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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-12-15 · 24 (15.12.1928) · p. Seite 385

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
24 (15.12.1928)
Article
Der jüdische Friedhof zu Burgkundstadt
Date
1928-12-15
Page
Seite 385 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 385 Familienembleme, die auf besondere religiöse Funktionen und Familieneigenheiten hinwiesen. — Im oberen Teile des Friedhofes ist noch eine ganze Anzahl von Grabdenkmälern zu sehen, die teilweise in der Erde eingebettet ihrem. Träger näher gekovrmen, noch manche Kunstsorm, hauptsächlich der Empirezeit, erkennen lassen. Löwen, krabbenähnliche Köpfe, Blattkrän^, erhabene Kanten und sogenannte Eierstäbe zeigen sich idem genauen Beobachter und wären wohl noch wert, aufgerichtet und restauriert zu werden. Steine, die auf der.Vorderseite liegen, waren geschützt vor Verwitterung und. bieten Schrift und Verzierungen nach gründlicher Reinigung noch unversehrt den Beschauer dar. So treten wir, von heiligen Schauern ergriffen, den Rückweg an. Wir durchschreiten den neuen Teil, >der das gleiche Bild unserer modernen Friedhöfe zeigt, und der jedoch unsere wehmütige und doch gehobene Stimmung nur zur beeinträchtigen geeignet ist. — Noch ein ferner Blick auf die schlummernden Steine, die seltsame Bilder der mittelalterlichen Kultur und Verhältnisse unserer Vorfahren uns vor die Seele gezaubert hat, und durch das schmiedeeiserne hohe Gitter verlassen wir den stillen Ort. — Steine reden doch ihre besondere Sprache!... Aus dem Reiche Das Siedlungswerk des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten beginnt Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten hielt seine diesjährige Delegiertentagung, zu der sich mehrere hundert Teilnehmer aus dem Reiche eingesunden hatten, in Berlin ab. Sie wurde mit einer machtvollen Kundgebung für seine Siedlungsaktion eingeleitet, dis am Sonnabend, dem 24. November 1928, abends, im ehemaligen Herrenhaus stattfand und von Vertretern aller führenden jüdischen Organisationen Deutschlands besucht war, die ihre Verbundenheit mit dieser Idee des Reichsbundes zum Ausdruck brachten. Dr. Leo Löwenstein, Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und des Siedlungsausschusses, hieß die Delegierten und die Vertreter der jüdischen Organisationen willkommen, setzte das Programm der Tagung auseinander und stellt fest, daß alle Organisationen und die verschiedenen religiösen Richtungen im deutschen Judentum mit der Siedlungsidee des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten übereinstimmen. Er sprach der jüdischen Gemeinde Köpenick, deren Friedhof von Bubenhänden geschändet wurde, das Mitgefühl des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten aus und gab als alter deutscher Soldat seinem tiefen Schmerle Ausdruck, daß der Boden, den die jüdischen Frontsoldaten mit ihrem Blute verteidigten, jetzt geschändet wird. Gleichsam als Entsühnung soll der ehemalige Soldat mit dem Boden verbunden werden. Der Bund kann allein die schwere Last und die Verantwortung nicht tragen, das gesamte deutsche Judentum soll diese Arbeit mittun. Die Siedlungsarbeit des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten hat in jüngst verflossener Zeit eine wesentliche Förderung dadurch erfahren, daß die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." gegründet und rechtlich fundiert worden ist. Mit der Ansiedlung wohlerprobter jüdischer Landwirte und Gärtner wird in den nächsten Wochen begonnen werden können. Im kommenden Frühjahr wird der erste Samen gesenkt in deutschen Boden. Der Aufgabenkreis der „Jüdische Landarbeit G. m. b. $).“ ist rein siedlungstechnischer Natur. Er besteht im wesentlichen darin, „die Ausbildung und Ansiedlung jüdischer Landwirte und Gärtner in Deutschland zu fördern, und die Förderung bestehender Mischer landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kleinbetriebe zu gewährleisten." Zur Weiterführung der Propaganda für die Siedlungsidee muß ein neues Vereinsgebilde ins Leben gerufen werden. Dieses Vereinsgebilde soll den Namen führen „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland" („RJS"). Dieser „RJS" wird der „Jüdische Landarbeit G. m. b. H." diejenigen Möglichkeiten schaffen, die zu einer ungestörten Siedlungstätigkeit notwendig sind. Die Gründung des „RJS" soll in dieser Versammlung vor sich gehen. Herr Domänendirektor S. Dyk hielt nun sein Referat: „Das Siedlungsproblem — die jüdische Frage": Die Eignung des Juden zum Bauern war niemals verloren gegangen, und heute gehen in Palästina, Rußland und Polen großartig^ Siedlungsaktionen vor sich. Auch in Deutschland wandten sich viele Juden nach der Sprengung der Ghetto-Mauern der Landwirtschaft zu. Viele aber blieben nicht beim Bauerntum, weil die Stadt bessere Möglichkeiten bot. Heute aber ist es anders; heute bietet das flache Land bessere Möglichkeiten, und darum macht sich eine Rückbewegung zum Lande bemerkbar. Die Siedlungsaktion soll zunächst in kleinerem Maßstabe und nur mit ausgebildeter, ertüchtigter Jugend geführt werden. Später erst wird man daran gehen, größere Massen jüdischer Menschen aus die Scholle zu bringen. Der Redner setzte das Problem der Siedlung in Deutschland auseinander und berichtete, was seitens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten bis jetzt zur Verwirklichung, der Siedlungsidee unternommen worden ist. Für die Unterbringung von etwa sechs Personen als Gärtner innerhalb einer größeren Siedlungsgesellschaft ist bereits gesorgt worden; das Kapital hierfür ist sichergestellt. Gegenwärtig wird wegen des Erwerbs eines 1500 Morgen großen Waldgutes verhandelt, das für die Unterbringung von 40 bis 50 Siedlern ausreichen würde. Die jüdische Jugend, schloß der Redner, ist dieser Ausgabe gewachsen, schafft nur die Mittel herbei! Der Jude wird, wie überall, auch in der Landwirtschaft produktiv sein. Dr. Heinrich Elkeles, stellvertretender Vorsitzender des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, sprach über „Ausgaben und Bedeutung des Reichsbundes für jüdische Siedlung in Deutschland". Er umriß die Aufgaben des neuen Bundes, dessen Ziel es ist, aus Wurzellosen, zufriedene, kraftvolle jüdische Männer und Frauen zu machen. Heute, in dem Zeitalter höchster jüdischer Not, wollen wir die Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft nicht aufgeben. Er forderte alle deutschen Juden auf, dem „RJS" beizutreten. Es folgten die Erklärungen der Vertreter der großen jüdischen Organisationen, Kammergerichtsrat Leo Wolff, Präsident des Preußischen Landesverbandes Mischer Gemeinden, führt aus, jeder sei verpflichtet, in Wort und Tat die Rückkehr breiter jüdischer Schichten zur Scholle zu fördern. Groß wie die Notwendigkeit, sind aber auch die Schwierigkeiten. Die rechtlichen Bedingungen sind in der Emanzipation geschaffen. In der Praxis aber sieht es etwas anders aus. Die herrschenden Vorurteile erwiesen sich stärker als das Recht. Es muß immer wieder betont werden; es handelt sich um das Recht, das mit uns geboren ist. Der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, der die Schicksalsgemeinschaft mit dem deutschen Volke zutiefst empfindet, hat im richtigen Gefühl diese Aufgabe übernommen. Der Preußische Landesverband ist mit dem Reichsbund eins in diesem Ziele. Der Flucht in die großen Städte muß entgegengetreten, das jüdische Leben in den kleinen Städten und auf dem flachen Lande soll gestärkt werden. Der Redner schloß mit dem Zitat aus „Faust": „Solch ein Gewimmel möcht ich sehn: ein fteies Volk auf freiem Grunde stehn." Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, Präsident des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, überbrachte den Gruß aus dem deutschen Süden und erinnerte daran, daß der Bayerische Landesverband schon bei seiner Gründung die Landsiedlung in sein

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