Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1928
- Issue
- 8 (15.8.1928)
- Article
- 47. Mitgliederversammlung des israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Date
- 1928-08-15
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
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18 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 8 Kunde, daß leider auch im vergangenen Jahre treue Mitglieder und Mitarbeiter des Vereins das Zeitliche segneten. Ihr Andenken wurde durch ein stilles Gedenken geehrt. Aber nicht nur traurige, auch freudige Ereignisse waren zu. verzeichnen. Strauß (Uffenheim), der „Ewig-Junge", der erst kürzlich seinen 70. Geburtstag in seltener Frische und Regsamkeit feiern konnte, wurden herzliche Glück- und Segenswünsche seitens des Vorstandes übermittelt, und unter allseitigem Jubel und Beifall der Versammelten teilte der Vorsitzende mit, daß Kollege Strauß, der als Ausschußmitglied zurückgetreten war, für 25jährige Zugehörigkeit zur Verwaltung, für die unschätzbaren Dienste und vor allem für die goldene Treue, die er allezeit Verein und Kollegen gegenüber bezeugt hat, zum Ehrenmitglied der Verwaltung ernannt wurde. Die Verlesung eines herzlichen Begrüßungsschreibens, das vom Präsidenten des Verbandes, Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer (München), eingelaufen war, sowie ein solches von Rabbiner Dr. Hanooer (Würzburg), der sein Fernbleiben entschuldigte, fanden freudigen Beifall der Versammlung. Unter allseitiger Zustimmung wurde der Vorsitzende ermächtigt, an Oberlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und Frau Oberlehrer Dingfelder (München), Telegramme zu senden. In die Welt der starren Zahlen führte der bewährte Kassenwart des Vereins, Hellmann (Würzburg). Wenn trotzdem — wie es einmal in der Natur dieser Dinge liegt — diesem trockenen Berichte die volle Aufmerksamkeit der Versammlung zuteil ward, so vor allem deshalb, weil die Zahlen ein günstiges Bild des Vereinsvermögens gaben. War auch dasselbe nach der Inflation auf den Nullpunkt herabgedrückt worden, so ließen wiederholte Aufwertungen das Vermögen auf die schöne Höhe von RM. 65.000.— ansteigen. Die Zinsen dieses Vermögens sollen alljährlich an Pensionisten, Witwen und Waisen zur Verteilung gebracht werden. Mit Befremden mußte es erfüllen, daß Kollegen dem Vereine den Rücken kehrten, weil ihnen der Jahresbeitrag zu hoch war und andere ausgeschlossen werden mußten, da sie ihren Lebensbedürfnissen nicht RM. 30.— abringen konnten bzw. wollten. Kassier und Verwaltung wurden unter herzlichen Dank seitens der Versammlung Entlastung erteilt. Im Mittelpunkt der Versammlung stand naturgemäß der Punkt „Die Lehrerbildungsfrage", über welche Stoll (Würzburg), referierte. Als berufener Fachmann behandelte der Referent das Thema von hoher geistiger Warte aus und wußte seine Ausführungen so interessant zu gestalten, daß die Versammlung mit vollem und ungeteiltem Interesse folgte. Es dürfte sich erübrigen, auf das auf selten geistiger Höhe stehende Referat einzugehen. Der Redner hat ja auch in seinen, in Nummer 12 der „Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung" schriftlich skizzierten Leitsätzen das wesentliche seines Referats mitgeteilt, und es bedarf vielleicht nur dieser Anregung an den Vorsitzenden des Vereins, dasselbe in Druck erscheinen zu lassend Die Frage selbst, die zur Behandlung stand, dürfte dazu wichtig und brennend genug sein, wird sie ja, wie man hörte, in allernächster Zeit den Verband beschäftigen. Ebenso wie das Referat stand auch die Debatte auf hohem geistigem Niveau. Wenn auch Freund Strauß (Nördlingen), in echt bajuwarischer Art unter vielseitiger Zustimmung der Versammlung in Bloßlegung der Schattenseiten des Internats und Oppenheimer (Laudenbach), der von dem Wachtmeister sprach, den er selbst einmal spielen mußte, manchmal harte Töne anschlugen, so waren die kraftvollen Ausdrücke, wie sehr richtig bemerkt wurde, doch unter Gänsefüßchen zu setzen. Es dachte eben jeder an seine eigene Studienzeit, und es läßt sich nicht leugnen, daß das Internat von damals nicht erziehend im guten Sinne wirken konnte. Im Wandel der Zeiten hat sich auch, wie Oberlehrer Stoll im.Schlußworte bemerkte. in dieser Beziehung vieles geändert, und die wirtschafllichs Seite darf dabei wirklich nicht übersehen werden. Übrigens werden heute in vielen Städten von Vereinigungen und Freunden der Mittelschulen Studienheime neu errichtet. Dr. Bamberger (Nürnberg) schürfte wie immer in die Tiefe; er wies wie der Referent auf die bisherigen Mängel der Lehrerbildung hin und zeigte, wie in fchulfacblicher und vor allem auch auf jüdisch-wissenschaftlicbem Gebiete Reformen anzustreben seien. Rabbiner Dr. Stein (Schweinfurt) glaubt den idealen Schwung der Vorredner zurückschrauben zu müssen, indem er für * Wird geschehen. (Die Schriftleitüng.) einen Teil der Religionslehrer einen früher abgeschlossenen Bildungsgang verlangt. Der Referent, der am Schluffe zu den verschiedenen Meinungen sachlich Stellung nahm, betonte mit Recht gegenüber den Ausführungen Dr. Steins, daß die finanziellen Belastungen nicht so ungeheuerlich gesteigert werden und für die kleinsten Gemeinden sich auch heute keine Lehrer finden. Man sollte eben dann Bezirksschochtim und Vezirkslehrer anstellen. Für den Jugendbildner, ob in der Stadt oder auf dem kleinsten Dorfe, muß der Grundsatz gelten, daß nur die beste und tiefgründigste Ausbildung gerade gut genug ist. Die Sonne hatte längst den Zenith überschritten, als noch einer der wichtigsten Punkte der Tagesordnung zu erledigen war, die Wahl des Vorstandes und der Verwaltung. Nach einer kurzen Debatte beschloß man, die Wahl des 1. Vorsitzenden gesondert in geheimer Abstimmung vorzunehmen. Das Ergebnis derselben war, daß R o s e n f e l d (München), der bisherige Schriftführer, zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Durch Zuruf wurde D r. Bamberg er (Nürnberg) zum 2. Vorsitzenden auserkoren. Beide Herren nahmen unter großem Beifall der Versammelten die Wahl an. In gleicher Weise wurden per Akklamation Adler (München) zum Schriftführer, H e l l m a n n (Würzburg), der es so trefflich versteht, das Geld aus der Tasche zu holen, wiederum zum Kassier und die bisherigen Herren der Verwaltung, mit Ausnahme von Strauß, der, wie bereits erwähnt, zurücktrat, wiederum zu diesen Ämtern gewählt. Das Ergebnis der Wahl läßt die bestimmte und zuversichtliche Hoffnung berechtigt erscheinen, daß die Belange der jüdischen Lehrer Bayerns von bewährten Führern vertreten und verfochten werden. Damit hatte die Tagesordnung ihr Ende erreicht; nachdem weitere Anträge nicht gestellt wurden, konnte der 1. Vorsitzende Rosenfeld (München) mit herzlichen Dankesworten für die rege Teilnahme, für die Empfangs- und Gebefreudigkeit, die trotz der lähmenden Hitze an den Tag gelegt wurde, die 47. Generalversammlung schließen. Möchte die geleistete Arbeit sich fruchtbringend auswirken für die jüdischen Lehrer selbst, ein reicher Segen werden für die jüdischen Gemeinden, für die Jugend und für das ganze Judentum! H. Weil (Hof). Personalien Hirschaid. Hauptlehrer Rau, der sich infolge Auflösung der jüdischen Volksschule seit einigen Jahren in zeitlichem Ruhestand befand, wurde nach Erreichung der Altersgrenze unter Anerkennung seiner Dienstleistung in den dauernden Ruhestand versetzt. Unser Vereinsmitglied, Kantor Krämer in Ansbach feierte vor kurzem den 70., Lehrer a. D. I. G e ß n e r in Rostock, früher in Hammel bürg, den 80. Geburtstag. Den beiden Jubilaren auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche! Oberlehrer S. Gutmann, Öttingen, der seit 30 Jahren an der dortigen israelitischen Volksschule wirkt, konnte am 1. August auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Zugänge zum Verein Die Junglehrer Neuberger (Niederwerrn), Lehrmann (Rimpar), Hönlein und Roberg (Höchberg) sind dem Verein als ordentliche Mitglieder beigetreten. Neujahrswunschablösung Wie bisher soll auch in diesem Jahre den Kollegen durch Einzahlung eines selbst zu bemessenden Betrages an unsere Hilfskasse Gelegenheit zur Ablösung der üblichen Neujahrsgratulationen cegeben werden. Damit die Enthebungsliste noch rechtzeitig vor dem Feste, das heuer auf den 15. September fällt, fertiggestellt und veröffentlicht werden kann, melden sich die Kollegen baldmöglichst unter gleichzeitiger Einsendung des Ablösungsbetraoes (Postscheckkonto Nürnberg 6479) zum Eintrag in die Enthebungsliste anmelden. Anmerkung der Schriftleitung: Bericht über die Einzahlungen und sonstiges Material konnte wegen Raummangel nicht mehr untergebracht werden. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.