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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1929-01-15 · 2 (15.1.1929) · p. Seite 19

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
5 (1929)
Issue
2 (15.1.1929)
Article
Gegenwartsfragen der jüdischen Wohlfahrtsarbeit
Date
1929-01-15
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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dir. 2 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 19 enge Verbindung von Seelsorge und Fürsorge unerläßlich sein. Ich komme nun auf die Bestrebungen der Jugendfürsorge und die Förderung der Jugendbewegung zu sprechen. Auf diesem Gebiete kann ich mich deshalb kürzer fasten, weil es besonders nach der praktischen Seite noch Gegenstand eines besonderen Referates sein wird. So darf ich nur einiges hervorheben, zunächst das Gebiet der Psychopathenfürsorge, auf welchem gerade gegenwärtig ein Heilerziehungsheim in Marburg geschaffen wird, das im Herbst eröffnet werden soll. Die Bedeutung der Lehrlingsheime, dieser Einrichtungen für das gefährdete Übergangsalter der Schulentlaffenen, wird in immer stärkerem Maße erkannt und anerkannt, und ich weiß, daß gerade dies ein Gebiet ist, das Ihnen besonders am Herzen liegt. Die Fürsorgeerziehung ist meines Erachtens eine Aufgabe, die ebenfalls im besonderen Maße die künftige Reichsorganisation beschäftigen wird, weil der überaus dringende Ausbau der weiblichen und noch mehr der männlichen Fürsorgeerziehung so erhebliche ideelle und materielle Anspriiche stellt, daß er sich nur durch Vereinigung aller Kräfte wird lösen lasten. Auf dem Gebiet der Arbeit für die normale Jugend, das ja bereits in den Ausführungen meines Vorredners gestreift worden ist, freue ich mich Ihnen berichten zu können, daß sich im Anschluß an die Zentralwohlfahrtsstelle seit einigen Jahren ein Reichsausschuß der jüdischen Iugendverbände, der alle Richtungen der jüdischen Jugendorganisationen umfaßt, gebildet hat. Dieser Reichsausschuß ist Träger der sozialen Arbeit der Mischen Jugendbewegung. Ihm steht ein eigenes Erholungsheim im Harz, das Iacobsohn-Heim in Seesen, das der Zentralwohlfahrtsftelle gehört und das der Reichsausschuß gepachtet hat, zur Verfügung. Und der Reichsausschuß wird, wie wir hoffen, gemeinsam mit der Großloge und mit dem Frauenbund sowie mit der Zentralwohlfahrtsftelle auch Träger einer Bewegung sein, die sich ganz stark für die Schaffung jüdischer Jugendheime einsetzen wird. Es ist gerade bei einer Besprechung, die wir vor einigen Tagen in München hatten, von Iustizrat Dr. Straus hervorgehoben worden, daß die Schaffung solcher Stätten für unsere Jugend und für die Gestaltung ihres Lebens von entscheidender Bedeutung ist. Wie kaum ein anderes Mittel vermag sie auch wirklich wirksame Arbeit auf dem Gebiet der Bekämpfung der Mischehen zu leisten. Es ist keineswegs nötig, daß überall größere Heime gebaut werden. Es genügt oft schon eine Wohnung von drei bis fünf Zimmern, je nach der Größe der Gemeinde, wenn nur der Jugend so Gelegenheit gegeben wird, in freundlicher, jüdischer Umgebung zusammenzukommen, zusammen zu lernen und zusammen ftoh zu sein. Die Begründung solcher Jugend- und Gemeindeheime erscheint der Zentralwohlfahrtsftelle und den genannten großen anderen Verbänden als eine der allerwesentlichften und allerdringendften Gegenwartsaufgaben. Ich bin überzeugt, daß Ihr Verband, der so stark für die Erhaltung der Kräfte der Jugend, für die Erhaltung und Förderung jüdischen Geistes in der jüdischen Jugend eintritt, gerade solcher Förderung der jüdischen Jugendbewegung sein besonderes Intereste schon jetzt zuwendet und in noch stärkerem Maße weiterhin zuwenden wird. Damit möchte ich den kurzen Überblick über einige Hauptgebiete der Arbeit abschließen und nur noch kurz etwas über den Geist der Arbeit sagen, soweit man den Geist solcher Arbeit überhaupt in Worte fassen kann. Ich möchte die Aufgabe, die uns in dieser Beziehung gestellt ist, sehen in der Vertiefung des Geistes der Arbeit: in der Vertiefung der persönlichen Anteilnahme jedes einzelnen unter uns an solcher Arbeit und vor allem in der Stärkung der persönlichen Opferbereitschaft nach Maßgabe der verfügbaren Kräfte eines jeden einzelnen von uns; sodann aber auch in der Vertiefung des Geistes der Arbeit durch eine stärkere Verbindung unserer neuzeitlichen Wohlfahrtsarbeit mit den starken Quellen unserer Religion, in der Vertiefung schließlich durch eine stärkere wissenschaftliche Durcharbeitung der Wohlfahrtsprobleme, als sie in den letzten Jahren bei den Anforderungen der täglichen praktischen Arbeit möglich war. Im inneren Zusammenhang mit solcher Vertiefung steht auch die Verbesserung der sozialen Ausbildung für die ehrenamtlich und berufsamtlich in unserer Arbeit Stehenden; dabei sei besonders der Bestrebungen gedacht, die an den Rabbinerseminaren die Wohlfahrtspflege immer stärker als Lehrfach einführen wollen. Ich bin sicher, daß wir gerade bei solchen Bemühungen, die der inneren, der persönlichen und der sachlichen Vertiefung der Arbeit dienen sollen, auch mit Ihrer Verbandsarbeit übereinstimmen. Nur so wird ja das Ziel erreicht werden können, alle jüdischen Kreise für die jüdische WohlfahrtSarbeit zu gewinnen und so die Wohlfahrtsarbeit wirklich mit dem Bewußtsein und den Kräften der jüdischen Gesamtheit unlöslich zu verbinden. Zum Schluß darf ich noch die bedeutsamen Arbeiten wenigstens andeuten, die gegenwärtig im Gange sind, um mit den Wohlfahrtseinrichtungen der Juden anderer Länder in Verbindung zu treten, Arbeiten, über die ich hoffe, Ihnen später einmal wieder berichten zu können, wie über vieles andere, was ich heute nicht oder nur zu kurz erwähnen konnte. Ich bin in der glücklichen Lage, Ihnen Anträge irgendwelcher Art nicht vorlegen zu müssen. Mein einziger Antrag und Wunsch ist der, daß die Wohlfahrtsabteilung Ihres Landesverbandes wie bisher in enger und guter Verbindung mit uns Weiterarbeiten möge. Ich glaube, das wird sicherlich möglich sein, weil der große Gedanke und die letzten Gründe solchen Zusammenwirkens Ihre und unsere Tätigkeit gemeinsam bewegen. Dabei sind wir überzeugt, daß, wenn solche Zusammenarbeit sich weiter entwickeln und immer stärker fruchtbar erweisen soll, sie keine äußerliche und nur organisatorische Verbindung sein darf, sondern daß sie geschehen muß in voller gegenseitiger Freiheit und Anerkennung und in innerer Notwendigkeit durch das gemeinsame Ziel und den gemeinsamen Geist jüdisch-sozialer Arbeit. vie >Vohlfahrt«arbeit des Verbandes Von Fräulein Dr. Strauß Referat, gehalten auf der Tagung des Verbandes in Bamberg Seit der letzten Wohlfahrtstagung im Jahre 1925 in Würzburg ist der innere Ausbau des schon damals bestehenden Wohlfahrtsamtes unseres Verbandes geschaffen worden. Das Wohlfahrtsamt, das die Spitzenorganisation für jüdische Wohlfahrtspflege in Bayern ist, fand als Organ des Verbandes eine Organisation bereits vor, die es dann nur für seine besonderen Aufgaben benutzen brauchte: Alle Gemeinden, die dem Verband angeschlossen sind. sind mit ihren Wohlfahrtseinrichtungen automatisch auch dem Wohlfahrtsamt des Verbandes angefchlossen. Die Mittel, die dem Wohlfahrtsamt zur Verfügung stehen, sind Verbandsmittel. Zu den speziellen Aufgaben des Wohlfahrtsamtes des Verbandes gehören die Subvention der verschiedenen Wohlfahrtsinstitutionen, wobei noch im besonderen über das Landesheim in Würzburg zu sprechen sein wird, das als Anstalt des Verbandes nun feit zwei Jahren

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