Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 17 (13.9.1928)
- Article
- Beerdigung Rosa Werners
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 287 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727867-2733891--03636-2733953- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
290 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 langen Jahre mit dem bewährten Armenpfleger unserer Gemeinde. In diskreten Fällen vertrauten sich ihr die Menschen an, ihr allein, denn sie wußten, daß es niemand gab, der mit soviel Zartgefühl, soviel Takt und Verschwiegenheit ihnen helfen konnte. Und als in den Zeiten der Inflation die Mittelstandshilfe als erschütterndes Problem in nie gekannten Ausmaßen an die Gesellschaft und nicht zuletzt an unsere Religionsgesellschaft herantrat und Menschen die Hilfe ihrer Nächsten in Anspruch nahmen, die solche Hilfe vordem selbst gewährt hatten, da war die Verewigte eine Seelsorgerin im eigentlichsten Sinne des Wortes und sie hat einen vornehmen Teil der Tätigkeit selbst erfüllt, die dem Amte ihres Mannes einst zugekommen war. Es gab in der Gemeinde kaum ein Glied, das sie nicht persönlich kannte. Sie kannte die Namen der Kinder, sie kümmerte sich um Freud und Leid der einzelnen, die in ihrer Gesamtheit als große Familie ihr gegenüberstanden. So wurde die Frau aufs höchste verehrt in allen Teilen der Gemeinde und als sie vor zwei Jahren das siebzigste Geburtsfest beging, da stürmte eine Fülle der Liebe auf sie ein. Es war eine wirkliche Familienfeier, die wir damals im Sitzungssaale der Gemeinde veranstalteten und unvergessen ist uns der Augenblick, als die Gefeierte auf alle die Ehrungen, die ihr zuteil wurden, einfach und schlicht antwortete und weiter am Wohle der Gemeinde mitzuarbeiten versprach, ein Versprechen, das sie bis zu ihrem letzten Atemzuge treulich gehalten hat. Rosa Werner war eine der bemerkenswertesten Erscheinungen und vornehmsten Frauengestalten der Gemeinde und in deutschen Landen, auch darüber hinaus. Über einen gebrechlichen, von Krankheit behinderten Körper siegte ein willensstarker, glänzender Geist. Ihr Wirken, das, seelischem Urgründe entsprungen, von unendlicher Güte und tiefer Einsicht in die menschlichen Schicksale getragen war, und bescheiden, frauenhaft zart und doch klar, bestimmt und zielbewußt sich darbot, gab in seiner letzten Wirkung eine von der Persönlichkeit losgelöste Objektivierung des Guten, Wahren und Schönen. Ihr Handeln, von allen persönlichen Beweggründen befreit, diente einzig dem Wohle des Nächsten in einer so reinen und vollkommenen Fonn, wie dies bei wenigen Menschen getroffen wird. So hat die Frau, der leibliche Kinder versagt waren, mütterlich alle Angehörigen ihrer Gemeinde umfaßt und als Mutter haben wir sie alle geliebt und verehrt. Als Mutter der Gemeinde wird sie in der Geschichte der Gemeinde fortleben. Und mit dem Andenken ihres großen Mannes wird für alle Zeiten das Gedächtnis von Rosa Werner untrennbar in dieser Gemeinde verbunden sein. Im Namen des Israelitischen Frauenvereins von 1830, des Vereins für die Bekleidung armer Schulkinder, für Ferienkolonien in München, der Israelitischen Jugendhilfe, des Israelitischen Frauenbundes, Ortsgruppe München, widmete Herr Justizrat Leo Oppenheimer der Heimgegangenen letzte Worte des Dankes und der Erinnerung, als einer derjenigen, die am längsten mit ihr zusammen gearbeitet haben an dem Gebäude der Zedoko. Er rühmte die guten Eigenschaften der Verstorbenen, ihre liebenswürdige, stille, gute Art, ihre Frömmigkeit, vor allem ihre Wohltätigkeit und ihre Arbeit für wohltätige Zwecke. Solange die Verstorbene gearbeitet hat und Gutes tat, hat man ihre Tätigkeit als etwas selbstverständliches empfunden, aber heute fühlen alle, ganz besonders diejenigen, denen sie Gutes getan hat, so recht den Verlust, den uns der Tod hier beigebracht hat. Wir können das Andenken der Heimgegangenen nicht besser ehren, als dadurch, daß wir alle zusammenstehen und geloben, weiter zu arbeiten an dem Werke, an dem Rosa Werner mit uns geschaffen hat. Hebräische Sprachkurse München Die zweite Hälfte des Sommersemesters begann am 3. ds. Mts. In den sämtlichen bestehenden Kursen werden neue Schüler ausgenommen. Bei einer genügenden Teilnehmerzahl wird beabsichtigt einen wissenschaftlichen-grammatischen sowie einen Anfängerkurs abzuhalten. Interessenten werden gebeten, sich im Kurslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1, täglich von 3 bis 6 Uhr (Tel. 297 449) anzumelden. Teilnehmer, die auf teilweise oder gänzliche Befreiung vom Schulgeld Anspruch erheben, werden gebeten, ihr schriftliches Gesuch an das Komitee der Hebräischen Sprachkurse, z. H. des Herrn Paul Grünbaum, Rothmundstraße 6, zu richten. Der Stundenplan ist wie folgt festgesetzt: Montag 7.15 bis 8.45 Uhr abends Kurs VI; 8.45 bis 10.45 Uhr abends Kurs I. Dienstag: 7.30 bis 8.45 Uhr abends Kurs III; 8.45 bis 9.45 Uhr abends Kurs IV. Mittwoch: 5.00 bis 6.00 Uhr nachmittags Kinderkurs; 6.30 bis 8.30 Uhr abends Kurs V; 8.30 bis 9.30 Uhr abends Kurs VI. Donnerstag: 7.15 bis 8.15 Uhr abends III; 8.15 bis 9.15 Uhr abends Kurs IV. Zionistische Ortsgruppe München Die Zionistische Ortsgruppe München beginnt ihre Winterarbeit mit einem Vortrag von Herrn Kurt Blumenfeld (Berlin), dem Präsidenten der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, über „Jüdische Entwicklung und zionistische Aussichten" am Donnerstag, dem 20. September, abends 8,15 Uhr, im Saale des Kunstgewerbehauses, Pfandhausstraße 7. vücberschau Der Jüdische Frauenbund läßt zum drittenmal seinen Kunstk a l e n d e r erscheinen, der schon durch seine äußere Form beweist, daß die Herausgeber ständig darauf bedach sind, immer neuen Verbesserungen und Anregungen Raum zu geben. Die neugewählte Form des Ummlegkalenders ermöglicht es, neben dem Kalendarium und Text das Kunstblatt der Woche über vor Augen zu haben und die Reproduktionen am Ende des Jahres gesammelt zu besitzen. §!fc?e6ea 6)?txmnl §!fc?e6ea <JffcisiÄte 3*Cevieri£leuli44ig. aai 9UaJ£ (mdäivtt deit iifhet 50 3afiten ded IDeltRaudcd w^ßefcujd - fanden e^enuüdtet § jimfangiuje