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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-01-15 · 2 (15.1.1929) · p. Seite 22

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
2 (15.1.1929)
Article
Die Jugendfürsorge des Verbandes
Date
1929-01-15
Page
Seite 22 (sequence 2)
Language
German
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22 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 MAX NEUMAYER Kraftfahrzeuge, Kaulbachstraße 8 (Nähe Siegestor) Telephon 3382 OPEL / STUDEBAKER Vertretung / Spezial«Reparaturwerkstätte / Günstige Ratenzahlung« öffentliche Fürsorge — die Möglichkeit haben, zu helfen, bevor noch die Not, sei es in körperlicher, fei es in seelischer oder geistiger Beziehung so hoch gestiegen ist, daß Hilfe kaum mehr möglich ist. Immerhin — auch nur die größere Möglichkeit und auch das frühzeitige Eingreifen hilft längst nicht mehr in allen Fällen. Aber wenn wir z. B. nur an die Gesundheitsfürsorge denken: der Arzt, der unsere Schulkinder alljährlich für die Ferienkolonie in Krumbach untersucht und der als Stadtschularzt reiche Erfahrung auf dem Gebiet der städtischen Erholungsfürsorge besitzt, versichert uns immer wieder, daß unsere jüdischen Kinder, wenn sie von der Stadt aus untersucht und verschickt werden würden, bestimmt nur zu einem kleinen Prozentsatz zum Zuge kämen — aber wir wollen eben „Vorbeugen" und die Kinder in den Ferien aufs Land schikken, so lang sie erst erholungsbedürftig, aber noch nicht wirklich krank sind. Und wie ängstlich sind wir z. B. bei Kindern, wo die Gefahr der Vererbung von Tuberkulose besteht, darauf bedacht, daß sie — selbst wenn sie ganz gesund sind — in ständiger ärztlicher Überwachung bleiben. Ein weiterer Grundsatz von großer Bedeutung ist das Bestreben, die jungen Menschen einen richtigen Beruf erlernen zu lassen; dieser Gedanke hängt mit dem der Prophylaxe zusammen, d. h. eigentlich mit der Prophylaxe, die die Wirtschasts- und Erwachsenenahteilung unseres Amtes betreibt — und deshalb wird die Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung von dieser Abteilung gemeinschaftlich mit der Jugendfürsorge bearbeitet. Es würde zu weit führen, hierüber ausführlich zu berichten, ich möchte nur sagen, daß wir hier ganz besonders große Schwierigkeiten zu überwinden haben, die um so ernster zu nehmen sind, als die Tragweite der hierher gehörenden Entschließungen eine besonders große ist. Aus der engen Zusammenarbeit mit der Erwachsenensürsorge und aus den praktischen Erfahrungen, die dort gemacht werden, entspringt auch der Grundsatz einer gewissen Erziehung bei in Fürsorge stehenden jungen Menschen. Wenn man erlebt, welch' böses Doppelgesicht, die Wohlfahrtspflege haben kann, wie die Unterstützung, vor allem die Dauerunterstützung, in vielen Fällen nicht nur eine Wohltat, sondern gleichzeitig eine große Gefahr bedeutet, die Gefahr, sich mehr auf fremde Hilfe wie auf die eigene Arbeitskraft zu verlassen, dann wird man gerade in der geldlichen Unterstützung Jugendlicher vorsichtig. Man muß sie — ohne hart und unnachgiebig zu sein — deutlich spüren lassen: die paar Mark, um die sie für Schulbücher, oder Handwerkszeug oder die Trambahnkarte bitten, die sind für das Amt viel Geld, dessen Ausgabe gründlich überlegt sein will. Unter Umständen geben wir auch so kleine Summen darlehensweise — lassen 50 Pfennig, eine Mark im Monat von dem selbstverdienten Geld zurückbezahlen — nur damit die jungen Menschen nicht zu der Einstellung kommen: wenn das Geld nicht reicht, geht man auf's Wohlfahrtsamt. Bei uns in München steht die offene Jugendfürsorge in allerengster Beziehung zu geschlossenen, das heißt zur Heimfürsorge. Deshalb möchte ich über dieses Kapitel noch einige Worte sagen. Im großen und ganzen ist hier unser Grundsatz: Kinder gehören zur Mutter; das soll heißen, wo eine Mutter da ist, die in sittlicher und gesundheitlicher Beziehung ihr Kind nicht gefährdet, ist es das Gegebene, daß sie ihr Kind selbst pflegt und erzieht. Wenn eine solche Mutter zu uns kommt und sagt, sie möchte ihr Kind ins Heim geben, weil der Mann nicht genug verdiene, um es zu ernähren oder weil sie selbst eine Arbeit suchen wolle, um mitzuverdienen — dann prüfen wir vorerst die Verhältnisse daraufhin, ob nicht auf andere Weise geholfen werden kann, beispielsweise durch einen monatlichen Erziehungsbeitrag, der dann im Interesse des Kindes von der Jugendhilfe an die Familie gegeben wird. Es gibt Fälle, wo die Mutter mehrerer kleiner Kinder nicht die Zeit findet, die Kleinen genügend lang an die Luft zu bringen, ihr kann man helfen, indem man freiwillige Helferinnen zu regelmäßigen Spaziergängen mit den Kindern verpflichtet. Ins Heim nehmen wir nur Kinder, die im Elternhaus in irgendeiner Weise gefährdet sind, oder elternlose, uneheliche; vorübergehend natürlich auch solche, wo etwa die Mutter erkrankt ist. Wie stellen wir uns nun zu der Frage: Heim- oder Familienunterbringung? Bei aller Hochachtung, die man vor den Leistungen gerade auch unseres Münchener Kinderheims haben muß, man muß sich darüber klar sein: die Familie kann es seinen Schützlingen nicht ganz ersetzen. Aus dieser Erkenntnis heraus müßte man für Unterbringung in Pflegefamilien stimmen. Warum wir das nicht tun, hat einen recht praktischen Grund: wir haben keine, oder doch jedenfalls längst nicht genügend geeignete jüdischen Pflegestellen. Die vor wenigen Jahren in Elberfeld gegründete Zentrale für jüdische Adoptions- und Pflegestellenoermittlung strebt die Abschaffung dieses Übelstandes an; wenn es ihr gelingt, wirklich gute, nicht zu teure Pflegestellen zu schaffen, so ist das sehr zu begrüßen. Bis dahin müssen wir die Kinder im Heim unterbringen, dessen Augenmerk ja auch ganz besonders auf Wahrung möglichst kleiner Gruppen mit Familiencharakter und auf weitgehende individuelle Behandlung des einzelnen Kindes gerichtet ist. Wichtig ist, das möchte ich noch erwähnen, die Zusammenarbeit unserer jüdischen Jugendhilfe mit der öffentlichen; sie ent- Brautausstattungen Damenwäsche Herrenwäsche 21 Dienerstrafje 21 & A'MÜJNCHEN

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