Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 19 (2.10.1928)
- Article
- Der jüdische Student in seiner Stellung zur Hochschulverwaltung und Hochschulpolitik
- Date
- 1928-10-02
- Page
- Seite 300 (sequence 4)
- Language
- German
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300 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 18 Kraftfahrzeuge, Blutenburgstraße 91 Telephon 63 457 11 irvVu'Sj OPEL / STUDEBAKER Vertretung / SpezialeReparaturwerkstätte / Günstige Ratenzahlungen anderen deutschen Hochschulen bestehen, vereinigen, soferne diese Organisationen alle reichS- und auslandsdeutschen Studenten umfasten und soferne die Satzungen solcher Gesamtvereinigungen nicht in Widerspruch mit der preußischen Verordnung über die Bildung von Studentenschaften stehen." Hier gibt es keine Zweideutigkeit, keine Lücke für völkische Rabuliftik. Der Satz anerkennt nur Studentenschaften, die weder bei Reichsnoch bei Ausländsdeutschen die Mitgliedschaft von konfessionellen oder rastenmäßigen Momenten abhängig machen und duldet nur Koalition mit gleichgerichteten Organisationen. Die Studentenschaften mußten durch Abstimmung bis zum 15. Dezember 1927 erklären, ob sie mit diesen Satzungen einverstanden oder — wenigstens vom staatsrechtlichen Gesichtspunkt aus — ihre Existenz verlieren wollten. Die dritte Möglichkeit, eine Anpassung der österreichischen Studentenschaften an die Normen der obigen Verordnung war von vornherein ausgeschlossen, so daß die Annahmeerklärung gleichzeitig den Bruch mit den österreichischen usw. Studentenschaften bedeutet hätte. Am 15. Dezember 1927 erklärten alle preußischen Hochschulen mit Ausnahme der theologischen Akademie in Braunsberg (die nur 33 gleich-konfessionelle Studierende umfaßte), daß sie die Beckerschen Vorschläge nicht annehmen könnten. Damit waren die öffentlich-rechlichen Studentenschaften in Preußen aufgelöst. Eine enge und kleine Auffassung hat gesiegt über zwei schöne, große Gedanken: Über den Gedanken einer genossenschaftlichen Selbstverwaltung der Universitäten durch Lehrer und Studierende, über den Gedanken einer einheitlichen auf breitester Basis aufgebauten großdeutschen Studentenschaft. Das übrige ist bald berichtet. Es bildete sich eine Rumpforganisation der süddeutschen, österreichischen, sudetischen und Danziger Hochschulen (mit Ausnahme der vier badischen Hochschulen), welche die alten Prinzipien entsprechend weiter pflegt. Besonders nach dem Ausscheiden der demokratischen Badenser hat die „Deutsche Studentenschaft" ihre Beschlüsse mit überraschender Einhelligkeit gefaßt, so auch den berüchtigten Nürnberger Beschluß anfangs 1928: Die deutsche Studentenschaft hat darin für gut befunden, die Iudenfrage nicht zu regeln — aus Utilitätsgründen! Das sagt genug über die herrschende Einstellung. Es ist bedauerlich, daß Hunderte von jüdischen Studenten an diese „Studentenschaften" ziemlich hohe Zwangsbeiträge leisten müssen. Die aufgelösten „Studentenschaften" in Preußen haben sich natürlich sofort rekonstruiert. Zwar haben sie nicht mehr die alten Rechte, aber dafür rassenmäßige Einheitlichkeit. Diese rein privaten Vereine stehen mit den öffentlich-rechtlichen Organisationen in Süd- und Auslandsdeutschland im engsten Konnex. Die Verwaltung der „Deutschen Studentenschaft" (d. i. die öffentlich-rechtlichen und die privaten Vereinigungen in ganz Deutschland und Österreich) wird in Charlottenburg geführt. Als Gegenorganisationen zu den privaten Studentenschaften in Preußen wurde auf den norddeutschen Hochschulen ein „Deutscher Studentenverband" gegründet, der Gruppen jeder Einstellung von ganz links bis zur D.V.P., insbesondere auch einzelne katholische Organisationen, in sich schließt. In dieser Vereinigung wirken eine Reihe jüdischer Hochschulpolitiker mit, vor allem Ollendorff (Berlin). Die Bestrebungen des „Deutschen Studentenverbandes" gehen dahin, den Einfluß dieser privaten Studentenschaften zu brechen und besonders deren öffentlichrechtliche Stellung aufzuheben. Es soll eine Protestnote aller der Studierenden aufgelegt werden, die nicht wollen, daß ihre Hochschulbeiträge zu völkischen Zwecken nach Charlottenburg wandern. (Bekannt ist der Zusammenstoß der beiden Organisationen auf der internationalen Hochschultagung in Paris.) Im Februar 1928 wurde eine Ortsgruppe des „Deutschen Studentenverbandes" in München gegründet, am 15. Juli 1928 schlossen sich in Heidelberg die süddeutschen Ortsgruppen zu einem engen Arbeitskreis zusammen. Das nächste Semester bringt uns die ersten Kampfe, und wir haben keinen Grund, allzu pessimistisch zu sein. So ist der Stand der Hochschulpolitik bis heute. Es ging manches in Trümmer, was lebenswert war, manche Gelegenheit wurde durch Uneinigkeit und Unentschlossenheit der beteiligten Kreise verpaßt. Aber es bleibt die Hoffnung auf Besserung und es bleibt unser zielbewußtes Streben: Möge einst auf den Trümmern der lebensunfähigen „Deutschen Studentenschaften" ein neue großdeutsche Studentenschaft sich erheben, eine Vereinigung all derer, die sich — gleich welchen Bekenntnisses und welcher juristischen Staatsangehörigkeit — freudig zum Deutschtum bekennen. Leibesübungen Von Leo Schir Eigenart ist unser Schicksal! Leider entsinne ich mich nicht mehr des Mannes, der in so prägnanter Weise eine Charakteristik all dessen gab, was mit uns Juden im Zusammenhang steht, gleichgültig, ob eö sich um eine Leistung von uns handelt oder ob wir gegen unsere Umwelt wertend geprüft werden. Auf diese Tatsache stoßen wir immer — auch in der folgenden Betrachtung, die von den Leibesübunbei den luden del (München) gen bei den Juden handeln soll. Und doch möchte ich eingangs erwähnen, daß es kaum möglich, weit mehr aber zwecklos ist, das Eigenartige im Jüdischen als einen leitenden Gesichtspunkt für das gestellte Thema zu wählen. Es bestehen an sich schon reichlich Hindernisse und Schwierigkeiten, die darin begründet sind, daß das zugängliche Belegmaterial überaus spärlich ist. Nur wenige Arbeiten greifen auf Talmud und Bibel zurück;