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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-15 · 11 (15.6.1928) · p. Seite 178

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
11 (15.6.1928)
Article
Beerdigung Simon Dingfelders
Date
1928-06-15
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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178 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 daß er ihnen dieses Opfer gebracht, daß er seine Lehre mit dem Leben besiegelt. Mögen sie als Männer diesem Beispiele der Pflichterfüllung folgen! Mit der Münchener Gemeinde trauern die Gemeinden des Landes. Die Pfälzer Gemeinden insbesondere haben mich beauftragt, ihrer Trauer hier Ausdruck zu geben. Diejenigen, welche die Geschichte der bayerischen Juden kennen, wissen, was die Denkschrift DingfelderS vom Jahre 1908 über die soziale Lage der israelitischen Lehrer in Bayern bedeutet hat. Es war eine epochemachende Urkunde in der Geschichte der bayerischen Juden, die wirtschaftliche Lage der Lehrer wurde hier in erschütternder dargelegt. Von 125 Lehrern hatten im Jahre 1910 fünfzig einen Gesamtjahresgehalt von weniger als 1000 Mark und nahezu 80 Prozent waren nicht pensionsfähig. Die Staatsregierung stellte uns in ernster Weife das Unwürdige dieser Verhältnisse vor Augen und die großen und mittleren Gemeinden gingen daran, eine Landeskasse zum Ausgleich der dringendsten Not für die kleineren Gemeinden und ihre Beamten zu schaffen. Als dann mit dem Inkrafttreten der neuen Reichs- und Landesverfassung im Jahre 1919 die Religionsgesellschaften ihre Angelegenheiten selbständig ordneten, da war die Bahn freigegeben, die Verhältnisse unserer Gemeinden neu zu regeln und so hat Dingfelder im April 1920 mit uns den Verband bayerischer israelitischer Gemeinden gegründet, der sich nunmehr als die öffentlich-rechtliche Vertretung der Juden in Bayern darftellt. Dingfelder hat durch seine Zahlen den Unterbau für die Arbeiten des Verbandes geliefert und er ist alle diese Jahre hindurch sein treuester Berater geblieben. Dingfelder besaß durch alle die Jahre das Vertrauen seiner Standesgenossen in seltenem Maße. Niemals aber hat er ihre Interessen über das Wohl der Allgemeinheit gestellt. Ihm ist ein seltenes Glück zuteil geworden, das schönste Glück, das einem denkenden und sittlich hochstehenden Mann zuteil werden kann, daß er mit der ihm persönlich gestellten Aufgabe die Aufgaben der Allgemeinheit erfüllen konnte. Dingfelder war mir persönlich ein lieber Freund und Kollege, er ist mir jederzeit und unter allen Umständen zur Seite gestanden und bat mir die Treue bewahrt. Dafür danke ich ihm an dieser Stelle. Das Leid der einzelnen fügt sich zusammen zum Leid der Gesamtheit, die das Gedächtnis dieses Mannes für alle Zeiten Hoch- Halten wird, des Mannes, der so reiche Liebe von sich gegeben und wieder erhalten hat, der Lehre und Leben in harmonischen Einklang vereinigt hat, dessen Namen in der Geschichte der bayerischen Juden verankert ist. Möge sein Andenken an uns gesegnet sein! Herr Hauptlehrer Ehrenreich (Nürnberg) schilderte dann in bewegten Worten die Verdienste des Entschlafenen um den bayerischen israelitischen Lehrerverein. „Simon Dingfelder, Vater und Führer seines Standes!" Seit 1899 war Simon Dingfelder Verwaltungsmitglied, von 1913 — 1920 Schrift- Münchner Illustrierte Die große Bklderfchau der Woche erscheint jeden Samstag Einzelnummer 20 pf. Im Abonnement monatlich 80 pf. Süddeutsche Sonntagspost Das amüsante Familienblatt mit Lebens- und Unfallversicherung. Leben bis zu NM. 600.—, Unfall bis zu NM. 10000. —. Monatlich eknschl. Versicherung NM. 1.— probenummern stehen auf Wunsch gerne zur Verfügung Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München Sendlingerstraße 80 führer und von 1920 bis zu seinem Heimgang 1. Vorsitzender des Vereins. Für das Jüdische Lehrerseminar in Würzburg, dessen Verwaltungsmitglied Dingfelder seit drei Jahren war, sprach Herr Seminaroberlehrer Stoll; im Namen des Bayerischen Lehrervereins, zugleich auch für die Klenzefchule Herr Hauptlehrer Schreiber, ein weiterer Lehrer für die Schule an der Stielerftraße. Aus den Worten dieser beiden letzten Redner konnte man die Wertschätzung erkennen, mit der man auch in christlichen Lehrerkreisen dem Verblichenen begegnete. Man sah in Dingfelder auch in diesen Kreisen einen vorbildlichen Lehrer, Menschen und Kollegen. Herr Hauptlehrer Krämer (Speyer) widmete dem Entschlafenen einen tiefgefühlten Nachruf im Namen des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine, dessen zweiter Vorsitzender Dingfelder war. Für den Centralverein sprach der Vorsitzende der Münchener Ortsgruppe, Herr Sanitätsrat Dr. Baron. Er.rühmte die stete Kampfbereitschaft DingfelderS, wenn es galt/ Angriffe gegen das Judentum, besonders auf dem Gebiet der Schule/ abzuwehren. Die Münchenloge gab durch Herrn Iuftizrat Dr. Fränkel ihre Trauer für den Heimgegangenen Beruder kund; Ernst Silberschmidt, ein ehemaliger Schüler DingfelderS, widmete dem Verblichenen einen Nachruf im Namen aller, die das Glück hatten, von Dingfelder unterrichtet zu werden. Mit bewegter Stimme rief Oberlehrer Gutmann seinem verblichenen Jugendfreund einen letzten Gruß zu, dann ergriff Herr- Rabbiner Dr. Finkelscherer im Aufträge der Kultusbeamten der Münchener Gemeinde das Wort zu einem längeren, tiefgefühlten Nachruf. Ein Lied des jüdischen Gesangvereins beschloß die Feier. Unter Vortritt der Schuljugend wurde der Sarg zum Grabe getragen. — Simon Dingfelder wird unvergessen bleiben. F. O. Rheinlandtagung des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Köln, als Stadt der „Pressa" von zahlreichen Organisationen zum Tagungsort auserkoren, sah die Rheinlandtagung des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in seinen Mauern. Aus dem ganzen Rheinland und weit über seine Grenzen hinaus waren viele hundert Teilnehmer erschienen. Die Arbeitstagung wurde durch eine als Morgenfeier gestaltete, überaus eindrucksvolle öffentliche Kundgebung in der Kölner städtischen Oper eingeleitet, die weit über tausend Personen füllten. Der Vorsitzende des gastgebenden linksrheinischen Landesverbandes des Central-Vereins, Bernhard Feilchenfeld (Köln), konnte in seinen Begrüßungsworten eine große Reihe Vertreter der staatlichen, städtischen und Justizbehörden, darunter den Kölner Polizeipräsidenten B a u k n e ch t und den Landesgerichtspräsidenten Dr. K u t t e n k e u l e r, willkommen heißen. Das Präsidium des Central-Vereins war durch seinen ersten Vorsitzenden, Justizrat Dr. Brodnitz (Berlin), einen der Stellvertreter des Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin), und den Direktor des Central-Vereins, Dr. Ludwig Holländer (Berlin), vertreten. Von starkem Beifall empfangen, richtete sodann Justizrat Dr. Brodnitz voll innerer Ergriffenheit warme Worte des Dankes an die Festversammlung. Es sei eine Feierstunde, die wir auf rheinischem Boden begehen, mit dem auch die deutschen Juden eine mehr als anderthalbtausendjährige Geschichte verbindet. Wenn es eines Nachweises des Heimatrechtes der deutschen Juden auf deutschem Boden bedürfte, so genüge der Hinweis auf das Rheinland. Er erinnerte daran, daß vom Rhein her vor Jahrhunderten auf Grund von Verfolgung Juden nach dem Osten gewandert sind. Aber trotz der Verfolgungen in der Heimat ließen sich die Aus-

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