Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 14 (1.8.1928)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes bayerischer israelitischer Gemeinden in Bamberg am 17. und 18. Juni 1928
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 239 (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 239 frühester Jugend hier ausgewachsen sind. Die Einbürgerung ist Sache der Länder, nicht des Reiches. Wir müssen die hier geübte Praxis, der bayerischen Regierungsstellen als eine Härte und Ungerechtigkeit empfinden und werden nach Kräften dafür eintreten müssen, daß die Verwaltungspraxis in diesem Punkte sich ändert. Hinsichtlich des Keren Hajessod unterstütze ich für meine Person selbstverständlich wärmstens die Anregungen von Dr. Bamberger. Rosenzweig: Zum Antrag Jung, den Zuschuß für Siedelungszwecke zu erhöhen, möchte ich vorschlagen, zunächst 3000 RM. zuzuschlagen, wenn die Überschüsse dies gestatten, oder wenn das nicht möglich ist, aus den Zinsen des Landeswohlfahrtsfonds. Rechtsanwalt Jung erklärt als Antragsteller, daß er mit dem Borschlag Rosenzweig einverstanden ist. Rosenzweig: Aus die Anregung Dr. Bamberger (Nürnberg) wegen Förderung von palästinischen Siedelungen kann heute nicht eingegangen werden. Es ist dies eine Frage, die ohne Anhörung der Fraktionen nicht erledigt werden kann. Jedenfalls würde ich bitten, eine Beschlußfassung hierüber auszusetzen. Dr. Bamberger (Nürnberg): Wir sind dahin unterrichtet, daß in den beiden Fraktionen Block und Volkspartei Einigkeit darüber besteht, den Betrag zu genehmigen. Ich bin überzeugt, daß auch ein Teil der liberalen Fraktion sich für diesen Posten aussprechen wird, so gut das die israelitische Kultusgemeinde Bamberg ihrerseits getan hat. Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt schlägt vor, die Beschlußfassung bis morgen früh auszusetzen. I u st i z r a t D r. Erlanger: Es ist unmöglich, daß man heute die Fraktion zusammenruft, um eine Frage von so eminenter Tragweite zu prüfen. Wir haben nicht das Recht, in einer solchen Sache sogleich Beschluß zu fassen, es müßte dies für die nächste Tagung Vorbehalten bleiben. Oberstlandesgerichtsrat Prof. Dr. Silberschmidt stellt durch Abstimmung fest, daß der Antrag Dr. Bamberger bis morgen zurückgestellt wird und daß dann darüber zu verhandeln ist, ob er morgen verbeschieden werden oder auf die Tagesordnung der nächstjährigen Tagung kommen soll. Auch die Erledigung der übrigen Anträge Rosenzweig sowie der Resolution Brückheimer und die Beschlußfassung über den Etat wird auf den nächsten Vormittag vertagt. Er schließt darauf die Sitzung um 8 Uhr. (Fortsetzung folgt.) Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden e. V. Die Ziehung der Werllotterie zur Errichtung einer deutschen Lungenheilstätte für jüdische Männer und Knaben wurde endgültig auf den 26. September festgesetzt. Der Vertrieb der Lose ist nunmehr durch Entschließung des Staatsministeriums des Innern auch für Bayern gestattet. Für die Lotterie, die eine vordringliche Aufgabe des deutschen Judentums fördert und gleichzeitig die Möglichkeit kostbarer Gewinne eröffnet, sind Lose beim Wohlfahrtsamt der Israelitischen Kultusgemeinoe München, Herzog-Max-Straße 7/0, erhältlich. Iungmädchenheim Der Jüdische Frauenbund, Verband Berlin, Berlin N 24, Monbijouplatz 10, berichtet uns folgendes aus dem Mädchenwohnheim II, Auguststraße 17 (Studentinnenheim). Das Heim, das seit 1925 besteht und das einzige in Berlin bestehende jüdische Wohnheim für in der Ausbildung begriffene Mädchen ist, hat sich im vergangenen Jahre von zehn auf zwölf Plätze vergrößert. In der Zeit vom 1.4.27 bis 1.4.28 wohnten insgesamt zwanzig Mädchen im Heim, die sich zu folgenden Berufen vorbereiteten: Apothekerin (1), Bibliothekarin (1), Fürsorgerinnen (5), Haushaltungsschülerin (1), Heilgymnastik (1), Hortnerinnen (2), Kunstgewerblerin (1), Jugendleiterin (1), Laborantin (1), Lehrerin (1), Putzmacherin (1), Schneiderin (1), Studentin der Medizin (1), Studentinnen der Philologie (2). Der Pflegesatz beträgt bei voller Pension 80 RM. monatlich. Die Zimmer werden jeweils von zwei jungen Mädchen geteilt. Aus den zahlreichen Anfragen schließen wir, daß das Heim einem starken Bedürfnis entgegenkommt. Auskunft erteilt der Verband Berlin des Jüdischen Frauenbundes, Berlin Nr. 24, Monbijouplatz 10. Kus dem Verbände Würzburg. In Verbindung mit der Mitgliederversammlung des Israelitischen Lehrervereins für Bayern fand am 15. Juli in der neuerrichteten stimmungsvollen Synagoge der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt die Enthüllungsfeier einer Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Lehrer Bayerns statt, zu der sich neben zahlreichen Lehrern der Lehrkörper und die Schüler der Anstalt, Vertreter der Kultusgemeinde und der Ortsgruppe des Landesverbandes jüdischer Frontsoldaten eingefunden hatten. In einer tiefempfundenen Weiherede gedachte Bezirksrabbiner Dr. Stein (Schweinfurt), der für den abwesenden Rabbiner Dr. Hanover diese Funktion übernommen hatte, der zwanzig Helden, die in treuer Pflichterfüllung für Heimat und Vaterland gestorben sind. Ihre in das Ehrenmal eingerabenen Namen sollen gleich den Namen der jüdischen Märtyrer, an die die Gebete dieser Trauerwochen besonders erinnern, aus dem Gedächtnis der Nachwelt nicht schwinden. Die Enthüllung der Tafel, eine Schöpfung des Münchener Bildhauers Zadikow, erfolgte durch den inzwischen zum ersten Vorsitzenden des Vereins erwählten Hauptlehrer Rosenfeld (München), der darauf hinwies, daß die jüdische Lehrerschaft Bayerns durch die Errichtung des Denkmals der pietätvollen Gesinnung, die sie für ihre gefallenen Brüder im Herzen trage, einen sinnfälligen und künsüerisch beredten Ausdruck verleihen wolle. Er gedachte in verehrungsvollen Worten des so jäh aus dem Leben geschiedenen bisherigen ersten Vorsitzenden, dem das Werk in erster Linie zu verdanken ist; er sprach weiter all Gedenktafel für die gefallenen jüdischen Lehrer. MW mm liyfciiS&äi