Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 17 (13.9.1928)
- Article
- Die Reichsarbeitsgemeinschaft tritt in die praktische Arbeit ein
- Date
- 1928-09-13
- Page
- Seite 279 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2727850-2727867-2733889--03624-2733945- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 279 schullehrer Stern, Geheimrat Goldfeld (Breslau), M. A. Loeb; für Bayern OberlandeSgerichtSrat Dr. Neumayer, Justiz-- rat Dr. Elias Straus, Iuftizrat Dr. Hommel (Schweinfurt), Kommerzienrat Joseph (Landau), Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), Oberlehrer Stoll (Würzburg); für Württemberg Dr. Gunzenhäuser (Stuttgart); für Baden Rechtsanwalt Pfälzer (Weinheim); für Sachsen Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt (Leipzig); für Hamburg Gemeindevorsitzender Levy; f ü r L ü b e ck Dr. Landau; für Mecklenburg Rechtsanwalt Rubensohn (Rostock); für Hessen Kommerzienrat Mayer (Mainz). Die schon für die erste Sitzung vorliegende reichhaltige Tagesordnung war der beste Beweis für die Notwendigkeit der Institution der Reichsarbeitögemeinschaft. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Rabbiner- und Lehrerbildungsanstalten sprach als Berichterstatter Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München), der es als Aufgabe aufzeigte, die Bildungsanftalten für den Rabbiner- und Lehrerftand finanziell so auszugestalten, daß sie nicht mehr auf freiwillige Gaben angewiesen sind. Zu diesem Zwecke schlug er die Erhebung einer Umlage von RM. 1.— auf den Kopf der Bevölkerung durch die Landesverbände vor, wodurch die unabhängige Existenz dieser Anstalten gesichert sei. Bei der Aussprache zeigte eS sich, daß zwar die süddeutschen Landesverbände bereit waren, diese finanziellen Lasten auf sich zu nehmen, daß aber der preußische Landesverband sich außerstande erklärte, eine entsprechend hohe Summe in seinem Budget unterzubringen. Begründet wurde diese Unmöglichkeit von seiten des preußischen Landesverbandes mit dem Hinweis auf die noch immer fehlende staatliche Anerkennung ihres Verbandes, was die direkte Besteuerung seiner Mitglieder, so wie sie bei den süddeutschen Landesverbänden bereits seit längerer Zeit eingeführt ist, verhindert. Man hofft, daß mit der Verabschiedung des preußischen IudengesetzeS, dessen Entwurf nunmehr vorliegt, in absehbarer Zeit Körperschafis- und BefteuerungSrechte für den preußischen Landesverband erworben werden können. Unter den gegebenen Umständen blieb jedoch nichts anderes übrig, als die vom Referenten vorgeschlagene Resolution in eine Empfehlung an die Landesverbände umzuwandeln, wobei für diejenigen Landesverbände, welche die erforderlichen Mittel aus ihrem Etat aufzubringen nicht imstande sind, die Schafftmg einer Organisation zur einheitlichen Aufbringung freiwilliger Mittel geplant ist, also eine Art Notgemeinschaft jüdischer Wissenschaft. Ergänzend referierte zu diesem Punkte Oberlehrer Stoll, der Leiter des Würzburger Lehrerseminars. Durch die auf Grund der Reichsverfassung in allen deutschen Ländern in Aussicht genommene Neuorganisation ist auch die jüdische Lehrerbildung vor neue und bedeutsame Aufgaben gestellt. Nach dem in Bayern dem Landtag schon vorliegenden Gesetzentwurf wird von dem Volköschullehrer, der bisher lediglich das Lehrerseminar zu besuchen hatte, künftig die Absolvierung einer neunklaffigen konfessionellen Mittelschule, „Aufbauschule", verlangt, an welche sich noch ein zweijähriger Lehrgang an einer pädagogischen Akademie anschließt. Stoll erklärte die preußische Regelung, der zufolge die Vorbereitung zur Akademie auf den allgemeinen Mittelschulen erfolgt, für nicht befriedigend, und forderte für Bayern die gemeinsame Ausgestaltung von Würzburger Lehrerseminar und Präparandenschule Höchberg zu einer einheitlichen Lehrerbildungsanstalt, zu einer „Aufbauschule" im Sinne der neuen bayerischen Vorschriften. An diese Aufbauschule ließe sich dann im Anschluß an die Universität Würzburg eine akademische Fortbildung der jüdischen Lehrer unschwer erreichen. Zur Sch ächtfrage, die nicht nur in Bayern, sondern in letzter Zeit auch in Preußen Gegenstand der Erörterung war, wurde der einheitlichen Überzeugung Ausdruck gegeben, daß unbeschadet der noch im Stadium der Vorbereitung befindlichen Betäubungsversuche an der altgeheiligten religiösen Institution vom deutschen Judentum festgehalten werden müsse und daß die dagegen gerichteten Angriffe geschlossen abzuwehren seien. Auf Antrag der Hauptftelle für jüdische Wanderfürsorge wurde die Schaffung einer jüdischen Arbeiterkolonie wärmftens befürwortet, in der eine landwirtschaftliche und gärtnerische Beschäftigung arbeitsloser Wanderer und entlassener Strafgefangener ftattfinden soll. Es wurde den Landesverbänden empfohlen, zur Aufbringung der erforderlichen Mittel beizutragen. Die Bedeutung der von der statistischen Sektion der Akademie für die Wissenschaft des Judentums unternommenen Bearbeitung der letzten Volks- und Berufszählung wurde voll anerkannt, ihre Unterstützung sowie die Einrichtung statistischer Büros in den großen Ge me i n d e n mit einheitlichen Zählkarten empfohlen. Es wurde ferner die Schaffung von rituellen Speisehäusern für die Studenten (mensae academicae) angeregt. Einen weiteren Raum in den Beratungen nahm die Herausgabe einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland ein, die, ursprünglich von den süddeutschen Landesverbänden und dem Zentralverein Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens geplant, nun durch die Reichsarbeitsgemeinschaft zusammen mit dem Zentralverein durchgeführt werden soll. Als Herausgeber der Zeitschrift sind bestimmt die Herren Professor Dr. Elbogen (Berlin), Rabbiner Dr. Freudenthal (Nürnberg) und Professor Dr. Freimann (Frankfurt). Die Redaktion soll den Herren Dr. Raphael Straus (München) für Beiträge aus Süddeutschland und Dr. Friedländer (Berlin) für Beiträge aus Norddeutschland übertragen werden. Eine Reihe weiterer Fragen wurde einer demnächst einzuberufenden Sitzung Vorbehalten. Der Antrag Dr. Elias Straus (München), die künftigen Sitzungen durch Übersendung der Anträge mit Begründung vorzubereiten und so den Landesverbänden die Möglichkeit zu geben, vor der Sitzung zu l> HAUS DER QUALITÄT'SST OFFE 1 x /I i> i> N. STARK & Cib;! MÜNCHEN NÜRNBERG j 0 KARLSPLATZ 5 LUITPOLDSTRASSE 11 j