Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 12 (1.7.1928)
- Article
- Protokoll der Verhandlungen der sechsten Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden in Bamberg
- Date
- 1928-07-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
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200 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 der nicht nur im Kreise seiner Berufsgenossen seit Jahren in uneigennützigster Weise gewirkt hat, sondern der auch bis heute dem Verbände seine ganze Kraft von Anfang an, von den ersten Stadien der Gründung an gewidmet hat. Schwer tragen wir den Verlust dieser Männer, schwer aber tragen wir insbesondere den Verlust unseres Ratsmitglieds Simon Dingselder, der kaum zu ersetzen sein wird. Sie haben sich zu Ehren der Verstorbenen von Ihren Sitzen erhoben. Ich danke Ihnen. Wir haben aber nicht nur traurige, wir haben auch freudige Ereignisse zu verzeichnen. Es ist eine große Freude für den Verband, daß Herr Rabbiner Dr. Freuüenthal in solcher Frische seinen sechzigsten Geburtstag feiern konnte. Wir freuen uns, nach den schweren Tagen, die er durchgemacht hat, ihm hier den Dank sagen zu können für all das, was er feiner Gemeinde, für all das, was er dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden, was er für den Rabbinerstand geleistet hat, vor allem aber, was er den Juden als Ganzem, was er unserem engeren und weiteren Vaterland geleistet hat. Wir danken ihm und hoffen, daß es ihm vergönnt ist, noch lange feine segensreiche Tätigkeit zu entfalten. Es ist uns die Ehre erwiesen worden, daß zu uns abgeordnet und erschienen sind die Vertreter der höchsten Behörden Bayerns. Ich begrüße Herrn Ministerialrat Mezger als Vertreter des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus. Er betreut seit Jahren unseren Verband und wir heißen ihn herzlich in unseren Reihen willkommen. Ich begrüße den Herrn Vertreter der Kreisregierung von Oberfranken, Herrn Oberregierungsrat Freiherrn v. Crailsheim, und ich begrüße Herrn Oberbürgermeister Weegmann, den Vertreter der Stadt Bamberg, dieser schönen Stadt, die uns gastlich in ihrer Mitte ausgenommen und es uns ermöglicht hat, in diesen wunderbaren, geschichtlich bedeutsamen Räumen zu tagen. Wir danken Ihnen, meine Herren, für Ihr Erscheinen, wir danken allen, die unserer Einladung zur heutigen Tagung Folge geleistet haben, und wir danken vor allem der Gemeinde, die es übernommen hat, die Vorbereitungen für diese Tagung zu treffen und sie so vorbildlich durchgeführt hat. Ich schließe, indem ich der Tagung einen guten Verlauf wünsche. Möge sie in die Reihe ihrer Vorgängerinnen würdig eintreten. Bayerisches^ Vereinsbank Niederlassungen an allen größeren Plätzen des rechtsrheinischen Bayern Die in letzter Zeit sich häufenden Einbruch-Diebstähle sollten jedermann veranlassen, Wertgegenstände aller i\rt nicht zu Hause zu behalten Stahlkammern Vermietung von Schrankfächern »Aufbewahrung geschlossener Depots MSI Ministerialrat Mezger: Hochverehrte Damen und Herren! Im Aufträge des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus entbiete ich dem Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu seiner Bamberger Tagung die besten Grüße und Wünsche für einen gedeihlichen Verlauf. Nach der Entwicklung des Verhältnisses des Verbandes zu den staatlichen Behörden darf sich der Verband versichert halten, daß das Unterrichtsministerium Ihrer Tagesordnung und deren Erledigung lebhaftes Interesse entgegenbringt. Es erhofft sich von den Beratungen nicht nur einen Fortschritt auf einem bewährten Organisationsgebiet, sondern auch innerliche Stärkung des Verbandslebens. Und nach den Erfahrungen, die ich durch Teilnahme an Ihren Verbandstagungen habe sammeln können, bin ich zuversichtlich, daß der reiche Beratungsstoff, der Ihrer harrt, von Ihnen im Geiste der gleichen zielbewußten Einmütigkeit erledigt werden wird, der die bisherigen Verbandstagungen ausgezeichnet hat. Angesichts Ihrer Tagesordnung lege ich aber Wert daraus, hervorzuheben, welche Genugtuung das Unterrichtsministerium gerade darin empfindet, daß der Verband aus bayerischen Verhältnissen herausgewachsen ist und es verstanden hat, in verhältnismäßig kurzer Geschichte eine gedeihliche Tradition zu schaffen und zu pflegen. So wichtig augenblicklich der Gedanke einer Reichsorganisation erscheinen mag, so möchte ich doch dem Wunsche Ausdruck geben, daß Aufbau und Zielsetzung der zu schaffenden Reichsorganisation es dem Verband ermöglichen, in Anknüpfung an feine eigene Tradition auch fernerhin die Belange des Judentums in Bayern zu betreuen. Daß die Bamberger Tagung auf diesem Wege dem Verbände eine weitere glückliche Entwicklung ermöglicht, ist mein herzlicher Wunsch. Das Vertrauen und die Anteilnahme der Unterrichtsverwaltung wird den Verband auf diesem Wege auch fernerhin begleiten. Oberregierungsrat Freiherr v. Crailsheim: Gestatten Sie, daß ich zunächst Ihrem Herrn Präsidenten den herzlichen Dank für seine freundliche Begrüßung, die er mir als Vertreter der Kreisregierung von Oberfranken zuteil hat werden lassen, zum Ausdruck bringe. Ich habe meinerseits die Ehre, Sie, meine Damen und Herren, namens der oberfränkischen Kreisregierung und namens Seiner Exzellenz des Herrn Regierungspräsidenten herzlichst zu begrüßen und im Kreis Oberfranken bestens willkommen zu heißen. Der Vertreter des Staatsministeriums hat bereits klargelegt, welchen Standpunkt die Staatsregierung Ihrem Verbände gegenüber einnimmt. Sie können überzeugt sein, daß die oberfränkische Kreisregierung das gleiche Interesse Ihren Beratungen entgegenbringt und Ihren Beschlüssen nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen Rechnung tragen wird. Sie haben ein reiches Beratungsfeld vor sich. Ich möchte aus den Beratungsgegenständen nur zwei mir besonders wichtig erscheinende herausgreisen, das ist die Siedelungsfrage und bie Wohlfahrtspflege. Die Siedelungsfrage ist wohl eine der wichtigsten Fragen, ich glaube, daß man wohl sagen kann, daß sie bis jetzt noch nicht in einem Sinne gelöst ist, der der Allgemeinheit enffpricht. Es wäre zu hoffen und zu wünschen, daß dies möglich wird. Von ganz besonderer Bedeutung sind die Aufgaben der Wohlfahrtspflege. Welche Bedeutung Sie selbst diesen Aufgaben beimessen, ergibt sich daraus, daß Sie zwei Beratungsgegenstände ihnen gewidmet haben. Bei der Not unseres deutschen Volkes, die sich nicht nur in den unteren Schichten, sondern auch in gebildeten Kreisen, die zu den verschämten Armen gehören, geltend macht, kann auf diesem Gebiete nicht genug geschehen. Ich muß dankbar auch meinerseits anerkennen, daß die israelitischen Gemeinden auf diesem Gebiete dank der Opferwilligkeit ihrer Glaubensgenossen Hervorragendes geleistet haben. Und ich möchte hoffen und wünschen, daß diese Beratungen einen Schritt nach vorwärts bedeuten. Lassen Sie mich schließen mit der Hoffnung und dem Wunsche, daß Sie einige frohe Tage in Bamberg verleben möchten. Sie haben schon dadurch Ihrer Tagung stimmungsvollen Ausdruck gegeben, daß Sie Ihre Beratungen im Kaisersaale der Resident eröffnet haben. Lassen Sie mich schließen mit dem Wunsche, daß Gottes Segen mit Ihren Beratungen sein möchte! Oberbürgermeister Weegmann: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Im Namen der Stadtverwaltung heiße ich die Teilnehmer an der Landestagung der Bayerischen Israelitischen Gemeinden auf das herzlichste in Bamberg willkommen. Diese Herzlichkeit muß sich naturgemäß verstärken, wenn ich erinnere, welchen Anfeindungen die Israeliten gerade auch in Bamberg in den letzten Jahren ausgesetzt waren. Nur zu oft ist an ein Wort von Bismarck erinnert worden: „Wer seine Ansicht mit anderen Waffen als denen des Geistes verteidigt, bei dem muß man