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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-10-02 · 19 (2.10.1928) · p. Seite 303

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
19 (2.10.1928)
Article
Leibesübungen bei den Juden
Date
1928-10-02
Page
Seite 303 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 18 Bayerische Israelitische Gememdezenung 303 In Augsburg Hotel Bayerischer Hoff I wohnt man gut und billig in Ballspiel bei der täglichen Morgengymnastik der Realschüler am Strande bei Haifa KCwi IV. Wie ein roter Faden ist durch die ganze Betrachtung hindurch immer wieder festzuftellen, daß es hervorragende jüdische Sporthelden in jeder Zeit gab. Auch damals, als das beherrschende Prinzip die Erziehung im „Cheder" war. Ich möchte es mir auch in diesem Zusammenhang ersparen, eine Schilderung jenes Iudentyps zu geben, dessen Heim das Ghetto, dessen freie Sabbatftunden das Ziel für den Spott und Hohn der feindseligen Jugend war. Man muß erkennen, daß in diesen schweren Zeiten die Sorgen um das tägliche Brot allen anderen Ansprüchen voranging und dann kann man verstehen, daß unter dem herrschenden ungünstigen politischen und moralischen Druck, unter dem die Juden zu leiden hatten, eine besondere Pflege des Körpers und der Gesundheit erst gar nicht in Frage kam. Leider blieb diese Einstellung auch bestehen, als später die Emanzipation günstigere Bedingungen schuf. Eine Eigenart, die man bis zum heutigen Tag beobachten kann, das Aufsuchen von Ärzten und Kurorten wurde der einfachen Bewegung in Licht, Luft und Sonne vorgezogen. Und dann kam noch die Mode dazu. Es galt als interessant und vornehm, Puderblässe und geschminkte Lippen zeigen zu können. Das alles machte der Jude mit, da es in seinem Bestreben lag, von der Umwelt nicht als andersgeartet erkannt zu werden. Dazwischen wieder das Auftreten jüdischer Kraftathleten, die bekanntesten waren wohl die Familie Breitbart, die jüdischen Kunstreiter Wullenweber in Holland, der jüdische Bormeifter Englands Abraham Belasco. Die deutsche Turnerschaft hatte in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hervorragende jüdische Turner und gab im Jahrgang von 1881 eine längere Abhandlung über die Leibesübungen bei den Juden in ihrer Turnzeitschrift heraus. Zu dieser Zeit beginnt eine eingreifende Wandlung in der Mentalität der Juden Platz zu greifen. Herzl hat die zionistische Organisation geschaffen und mit der Entstehung der nationaljüdischen Bewegung war auch die Geburt der jüdischen Turnerschaft erfolgt. Max Nordau und Professor Mandelftamm stellten sich an die Spitze des späteren Turnverbandes/ der heute wohl mehr als 130 000 Mitglieder zählt. Es ist dies ein Ausdruck der ersten gemeinsamen und bewußt gemeinschaftlich betonten Pflege der Leibesübungen. Für Deutschland im besonderen gibt es noch zwei weitere Verbände. Die Sportgruppe des jüdischen Frontkämpferbundes, aus deren Mitte die bekannten Makkabiboxer Berlins hervorgingen, und den Vintusverband als den rheinländischen Verband der jüdisch-neutralen Turn- und Sportvereine. Diese Entwicklung ist naturgemäß durch den Zeitgeist bedingt gewesen, der nach dem Kriege herrschend war. Wir sehen heute bei weitem mehr auch bei den jüdischen Akademikern die freiwillige Pflege des Sportes. (Es würde aus dem Rahmen dieser Darstellung fallen, wenn ich hier die Erfahrungen als Sportlehrer an der Freiburger Universität wiedergeben wollte, was vielleicht einer späteren Schilderung Vorbehalten bleiben soll.) Vor allem aber treibt die heutige Jugend in reichlichem Maße Leibesübungen. Was für die Allgemeinheit wohl am meisten verwunderlich ist, dürfte die Entwicklung der Leibesübungen in Palästina sein. Dr. Fritz Simon veröffentlichte vor einigen Wochen in den „Leibesübungen" einen Bericht darüber, dem ich folgendes entnehme: Palästina, das alte heilige Land, der Ausgangspunkt dreier Weltreligionen- und Leibesübungen - das klingt wie ein Gegensatz und ist doch keiner. Auch in dieses kleine Ländchen, bis vor kurzem nur ein Sammelplatz gläubiger Pilger und neugieriger Reisender, ist seit einigen Jahren der alles besiegende Sport eingedrungen. Wo sich früher etwa am Sabbat neben den Alten auch die jüdische Jugend an der Klagemauer in Jerusalem, dem letzten Rest des salomonischen Tempels, versammelte, um in beweglichen Klagen das Schicksal des untergegangenen Reiches und Zions zu beweinen, da kann man heute eine halbe Stunde 1 Später Makkabi-Weltverband genannt. Wettkämpfe am Lag b'omer, dem nationalen Spiel- und Sporttag (in Haifa)

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