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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-07-01 · 12 (1.7.1928) · p. Seite 194

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
12 (1.7.1928)
Article
Die Gläubigkeit des jüdischen Menschen
Date
1928-07-01
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
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194 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Allegorische Darstellung der Kirche am Fürstenportal des Bamberger Domes fmy mm mm paSS? LLL Bedürfnis eines Mittlers und der Entschluß des Menschen, ein Diener des göttlichen Gebotes zu sein. Während des ganzen Verlaufes der jüdischen Geschichte bleibt dies der Uranfang aller Gläubigkeit. So beginnt der Schulchan Aruch die Darlegung des großen Komplexes der religiösen Gebote mit den Worten: „Der Mensch mache sich stark wie ein Löwe; er stehe früh auf am Morgen zum Dienste seines Schöpfers." Und so beten wir noch heute in unserem Morgengebet: „Zwinge unseren Trieb, daß er Dir dienstbar sei." Bei vielen Menschen, bei den meisten, wird diese untere Stufe der Gläubigkeit nicht überschritten. Sie bleiben bei der Bereitschaft zum Dienste stehen, sie möchten das Gebot erfüllen, desten heiligende Macht sie empfinden. Aber die Erfüllung bleibt im Menschlich-Unzulänglichen haften. Oft versagen die Kräfte, und die Sünde gewinnt die Oberhand; und nur selten erringt der gute Wille den letzten Sieg. Jedoch bleibt diesen Menschen das Verdienst, daß ihre Seele einmal erfaßt und entflammt war, daß sie wenigstens die Richtung auf die höchste Wahrheit genommen, wenigstens einmal den Entschluß gefaßt hatten, ihres Schöpfers gewärtig zu sein. Über dieser ersten Stufe der Bereitschaft erhebt sich eine zweite. Sie ist nur den schöpferischen Menschen eigen, denen, welche über ihr eigenes Verhältnis zur Gottheit hinaus die Entwicklung der Menschheit zum Göttlichen als ein absolutes Ziel erstreben. Dies sind die Menschen, in deren Seele ein meffianischer Funke gefallen ist, die sich gesendet fühlen, am Werden der Zukunft zu arbeiten. Sie sind nicht bei dem dumpfen Gefühl der Bereitschaft zum Dienste Gottes stehen geblieben, sondern sie haben Gotteserkenntnis gewonnen, und das heißt — um mit den Worten Jeremias zu sprechen — sie wissen, daß Gott Liebe, Recht und Gerechtigkeit auf Erden übt und daran Wohlgefallen hat. Um diese Ideale zu verwirklichen, setzen sie ihr Leben ein und kämpfen. Wir nennen also die zweite Stufe die des Kampfes für Gott. Den Inhalt dieses Kampfes bezeichnet der Prophet des babylonischen Exils mit klassischen Worten: „... blinde Augen zu öffnen, herauszuführen aus dem Kerker den Gefesselten und aus dem Gefängnishause die Bewohner der Finsternis." Das ist die Quintessenz der jüdischen Aufgabe: den Kampf für den Unterdrückten zu führen als einen Kampf für Gott. Hinter dieser Aufgabe steht die ganze messianische Sehnsucht Israels, die Hoffnung auf ein Reich des Guten, der Wahrheit und der Liebe. Barmherzigkeit ob des menschlichen Leides und Achtung vor der Würde des Menschen entfachen in der Seele des Juden den leidenschaftlichen Willen, die Menschheit aufwärts zu führen. Das ist das Reich Gottes, für das er kämpft. Das Reich Gottes wird also nicht nur als ein zukünftiger Zustand betrachtet, der sich einst am Ende der Tage erfüllen wird, sondern als eine Idee, die immer wirksam ist, immer verwirklicht wird und unserem Leben erst den Sinn gibt. Jeder Mensch kann in seiner kleinen Welt am Reiche Gottes Anteil haben, indem er für dessen Kommen wirkt und kämpft. So fragen die Weisen des Talmud: „Wer wird der kommenden Welt teilhaftig?" Und die Antwort lautet: „Wer hier schon lebt wie dort." Denn der Kampf für das Gottesreich ist nicht nur eine äußere, Allegorische Darstellung der Synagoge am Fürstenportal des Bamberger Domes '£3B®Rm '«gwfisspr yrwy t-s-C:

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