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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-01 · 12 (1.7.1928) · p. Seite 196

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
12 (1.7.1928)
Article
Die Gläubigkeit des jüdischen Menschen
Date
1928-07-01
Page
Seite 196 (sequence 4)
Language
German
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196 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Altenburg Im Midrasch Ialkut Schimoni wird erzählt, Gott habe seinem Diener Mose alle Schätze ewigen Lohnes gezeigt, die er für die Gerechten aufbewahre. Der eine war für die Wohltätigen bestimmt, der andere für die Ernährer der Waisenkinder und so fort. Endlich aber habe Mose noch einen Schatz gesehen, besten Bestimmung er nicht begriff: Gott aber habe ihm erwidert: „Dieser ist der Schatz meiner Gnade. Ich spende ihn freiwillig dem, den ich mit meiner Huld beschenke." Diese Erzählung ist uns ein Symbol dafür, daß der jüdische Mensch die Gnade nicht bloß als ein Entgelt für gute Taten auffaßt, sondern als ein freies Geschenk seines Gottes. Aber — wie wir schon sagten — der Kampf muß dem Zustand des Friedens vorangegangen sein. Ja, meist klingen die gewaltigen Akkorde der Überwindung noch nach, während schon die Harmonien des Friedens die Oberhand gewonnen haben. Leid und Kampf und Sehnsucht stehen noch im Hintergründe bei dem herrlichen Bekenntnis des Psalmiften: „Wenn ich auch wandere im finsteren Tale, fürchte ich nichts Böses, denn Du bist bei mir." Oder bei dem nicht minder schönen Psalmwort: „Vater und Mutter haben mich verkästen, aber der Ewige nimmt mich auf." Jedoch das Thema des menschlichen Leides klingt immer mehr ab, und schließlich herrscht die Stille der inneren Glückseligkeit, so wie sie im 62. Psalm geschildert wird: „Meine Seele ist still in Gott, denn von ihm kommt mein Heil." Hier ist der höchste Punkt der Gläubigkeit erreicht, der Friede in Gott. Wer ihn gewonnen hat, kann nicht mehr irregehen. Auch das härteste Schicksal kann ihn nicht zerbrechen, denn sein Leben ist im wahrsten Sinne in Gottes Hand. Einer der größten religiösen Schöpfer im Judentum der neueren Zeit, Rabbi Israel Baal Schem-Tow, hat für diese Wahrheit den reifsten Ausdruck gefunden. An die Worte der Schrift „Mit Gott ging Noah" knüpft er die Bemerkung: Noah hing Gott so sehr an, daß ihm jeder Schritt, den er tat, von Gott geleitet schien, als stünde Gott ihm gegenüber und setzte ihm die Füße zurecht, und führte ihn, wie ein Vater, der seinen kleinen Sohn das Gehen lehrt. Darum, wenn sich der Vater von ihm entfernte, wußte Noah: „Das ist, damit ich gehen lerne." Dieses Wort bedarf keiner Auslegung. Seine unvergleichliche Schönheit und Kraft kann man nur fühlen. Und wer sie fühlt, der weiß, wie die Gläubigkeit des jüdischen Menschen ihre höchste Vollendung findet. Ich darf mit der Hoffnung schließen, daß die Flamme des Glaubens, die in uns allen glüht, an dem heutigen bedeutungsvollen Tage noch heller aufleuchte und auch in den Arbeiten dieser hohen Versammlung ihre heiligende Kraft bewähre. vie lagung und ihre ergebnisse Wenn wir die letzte Tagung des Verbandes nochmals an unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen und sie auf ihr Wesentliches prüfen, so bleiben uns eine Reihe von nachhaltigen Eindrücken und Ergebnissen. Zunächst die Eröffnungssitzung im Kaisersaal der ehemals bischöflichen Residenz. Am Domberg oben liegt diese Residenz, dem Dome, einem der herrlichsten Meisterwerke deutscher Baukunst, gegenüber. Sie selbst, eine Schöpfung Dinzenhöfers, bildet mit Dom und alter Hofhaltung einen Platz von einer Geschlossenheit, die ihresgleichen in Europa sucht. Der Kaisersaal der Residenz, ein hoher, weiter, lichtdurchfluteter Raum mit festlichen reichen Fresken, die dem Saal seinen Namen gegeben haben, ist bis auf den letzten Platz gefüllt durch die fast vollzählig erschienenen Delegierten von Rat und Tagung und zahlreichen Angehörigen der Kultusgemeinde Bamberg. Von den maßgebenden amtlichen Stellen sind Vertreter erschienen. Ministerialrat Mezger überbringt die besten Wünsche des Bayerischen Staatsminifteriums für Unterricht und Kultus, Oberregierungsrat Baron von Crailsheim entbietet die Grüße der Kreisregierung von Oberfranken und des Herrn Regierungspräsidenten. Es werden warme Worte der Anerkennung gesprochen, Worte, denen man anmerkt, daß sie aus überzeugtem Herzen kommen. Oberregierungsrat Freiherr von Crailsheim weift auf den großen Opfersinn der israelitischen Glaubensgemeinschaft hin. Der Oberbürgermeister Weegmann wendet sich in tapferen, freimütigen Worten gegen Glaubens- und Raffenhaß und erklärt,

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