriedhofs ein 6,4 Tagwerk großes Grundstück von der Stadtgemeinde hinzuerworben. J.-R. Dr. Straus berichtete über finanzielle, Stiftungs- und soziale Fragen. Die Steuern seien von 9)4 auf 8 Prozent gesenkt worden. Man hoffe im laufenden Jahre, von 3 Prozent Landesumlagen abgesehen, mit 7 Prozent auszukommen. Die Steuereinnahmen betrugen rund RM. 698 000.—. Infolge der größeren Einnahmen sei es gelungen, Aufgaben zu lösen, die sonst auf eine Reihe von Jahren hätten verteilt werden müssen. Vermögen, außer den Immobilien, besitze die Gemeinde nicht. Auf dem Gebiete des Stiftungswesens konnte die Refundierung des Vermögens der Stiftungen durch eine Spende von RM. 100 000.— wesentlich gefördert werden. Das Wohlfahrtsamt habe eine umfangreiche Tätigkeit ausüben müssen; seinen Angestellten gebühre für ihre aufopferungsvolle Arbeit der Dank der Gemeinde. Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer berichtete über eine ausgedehnte Tätigkeit in den verschiedenen Geschäftszweigen. Er gedachte mit ehrenden Worten des Hinscheidens von Frau Rosa Werner, Albert Landauer und Oberlehrer Dingselder. Das Ehrenmal Landauers gehe der Fertigstellung entgegen. In der Hauptsynagoge seien die religiösen Vorträge eingeführt worden; damit sei man auf die ursprüngliche Bestimmung des Gotteshauses als Schule zurückgekommen. Es handle sich nicht um Gottesdienst, sondern um Belehrung. Die Gemeindebibliothek werde weiter ausgebaut. Dis Lehrkurse erfreuten sich eines guten Besuches. Insbesondere fanden die Vorträge von Leo Baeck über Mystik und von Professor Strich über „Jüdische Dichter in der deutschen Literatur" großes Interesse. Die Ausstellung jüdischer Künstler in der Concordia wurde gefördert. Verschiedene Kunstwerke wurden von Gemeinde wegen erworben. Der Redner kam auch auf den Reichsverband der deutschen Juden zu sprechen und teilte mit, daß die Entscheidung in der Versammlung des preußischen Landesverbandes vom 3. Februar 1929 fallen werde. Mit großer Befriedigung konnte festgestellt werden, daß seit dem Rektorat Voßler die folgenden Rektorate der Universität gegenüber den jüdischen Studierenden eine freundliche und gerechte Haltung einge-