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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-15 · 11 (15.6.1928) · p. Seite 162

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
11 (15.6.1928)
Article
Der diesjährigen Verbandstagung zum Willkommensgruß!
Date
1928-06-15
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
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162 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 Westliche Gesamtansicht der Neuen Synagoge zu Bamberg »ÄH b m\ MM Mittelzeit den Ausdruck von der „Romantik des Martyriums" geprägt hat, so bedeutet das, aus der Entfernung von Jahrhunderten gesehen, eine Verklärung von freiwilligen und darum edlen Leiden im Lichte einer Idee. Die davon Betroffenen aber werden die erlittenen Glaubensverfolgungen weniger romantisch als schmerzlich empfunden haben. Nicht weniger als etwa hundertfünfunddreißig Seelen fielen in Bamberg — ganz unromantisch — dem von religiösem Fanatismus im Jahre 1298 im ganzen Frankenlande bis tief ins Bayerische hinaus entfesselten Sturm einer blutigen Judenverfolgung zum Opfer, Greise und Greisinnen, Jünglinge und Jungfrauen, erbarmungslos hingemordet oder verbrannt am 28. Juli 1298. Hugo von Tr imberg, der Magister und Schulrektor der Theuerstadt in Bamberg, datiert seine Dichtung „Der Renner" beim Abschluß derselben von dem Tage, „da die iuden in franke wurde geslage". Noch schmerzlicher womöglich waren die Opfer, die in den Jahren des Unheils 1349/50 die Pest, weniger die schwarze als die Seuche blinden Aberglaubens, in der Gemeinde forderte. Schmerzlicher und folgenreicher, weil es sich dabei um den Verlust des altererbten Heiligtums handelte, der Synagoge, die nebst dem Gemeindehause und vielen Privathäusern, deren Inhaber und Bewohner dem Würgengel des Verderbens anheimgefallen, in den Besitz des Bischofs überging und «in iauckem et bonorem Oei omnipotentis et augmentationem officii Divini“ in eine Marienkapelle verwandelt wurde. Die Erinnerung an dieses Gotteshaus, an dessen Stelle im Jahre 1470 eine neue größere Marienkirche erbaut wurde, seit 1874 die städtische Turnhalle (Iudengasse Nr. 1), hat bibliographisch ein kleines hebräisches Gebetbuch erhalten, das die Brüder des Dominikanerordens in demselben gefunden und im Jahre 1502 einem gelehrten Arzte in Nürnberg schenkten, aus dessen Besitz es in den der Fugger-Bibliothek und schließlich der bayerischen Staatsbibliothek in München (Ch. cod. 410) überging? Mit der im Jahre 1478 erfolgten Verbannung der Iuden aus Bamberg und dem ganzen Hochftift schließt zeitlich und inhaltlich die erste Periode unserer Ortsgeschichte. 3. Aus der neueren Zeit Die Heimatlosen suchten und fanden großenteils in Dörfern und auf Gütern des Reichs- und Landadels im Umkreis des Fürftbistums ein beiden Teilen willkommenes Asyl. Die Gesamtheit derselben nannte man zur Unterscheidung von den „stiftischen" die „ritterschaftlichen" Iuden. In der fürftbischöflichen Hauptstadt erscheinen Iuden wieder anfangs des sechzehnten Jahrhunderts, immer von neuem wie Wandervögel aus kaum gebautem Neste aufgescheucht durch Ausweisungsbefehle, die im Laufe des sechzehnten Jahrhunderts nicht weniger als viermal wiederholt wurden. In den unruhigen Zeiten des Dreißigjährigen Krieges kamen umgekehrt diese Luftmenschen auf der 1 Vgl. Gemeindezeitung 1927, S. 332, Spalte 2 unten. Innenansicht der Neuen Synagoge zu Bamverg EM K-

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