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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-12-01 · 23 (1.12.1928) · p. Seite 369

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
23 (1.12.1928)
Article
Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? [Rezension]
Date
1928-12-01
Page
Seite 369 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 369 In Augsburg Hotel Bayerischer Hof I wohnt man gut und billig im | sich als Bürger im höchsten Sinne bewährt haben, das weist der Verfasser an markanten Beispielen nach, wie er es ftir die Zeit der Emanzipation in seiner trefflichen Schrift: „Kamps der Juden um ihre Emanzipation in Bayern", bereits getan hat. Als Bürger und Soldaten haben die Juden diesen ihren Willen durch die Opfer bezeugt, die sie dargebracht, durch die Dienste, die sie in selbstloser Hingabe für die Allgemeinheit geleistet haben. Dieses Bekenntnis zum bayerischen Vaterlande haben die Juden schon anfangs des 19. Jahrhunderts, noch bevor ihnen die Bürgerrechte verliehen waren, abgelegt. Es gewährt großes Interesse, bei Eckstein zu lesen, wie sich die Juden zum Militärdienst geradezu gedrängt haben, noch bevor er ihnen zur Pflicht gemacht wurde, wie denn auch jüdische Politiker sich mehrfach in der bayerischen Geschichte des letzten Jahrhunderts als treue und unerschrockene Vaterlandsfreunde erwiesen haben. Was^ aber die Juden in der Teilnahme am Weltkrieg geleistet haben, das wird aus genauen statistischen Beilagen klar, die den Beschluß des Buches bilden. Zu dieser „Kriegsstatistik der bayerischen Juden" hat Dr. Alfred Werner, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten ein kurzes Geleitwort geschrieben, in dem er ausführt, daß diese auch den Beweis liefern solle für die Tatsache, daß unter den gewaltigen Kriegsopfern des bayerischen Heeres auch eine entsprechend große Anzahl von Angehörigen der jüdischen Gemeinden sich befände. Dieser Beweis diene nicht unserem Ruhme, sondern sei notwendig geworden zur Abwehr gegen Verleumdungen, die nicht einmal vor dem geheiligten Andenken von Toten Halt machen. Die Beilage enthält die Namen und Tatbeschreibungen der 25 Inhaber der Goldenen und Silbernen Tapferkeitsmedaille sowie des bayerischen Militärsanitätsordens, Orden, die —• wie bekannt — nur in seltenen Fällen für große Verdienste und hervorragende Tapferkeit gewährt worden sind. Es finden sich ferner die Namen der 170 Inhaber des Eisernen Kreuzes I. Klasse, sowie der jüdischen Flieger. Eine ausfiihrliche Statistik der Feldzugsteilnehmer aus allen 'irdischen Gemeinden Bayerns erweist, daß aus Bayern 9772 Israeliten, darunter mindestens 816 Kriegsfreiwillige, eingerückt sind. Eine eingehende statistische Untersuchung ergibt das Resultat, daß wir etwa 19 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung in Bayern als Feldzugsteilnehmer anzunehmen haben, während von der Gesamtbevölkerung des Deutschen Reiches 18,73 Prozent Feldzugsteilnehmer angenommen werden. Aufschlußreiche Zahlen über die Frontsoldaten, über Gefallene, Vermißte, Beförderte, Dekorierte lassen den Schluß zu, „daß die Israeliten in Bayern restlos ihre Pflicht erfüllt und an den Erfolgen kriegerischer Leistungen in einer dem Durchschnitt mindestens entsprechenden Weise teilgenommen haben". Die Statistik findet einen erschütternden, uns mit Wehmut, aber auch Stolz erfüllenden Abschluß durch das Verzeichnis der 1130 jüdischen Gefallenen und Vermißten aus Bayern, die namentlich aufgeführt sind. 16 Prozent der Frontsoldaten, 11,07 Prozent der Feldzugsteilnehmer, haben ihre Pflicht mit ihrem Tode besiegelt. Vor der eindringlichen Größe, der monumentalen Wucht dieser Zahlen verstummt jedes Wort. Was sie künden, wird ergreifend vervollständigt durch die Abbildungen der Kriegsdenkmäler und Gedächtnistafeln in München, Nürnberg, Augsburg, Bamberg, die dem vortrefflichen Buch beigegeben sind. Es verdient einen Ehrenplatz in jedem jüdischen Hause. Ergänzung und Berichtigung In meiner unlängst (im Philo-Verlag Berlin) erschienenen Schrift: „Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht? Eine geschichtswissenschaftliche Untersuchung mit kriegsstatistischen Beilagen", ist auf Grund von brieflichen Mitteilungen zur Liste der Inhaber des E. K. I. in Bayern (Beil. III) folgendes zu ergänzen: 1. Selling Martin (zu Seite 66), geb. 7. Oktober 1893, Nürnberg, Bankprokurist, eingerückt als Einjährigfreiwilliger, letzter Dienstgrad: Vizewachtmeister. 2. Weil Sigmund (zu Seite 57), geb. 27. Oktober 1879), Wohnort München, Kaufmann, eingerückt als Leutnant, letzter Dienstgrad: Oberleutnant. Dagegen ist auf Seite54 Bachmann Albin, Nürnberg, und aus Seite 56 Dr. M a n n e b e r g Jsmar zu streichen. Auf Seite 76 unten ist 315 ein Druckfehler für 316 Gemeinden. In der Verlustliste ist auf Seite 90 G o l d s ch m i d t Emil. Brückenau, gef. 27. April 1918 Kemmel, zu ergänzen. Ich bitte auch an dieser Stelle um gesl. Mitteilungen etwaiger Ergänzungen oder Berichtigungen meiner statistischen Angaben, die ich in einer bereits in Aussicht genommenen Zweitauflage meiner Schrift dankbarst berücksichtigen werde. Dr. A. Eckstein, Rabbiner i. R., Bamberg. Berichtigung. Im Schlußteil des Protokolls der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Iuni 1928, in Nr. 17 der Zeitung muß der vorletzte Satz auf Seite 284 (Ausführungen des Herrn Lehmann Fürth) richtig lauten: „In den gesicherten Verhältnissen konnten sich diese immer mehr und mehr entwickeln, die Kinder konnten alle tüchtige Berufe ergreifen und wenn das 50. Lebensjahr überschritten war, so konnte der Familienvater einem gesicherten Lebensabend entgegenschauen." ttus dem Verbände Wissenschaftliche Kurse der süddeutschen Rabbiner in Nürnberg vom 30. Oktober bis 1. November 1928 Der Oberrat der Israeliten Badens veranstaltete im vorigen Jahre in Gemeinschaft mit der Vereinigung badischer Rabbiner wissenschaftliche Kurse in Karlsruhe und lud dazu die Rabbiner Württembergs, Bayerns und Hessens ein. Diese Anregung ist auf so fruchtbaren Boden gefallen, daß diese Veranstaltung nun in den übrigen süddeutschen Ländern weitergeführt wird. So bildet sich eine neue Tradition, die — wie zu erwarten — die süddeutschen Amtsgenossen alljährlich zu bedeutsamer Arbeit an einem Kulturzentrum vereinigt und den Zusammenschluß der Geister wirksam und freundschaftlich fördert. In Nürnberg waren fast vierzig Rabbiner erschienen. Am Dienstag, 30. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr, eröffnete Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, der Präsident des V. B. I. G., mit ebenso herzlichen wie gedankenreichen Begrüßungsworten die Kurse. Er konnte darauf Hinweisen, daß der Verband nunmehr aus dem Stadium der Organisation zu wirksamer kultureller Arbeit schreitet, und er verwies auf die verdienstvolle Arbeit D r. Freudenthals bei der Schäftung der wissenschaftlichen „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" und für die Vorbereitung der diesjährigen wissenschaftlichen Kurse. Ebenso warmherzig und frohbewegt hieß Dr. Freudenthal die Teilnehmer an den Kursen willkommen. Er dankt dem Verband und besonders seinem Präsidenten für das Verständnis, das er den Rabbinern und ihren Angelegenheiten entgegenbringt. Er würdigt die geschichtliche Bedeutung Nürnbergs für das jüdische Schicksal in alter und neuer Zeit und schließt mit NAUSHALTWXSCHERtl „APOLLO” Inhaber: Peter Popfinger Spezialität: Niel-, Stärk- und Feinwäsche aller Art Dachauer Straße 19 Rgb. Telephon 52 553

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