Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1928
- Issue
- 8 (15.8.1928)
- Article
- 47. Mitgliederversammlung des israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Date
- 1928-08-15
- Page
- Seite 17 (sequence 1)
- Language
- German
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ßllilieilunM Des MMchen Lehrervemns für Sapem ' Schriftleitung: M. Rosenfeld, München 1928 München, 15. August Rr. 8 47. Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrervereins mr Dauern (Stimmungsbericht) Wieder rief die Vorstandschaft des Israelitischen Lehrervereins für Bayern zur Mitgliederversammlung nach Würzburg. Der Himmel, der seit Tagen Strahlen von tropischer Glut herniedersandte, machte das Reisen und ben Aufenthalt in engbegrenzten Zimmerräumen fast zur Qual. Aber Bayerns jüdische Lehrer scheuten weder Strapazen noch Unbequemlichkeiten, um nach Würzburg, der alten geliebten Mainmetropole zu kommen zur 47. Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern. Aus Nord und Süd, Ost und West waren sie herbeigeeilt, ja selbst die Vereine der Nachbarstaaten hatten nach dem „Lehrer- Musterländle" Bayern Vertreter entsandt. Sie alle waren gekommen, um mitzuraten und mitzutaten an den großen Aufgaben, die der Verein in den kommenden Jahren zu erfüllen hat. Wirklich nur deshalb? Nein, das überaus zahlreiche Erscheinen so vieler Kollegen, war wohl einem inneren Herzensbedürfnis entsprungen, dem leider allzufrüh Heimgegangenen Führer in einer besonderen Gedächtnisfeier Liebe, Treue und Dankbarkeit über das Grab hinaus zu bezeugen. Überhaupt stand die diesjährige Generalversammlung im Zeichen ernster Trauer. Und keine Zeit hätte einen würdigeren Rahmen abgegeben als die gegenwärtigen Trauerwochen „ben hamzorim". Die Verwaltung hatte bereits Sonntag nachmittag getagt und in rühriger Arbeit wichtige Vorbereitung für den kommenden Tag geleistet. Um 5 Uhr nachmittags begann in der erst vor einem Jahr neu errichteten wunderbaren, stilvollen Seminarsynagoge — deren innere Ausstattung allein schon andachtsstimmend wirkt — die Trauer- und Gedächtnisfeier für die gefallenen jüdischen Amtsbrüder, mit der die Enthüllung des errichteten Ehrenmales verbunden war. Ein Chorgesang unter der bewährten Leitung des Kollegen Hellmann (Würzburg), leitete die Feier ein und versetzte die Anwesenden in würdige Trauerstimmung. Dann bestieg Rabbiner Dr. Stein ans Schweinfurt die Kanzel und fiihrte die Zuhörer in formvollendeter, inhaltlich meisterhaft aufgebauter Rede zurück in die Zeit, da Deutschlands Söhne, und mit ihnen unsere jüdischen Helden, hinauszogen in den Kampf fürs Vaterland. Mit Recht wies der Redner darauf hin, daß Pflichterfüllung eine selbstverständliche Eigenschaft der Soldaten war. daß die jüdischen Soldaten und die Lehrerhelden vor allem darüber hinaus bewiesen, daß Lehre und Leben übereinstimmen sollen. „Hatten sie so oft der ihnen anoertrauten Jugend gegenüber, von Vaterlandsliebe, Treue, Pflichterfüllung bis zum Letzten gesprochen, im Felde bewiesen sie durch die Tat, durch Hingabe ihres jungen Lebens, daß das, was der Mund einst sprach, ihrem Herzen heilig war." Der geistvolle Redner führte des weiteren aus, daß es für die Freunde und Kollegen der gefallenen Helden nicht erst eines äußeren Zeichens der Treue und Dankbarkeit in Form eines würdigen Ehrenmales bedurft hätte; dieses Denkmal der Liebe ist in den Herzen bereits aufgerichtet, aber für die Außenwelt, vor allem für die nichtjüdische, für die Verleumder und Feinde, die auch im Angesicht des Todes die Wahrheit verleugnen, soll diese Gedenktafel Zeugnis oblegen, daß Judas Söhne im Allgemeinen, die jüdischen Lehrer Bayerns im Besonderen, ihre volle Pflicht erfüllten. Und als der Geistliche die Namen der 20 gefallenen Lehrerhelden verlas, da ging es wie ein heiliges Erschauern durch die Anwesenden. Leibhaft glaubten sie dieselben vor ihrem geistigen Auge zu sehen, die allzufrüh Vollendeten, die eine Zierde des Judentums und ihres Standes waren. Mit einem Gebet für das Seelenheil der Gefallenen schloß der Rabbiner seine Ansprache. Ein Sologesang: El mole rachamim, durch Bamberger (Kitzingen), wirkungsvoll zu Gehör gebracht, leitete über zu der eigentlichen Enthüllungsfeier der Gedenktafel in der Vorhalle der Synagoge. Die Enthüllung des Ehrenmales und seine Übergabe in den Schutz der Lehrerbildungsanstalt erfolgte durch Rosenfeld (München). In wohlabgewogenen, warmen Worten, die den Weg zu den Herzen der Anwesenden fanden, wies Rosenfeld als Beauftragter des Israelitischen Lehrervereins daraufhin, daß der Gedanke der Errichtung eines Denkmals von Dingfelder s. A. ausging, und keine geeignetere und würdigere Stätte hätte gewählt werden können, als die Alma mater, an welcher die meisten der gefallenen Helden ihre Ausbildung genossen hatten. Er sprach von Opfermut, Pflichtbewußtsein, Vaterlandsliebe der Gefallenen, Liebe und Treue der Lebenden. Die Tafel selbst, von dem Künstler Zadikow in München entworfen, bildet ein würdiges und künstlerisches Ehrenmal. Hierauf erfolgte die Übernahme des Denkmals durch den Leiter der Anstalt, Seminaroberlehrer Stoll, Würzburg. Herzliche Worte der Teilnahme fanden noch Kommerzienrat Rosenthal für die Israelitische Kultusgemeinde Würzburg, Rechtsanwalt Schloß für den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, Ortsgruppe Würzburg. Mit dem Chorgesang: Lochein somach libbi schloß die ernste und würdige Feier, an welche sich das Minchagebet anreihte. Am Abend trafen sich die meisten anwesenden Kollegen im Platzschen Garten zu einem gemütlichen und zwanglosen Beisammensein. Freunde, Kursgenossen fanden sich zusammen; Erinnerungen wurden wachgerufen, Berufserlebnisse ausgetauscht, an allen Tischen aber hörte man vom toten Führer Dingfelder seligen Angedenkens sprechen. Am Montag morgen pünklich 9 Uhr begann die eigentliche Mitgliederversammlung. Nachdem R o s e n f e l d (München) — in Vertretung des durch Krankheit verhinderten bisherigen 2. Vorsitzenden Ehrenreich (Nürnberg) — die Versammlung eröffnet und die Anwesenden, insbesondere die verehrten Ehrengäste und Vertreter von Rat und Tagung des Landesverbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden, der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg, der Nachbarvereine Baden und Hessen begrüßt hatte, begann als erster Punkt der Tagesordnung unter tiefer Ergriffenheit und lautloser Stille der Anwesenden die Gedächtnisfeier für den treuen Führer Simon Dingfelder seligen Angedenkens. Keiner war mehr berufen, die Persönlichkeit, den Jugendbildner, den Kollegen, den Juden und Menschen Simon Dingfelder noch einmal den Herzen der Anwesenden nahe zu bringen, sein Tun und Wollen zu zeichnen, wie Seminaroberlehrer Stoll (Würzburg). Hatte er doch Dingfelders reiche und große Arbeit, seinen geraden Charakter, sein goldenes Herz aus nächster Nähe, im Vereine, im Verbände, auf dem Gebiete der Schule kennen und schätzen gelernt. An dem Ausspruche Rabbi Jochanan ben Sakkais, daß ein lew tauw die beste menschliche Charaktereigenschaft sei, zeichnete er in meisterhafter Rede ein plastisches, lebensvolles Bild des überragenden toten Führers. Sichtlich tief ergriffen lauschten die Anwesenden und manch heimliche Träne entquoll den Augen ernster Männer. Und als Stoll am Schluffe — die Versammelten hatten sich inzwischen von ihren Plätzen erhoben — von Liebe und Dankbarkeit sprach, da entrang sich ein stillschweigendes Treugelöbnis den Herzen aller Versammelten: Dir Simon Dingfelder werden wir die Treue und Liebe über das Grab hinaus halten, indem wir in Deinem Sinne wirken und weiter arbeiten werden! Es wurde schwer, aus der Welt des überirdischen den Weg zu nüchterner Arbeit zurückzufinden, aber das Leben verlangt unerbittlich seinen Tribut, und die reiche Tagesordnung erlaubte nicht die Unterbrechung der Sitzung. Nachdem die Vertreter der verschiedenen Körperschaften und Verbände die Grüße und Wünsche ihrer Auftraggeber übermittelt hatten, erstattete Rosenfeld (München) den Geschäftsbericht des Vorstandes. Dieser Bericht war mehr als ein schematisches Aufzählsn der immensen Arbeit, welche die Vorstandschaft im letzten Halbjahr zu leisten hatte. In klaren, prägnanten Worten gab der Berichterstatter ein inhaltsreiches Bild von den Erfolgen, von den Verhandlungen und Ergebnissen mit dem Verbände 'und anderen Körperschaften, von dem Schriftwechsel im Verkehr mit den Kollegen usw. und zugleich Richtpunkte für wichtige Arbeiten, welche der Verein in allernächster Zeit zu leisten haben wird. Der Bericht gab