Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 17 (13.9.1928)
- Article
- Der jüdische Frauenbund [Rezension]
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 291 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 291 Das — ebenfalls neubeigefügte — Bilderverzeichnis läßt erkennen, daß wiederum die neuesten Werke jüdischer Künstler und Künstlerinnen der verschiedenen Länder ausgewählt wurden und einen lebendigen Eindruck in ihre Schaffenswelt vermitteln. Zum. erstenmal wurden auch Reproduktionen von Plastiken ausgenommen. Der künstlerische Teil des Kalenders wurde von dem Kustos der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. Karl Schwarz, mitbearbeitet und übertrisft in seiner Geschlossenheit und seiner sorgfältigen Auswahl die Kalender der ersten Jahre. Für den Textteil haben Mitarbeiter und Freunde des Jüdischen Frauenbundes Aussprüche geliefert, die sich aus das erste Vierteljahrhundert jüdischer Frauenarbeit — der Jüdische Frauenbund begeht im Jahr 1929 sein 25jähriges Jubiläum — beziehen. Stellen des Schrifttums wurden zu diesem Anlaß ausgewählt und gedeutet, eigene Gedanken in Form gebracht. Uber den Kreis des Jüdischen Frauenbundes hinaus wird gerade dieser Textteil den jüdischen Familien, der Heranwachsenden weiblichen Jugend und der jüdischen Gemeinschaft wertvolle Einblicke vermitteln in den Jdeenkreis der jüdischen Frau:: in ihr Wesen und Tun, ihr Wollen und ihre Bestimmung. Die Ausstattung des Kalenders ist vorzüglich. Er ist zum Preise von RM. 2.75 (exkl. Porto und Verpackung) von der Geschäftsstelle des Jüdischen Frauen-Bundes zu beziehen. Leipziger TNeßgäsie Die jüdischen Besucher der Leipziger Messe in den Jahren 1675 bis 1764. Von Dr. Max Freudenthal, Rabbiner in Nürnberg. (1928. I. Kauffmann-Verlag. Frankfurt a. M.) Unter den zahlreichen Freunden und Verehrern, die dem Verfasser dieser unlängst erschienenen Druckschrift gelegentlich seines Eintritts ins 7. Jahrzehnt seines Lebens ihre Zukunfiswünsche darbrachten, stand in vorderster Reihe auch die Wissenschaft des Judentums, um ihm für die großen Verdienste, die er als Forscher und Schriftsteller sich erworben, einen Zoll des Dankes und einen Kranz der Anerkenung zu widmen. Wie sehr er diesen Dank und diese Anerkennung verdiente, das beweisen von neuem die „Leipziger Meßgäste", eine Quellenschrift, in welcher nach einer die allgemeinen Gesichtspunkte und Ergebnisse zusammenfassenden Einleitung die Namen von 81937 jüdischen Besuchern der Weltmärkte in Leipzig aus 89 Jahrgängen (in alphabetischer Reihenfolge der Herkunstsgemeinden und Personen) aus der Stille des Staatsarchivs von Dresden durch einen literarischen Werderus zum geschichtlichen Dasein erweckt werden. Die Frage ist naheliegend: Was kann es uns Gegenwartsmenschen im Zeitalter des Luftschiffverkehrs interessieren, daß beispielsweise Js. Schmelz im Jahre 1691 oder Jak. Badon aus Venedig im Jahre 1734 die Leipziger Messe mit der Schneckenpost besucht haben? Darauf hat bereits Werner Sombart in seinem bekannten Werke „Die Juden und das Wirtschaftsleben" (Seite 25 bis 26) mit folgenden Worten geantwortet: „Auffallend gut find wir unterrichtet über die Beteiligung der Juden an der Leipziger Messe, die ja lange Zeit hindurch der Mittelpunkt des deutschen Handels war ..., die aber auch für einige der angrenzenden Länder eine wichtige Rolle gespielt hat. Hier auf der Leipziger Messe finden wir nun seit Ende des 17. Jahrhunderts in wachsendem Umfange Juden als Meßfieranten, und die Bearbeiter des Ziffernmaterials kommen sämtlich dahin überein, daß die Juden es feien, die den Glanz der Leipziger Messe begründet haben." Bekanntlich sieht Sombart die Gegenstände seiner wissenschaftlichen Beurteilung bisweilen durch ein Vergrößerungsglas. Hier ist das nicht der Fall. Seine Einschätzung der Juden für die Bedeutung der Weltmärkte in der Pleißestadt ist keine Überschätzung. Das beweist Freudenthals Namensverzeichnis und Einleitung, aus der wir nur die Tatsache hervorheben wollen, daß allein die Ein- Ir Müßanlertiguiis vornehmer FraaeQKleldung •! p Jerda Oettinger rl |S Augsburg, Maximiliansplatz B 41/II, *| I# Telephon Nr. 772 Sl kaufe der mit Freipässen von seiten fürstlicher Höfe versehenen Juden in den Jahren 1774 bis 88 den enormen Betrag von jährlich 100 000 Talern ausgemacht haben. Auch in kulturgeschichtlicher Beziehung erhalten wir aus dem Inhalt der Veröffentlichung manchen interessanten Einblick in Verhältnisse längstvergangener Zeiten. Bor allem aber ist sie eine kaum auszuschöpsende Quelle für Familienkunde und Namensforschung. Sehr bemerkenswert und ein starker Beweis für ihre frühzeitige Eindeutschung ist die überraschend große Anzahl von deutschen Familiennamen — sogar Namen wie Deutsch und Franke sind öfter genannt — die wir bei den Vorfahren bereits im 17. und 18. Jahrhundert vertreten finden. Für Erforscher unserer engeren Heimatgeschichte sei darauf aufmerksam gemacht, daß aus Bayern (in seinem gegenwärtigen Gebietsumfang) nicht weniger als etwa 62 Gemeinden mit den Namen ihrer jüdischen Meßsahrer aus den verschiedensten Jahrgängen sich in dem Buche erwähnt finden. Zweifellos wird das neue Gelehrtenwerk, das Freudenthal als Frucht vieljährigen Arbeitsfleißes geleistet und das von der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums als Nr. 29 ihrer Schriften in würdiger Ausstattung herausgegeben wurde, wie alles Echte und Originale die Anregung zu neuen Forschungen auf verschiedenen Wissensgebieten geben. A. E. Ludwig Strauß: Ruf aus der Zeit. Verlag Lambert Schneider, Berlin-Dahlem, 1927. Preis RM. —.50. Als erster Sonderdruck der Zeitschrift „Die Kreatur" wendet sich Strauß' Versdichtung an dis Erwachenden und Sehnsüchtigen aller Glaubensgemeinschaften. Der Schrei zu Gott erklingt... „Das kein Traum uns mehr entreißt, hier ist unser bittres Gut: Schrei, der Gott zum Herzen dröhnt: heilige Not." Heraus aus dem Gewirre unserer Zeit. „Joseph." Erzählung aus dem Lande der Pharaonen von Johs. Ledroit. Verlag Emil Roth. Gießen. Der Verfasser behandelt den Lebensgang des biblischen Joseph doch in freier und erweiternder Darstellung. Die dargebotenen Geschichten sind spannend geschrieben. Die Sprache ist schön und klar. Die fesselnde Erzählung macht unter der Hand auf Grund von genauen Studien mit Landschaft, Kultur und Geschichte des allen Ägypten und des angrenzenden Kanaan in seherisch geschauten und glänzend beschriebenen Bildern bekannt. Erst vor kurzem durch Ausgrabungen, besonders in der Tut-anch-Ammon-Pyramide, uns wieder näher gerückte graue Vergangenheit wird uns zur Gegenwart. Wir haben hier das alttestamentliche Gegenstück zu Wallaces „Ben Hur". Das Buch wird bei der reiferen Jugend durch seinen mitreißenden Schwung, durch feine Schilderungen unter den Erwachsenen, die sich einmal in Land und Leute jenes geheimnisreichen, alten Kulturlanden vertiefen wollen, und durch seine Herzenswärme bei allen Freunden der Bibel Beachtung und aufmerksame Leser finden. Professor läe. theol. W. Gaul in Bensheim. Rudolf kaula. „Der Liberalismus und die deutschen Juden. Das Judentum als konservatives Element." Verlag Dunker u. Humblot. München u. Leipzig 1928. Das Buch ist, obwohl nicht allein von politischen Dingen ausgehend, in erster Linie ein politisches Buch. Es sucht eingehend nach- Komet-Sciinell-Lieferwagen Oixi 6/30 PS 3/15 PS Die deutschen Qualitätswagen / Prospekte und Verkauf durch die Vertretung JOSEF MAYR, MÜNCHEN Thalkirchner StraBe 66/70 Telephon SSI36 und S7593 B$B