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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1929-01-15 · 1 (15.1.1929) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1929
Issue
1 (15.1.1929)
Date
1929-01-15
Page
Seite 1 (sequence 1)
Language
German
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Mitteilungen des Melitilchm Lehrewemns für Wem Schriftleitung: Max Adler, München 1929 München, 15. Januar Nr. 1! Salomon Senger f. A. Würzburg. Am 20. Dezember wurde in Würzburg mit Salomon Senger einer der ältesten jüdischen Lehrer Bayerns zu Grabe getragen. Geboren am 28. Februar 1843 in Kleineibstadt, besuchte Senger nach Absolvierung der Volksschule seines Heimatortes vom Jahre 1846 an die Talmud-Tora-Schule in Vurgpreppach und die Präparandenschule in Unsleben, um sich dort für den Lehrerberuf vorzubereiten. Das Lehrerexamen legte er anfangs der sechziger Jahre am staatlichen Schullehrerseminar in Würzburg ab (die Israelitische Lehrerbildungsanstalt trat erst 1864 ins Leben). Seine erste Anstellung fand er in Brünnau, um kurze Zeit darauf nach Westheim bei Haßfurt zu übersiedeln. Nach zehnjähriger Wirksamkeit als Religionslehrer in Westheim berief ihn seine Heimatgemeinde Kleineibstadt auf ihre neugegründete Volksschulstelle; die Einrichtung dieser Schulstelle erfolgte auf Anregung von Senger; die Erfüllung des an ihn ergangenen einmütigen Wunsches der Heimatgemeinde, die Stelle in Kleineibstadt anzutreten, hatte er nämlich von der Umwandlung der Religionslehrerstelle in eine Volksschulstelle abhängig gemacht. Während der 30 Jahre seiner Wirksamkeit in Kleineibstadt wurde der Name Senger in der Lehrerwelt in Bayern und in der ganzen Öffentlichkeit mit Achtung und Ehrerbietung genannt. Senger (Kleineibstadt) gehörte zu den Mitbegründern des Israelitischen Lehrervereins für Bayern. Die von ihm geführte Schule erfreute sich in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts des Rufes einer Musterschule sowohl bei den Behörden als auch im Kreise der Kollegen. Senger gehörte zu den Persönlichkeiten, welchen Erziehen und Bilden junger Menschen inneres Bedürfnis, Herzenssache, Lebenselement ist. In seinem Hause hatte er stets eine größere Zahl auswärtiger Schüler ausgenommen, denen er mit seiner gleichgesinnten und gleichstrebenden Gattin der liebevolle Pflegevater, der väterliche Erzieher, der treue Führer zur Lebenstüchtigkeit und beruflichen Vorbildung war. Zahlreiche seiner Jünger, darunter solche, deren Name in der Lehrerwelt einen guten Klang hat, haben ihre erste Vorbildung vor Eintritt in die Präparandenschule im Hause Sengers gefunden; die in alle Gaue Deutschlands zerstreuten Schüler hängen noch heute mit Begeisterung und Verehrung an ihrem ehemaligen Lehrer und Meister. Im bayerischen Lehrerverein erregte Senger zu Anfang dieses Jahrhunderts mit seinem Referat über die Lesebuchfrage bewunderndes Aufsehen. Hier zeigte sich Senger als Meister der neuzeitlichen pädagogischen Bestrebungen; auch seine glänzende Rednergabe (er sprach stundenlang völlig frei) erregte allgemeine Bewunderung. Im Jahre 1904 trat Senger in den Ruhestand und siedelte nach Würzburg über. Auch hier lebte er noch jahrelang seinem Berufe, der Erziehung und Betreuung von Schülern, die in seinem Hause Aufnahme gefunden hatten. Sengers Wesen war Bescheidenheit und Menschenfreundlichkeit, Milde und Güte, die auf alle, die mit ihm zusammen kamen, einen unauslöschlichen Eindruck machten. Am Grabe zeichnete Bezirksrabbiner Dr. Hanover das Charakterbild dieser naturechten Erzieherpersönlichkeit, deren Bescheidenheit und Seelenadel hervorhebend, die im persönlichen, freundnachbarlichen Verkehr ihm selbst sich offenbart hatten. Namens der jüdischen Lehrer rief Kollege Mandelbaum, ein Schüler des Verewigten, der von ihm in früher Jugend als Vater und Lehrer betreut wurde, Worte des Dankes und der Verehrung nach. Bescheidenheit, Güte, Hilfsbereitschaft und Selbstaufopferung stempeln Senger zu einer Pestalozzinatur. Im Geheimnis seiner Persönlichkeit liegt die eigenartige Wirkung seiner Erziehungserfolge begründet. Wenn jüdische Erzieher das Andenken ihrer Führer und Vorbilder feiern, wird stets der Name Salomon Senger in Ehren genannt werden. Auszug aus dem Protokoll der 47. Mitgliederversammlung am 16. Juli 1928 in Würzburg I. Enthüllung des Ehrendenkmals für die im Weltkrieg gefallenen jüdischen Lehrer Bayerns Zu dieser Feier, die am Sonntag, dem 15. Juli, nachmittags 5 Uhr, stattfand, halten sich neben zahlreichen Vereinsmitgliedern, dem Lehrkörper und den Schülern des Seminars, Vertretern der Verwaltung der Kultusgemeinde Würzburg und des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten auch eine größere Anzahl Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde Würzburg eingesunden. Der Feier lag folgendes Programm zugrurü)e: 1. Chorgesang: Enausch k'chozir. 2. Ansprache des Bezirksrabbiners Dr. Stein (Schweinfurt). 3. Sologesang des Kantors N. Bamberger (Kitzingen): El mole rachamim. 4. Enthüllung und Übergabe des Denkmals durch Rosenfeld (München). 5. Übernahme des Denkmals durch Seminardirektor Stoll (Würzburg). 6. Ansprache des Kommerzienrats Rosenthal (Würzburg) für die Kultusgemeinde Würzburg und des Rechtsanwaltes Schloß (Würzburg) fiir den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. 7. Chorgesang: Lochein somach libbi. Von der durch Bildhauer Zadikow in künstlerisch vollendeter Weise hergestellten Gedenktafel wurde ein Photo angefertigt und den Angehörigen der gefallenen Kollegen durch die Vereinsleitung übermittelt. II. Mitgliederversammlung 1. Gedächtnisfeier. Seminardirektor Stoll würdigte in einer tiefempfundenen Gedenkrede die hohen Verdienste des verstorbenen Vereinsoorsitzenden Simon Dingfelder. Die Rede ist in Nummer 34 des „Israelitischen Familienblattes" in Hamburg abgedruckt. 2. Begrüßungen. Es sprachen: Rabbiner Dr. Stein als Vertreter des Rates des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden; Heß (Würzburg) für die Tagung des Verbandes; Engel (Würzburg) für die Kultusgemeinde Würzburg und Rosenfelder (Ladenburg) für den Verein israelitischer Lehrer in Baden. Begrüßungsschreiben waren eingelaufen von dem Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer; Bezirksrabbiner Dr. Hanover (Würzburg): dem Reichsverbande der jüdischen Lehrervereine und dem israelitischen Lehrervereine in Württemberg. Tätigkeitsbericht des Vorstandes: 3. Rosenfeld erstattete den Rechenschaftsbericht nach folgenden Gesichtspunkten: a) Tagung des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine in München; t>) Hilfskasse; c) Landeslehrplan für den Religionsunterricht an den Volksschulen; ck) Beschlüsse des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden aus der Bamberger Tagung: e) Mitgliederbewegung; k) Ehrung des Kollegen Strauß (Uffenheim), der auf Vorschlag der Verwaltung in Anerkennung der außerordentlichen Verdienste, die er sich in 25jähriger Tätigkeit als Verwaltungsmitglied um den Verein erworben, zum Ehrenmitglieds der Verwaltung ernannt wurde; g) Zukunftsaufgaben des Vereins. Der Berichterstatter widmet dem verstorbenen langjährigen Mitglieds Dorfzaun (Fischach) einen ehrenden Nachruf. Er gedenkt auch des Heimgegangenen Rechtsanwaltes Dr. Silberschmidt (Bad Kissingen), der als 2. Präsident der Tagung die Interessen des Lehrerstandes jederzeit tatkräftig gefördert hat. 4. Kassenbericht: Der Kassier Hellmann erstattet den Kassenbericht und gibt dabei die Jahresrechnung 1927 bekannt, die mit folgenden Ziffern abschließt: Einnahmen: RM. Kassabestand. 252.82 Kapitalzinsen ..2173.68 Mitgliederbeiträge 1927 . 4900.— Mitgliederbeiträge Nachzahlungen 1926 . 125.— Spenden . 2504.— Neujahrswunfchenthebung. 288.50 Sonstige Einnahmen. 160.15 Summa: 10404.15

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