Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1928
- Issue
- 6 (15.6.1928)
- Article
- Simon Dingfelder
- Date
- 1928-06-15
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
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12 Mitteilungen des Israelitischen Lehrcrvereins für Bayern Nr. 6 meyer ein Referat angesagt hatte, sollte der Auftakt einer neuen Epoche werden. Die beiden Männer, die dann über ein Jahrzehnt in seltener Einmütigkeit zusammenarbeiteten, mußten abermals ihre Pläne und Hoffnungen um Jahre zurückstellen. Dqr entfesselte Weltkrieg brachte die kaum in Fluß gekommene Diskussion erneut ins Stocken und erst die Revolution schuf auch hier neue Grundlagen und damit auch den endlichen Erfolg. Was Dingfclder hierbei in seiner unermüdlichen Schaffenskraft geleistet hat, das wird ihm von seinen Kollegen nie vergeffen werden. Die denkwürdige Gründungsversammlung des bayerischen Gemeindeverbandes im April 1920 war ein Tag froher Zuversicht in den Zeiten schwerer wirtschaftlicher Not. Wer anders als unser Dingfelder konnte unser Vertreter im Rate des Verbandes sein. Er enttäuschte auch hier nicht. Die vornehme Art des Debattierens, die kluge Haltung in allen wichtigen Fragen, das Beiseiteschieben aller unwesentlichen Dinge verschafften ihm auch in diesem Kreise restlose Anerkennung und Erfolg. Wenn wir heute in Bayern geordnete Zustände haben, so danken wir es ihm und feiner nie erlahmenden Kraft. Nach der finanziellen Sicherstellung der jüdischen Beamten folgte einige Jahre später die Schaffung eines Beamtengesetzes und die Anerkennung der jüdischen Lehrer als Beamte des öffentlichen Rechtes. Auch hierbei hatte Dingfelder in hervorragender Weife mitgearbeitet. Die größte Genugtuung empfand er darüber, daß man ihm den Vorsitz in dem wichtigsten Ausschuß, dem Bewilligungsausschuß, übertrug; ein Zeichen dafür, wie man sein objektives Denken und Handeln wertete und zu schätzen wußte. Es war selbstverständlich, daß ein solcher Mann in seiner zielbewußten Tätigkeit nicht an den engen Landesgrenzen Halt machen würde. Die rechtliche, soziale und wirtschaftliche Lage der Lehrerschaft war nicht nur in Bayern schlecht. Die gleichen mißlichen Verhältnisie, ja zum Teil noch viel, viel schlimmer als bei uns, waren im gesamten Deutschen Reich zu finden. Der Zusammenschluß der jüdischen Lehrervereine Deutschlands war eine gebieterische Notwendigkeit, die Simon Dingfelder bereits in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeit erkannte, und die er vereint mit gleichgesinnten Kollegen energisch zu fördern suchte. Doch die Zeit war noch nicht reif für diesen Gedanken. Es bedurfte langer Jahre, bis auch hierin ein Wandel der Anschauungen bei der Mehrheit der Kollegen sich durchsetzte. Die Krönung des Gedankens erlebte er in den Dezembertagen vorigen Jahres, als zum erstenmal Deutschlands jüdische Lehrer in München versammelt waren. Nie bot ihm die Arbeit in der Schule allein Genüge. Sein lebhafter Geist, der alle Zusammenhänge erfaßte, erkannte, daß des Lehrers Wirksamkeit auch außerhalb des Bezirks der Schule zu suchen sei. Alle jüdischen Probleme durchdachte er und förderte sie, wenn dieselben mit seinen Anschauungen übereinftimmten. Von der Schule aus wirkte er ins große Leben und das Leben wußte er in Beziehung zu bringen zur Schule, so daß die Schule bei ihm den Mittelpunkt alles jüdischen Geschehens bildete. Das war die Grundlage seiner segensreichen, von Gemeinde und Eltern anerkannten Tätigkeit als Lehrer und Erzieher, die darin ihren beredten Ausdruck fand, als vor fünf Jahren die Regierung von Oberbayern ihm auf Ansuchen seiner Gemeinde den Titel „Oberlehrer" verlieh. Ein rechtes Sorgenkind war ihm unsere Unterstützungsstiftung. In den ruhigen Tagen der Vorkriegsepoche hatte er stets mit vielen anderen Kollegen reichliche Spenden ihr zugeführt und es denn auch verstanden, während der Inflationszeit durch seine Geschwister in Amerika reiche Mittel zu gewinnen. Die Übernahme aller Altpensi'oniften auf den bayerischen Gemeindeverband schuf auch hier eine zufriedenstellende Lösung; denn die Aufbringung der Mittel durch freiwillige Spenden gestaltete sich immer schwieriger. So konnten wir unter seiner Führung daran gehen, die Sammlungen für unsere Hilfskaste einzuftellen. Sämtliche Altpensi'onisten haben nun einen freiwillig eingeräumtcn Anspruch aus öffentlicher Kaffe; nicht zuletzt infolge der Fürsorge, die dieser treffliche Mann auch dieser Frage hatte angedeihen lassen. Simon Dingfelder ist nicht mehr. Zur ewigen Ruhe eingegangen ist ein wahrhaft edler Mensch, ein Mensch, der offen und geraden Sinnes auch im Kampfe nur die beste und reinste Waffe führte. Er war uns treu bis in den Tod. Das verpflichtet uns doppelt, fein Erbe zu wahren und in seinem Geiste weiter zu pflegen. Damit wollen wir ihm unseren Dank erstatten, der weit zurückbleibt hinter dem, was er für uns getan hat. Diesen Dank nimm entgegen, du treuer Führer und Freund! Durch mich sprechen dir diesen Dank aus alle, die mit dir gemeinsam schaffen durften und die du den rechten Weg geleitet; die Witwen und Waisen, denen du Freund und Vater gewesen; die Hilflosen, denen du beigestanden in den Tagen der Not. Du bleibst uns unvergeßlich. Unauslöschlich steht in unserem Herzen dein großer Name! Ehrenreich, Nürnberg, 2. Vorsitzender des isr. Lehrervereins für Bayern. 5ln Jst's wahr denn, was in sonn'gen Frühlingstagen Die Kunde kalt und kurz uns zugetragen. Nach Nord und Süd, im Osten und im Westen Von einem unsrer Liebsten, unsrer Besten? Jst's Wirklichkeit, hat es ein Traum geboren? Es klingt zu hart, zu schrill uns in die Ohren! Darf schwaches Hoffen, auf der Liebe Schwingen, Vielleicht noch mit dem bangen Zweifel ringen? Oh, könnte Liebe je das Schicksal meistern Und zu der Opfer schwerstem uns begeistern: Hier hätte sie Titanenkraft entfaltet Für den, der uns so jählings ist erkaltet. vingfelders 6rab Von Gram gebeugt, in stillem Weh zerflossen. Stehn wir am Grabe, das dich eingeschlossen. Bei Lenzespracht entglitten dir die Zügel, Die Maiensonne küßt' den frischen Hügel. Was du in engem wie in weitem Kreise An Saaten streutest auf der Lebensreise, Das wurzelt, knospet, blüht in kräft'gen Trieben, Ist uns als köstlich Erbe hinterblieben. 7 .in weiser Na: war hochgeschätzt im Lande, Er baute mit am bayrischen Verbände. Hoch ragt das Haus und herrlich anzuschauen, Bestaunt, beneidet rings in deutschen Gauen.