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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-06-01 · 10 (1.6.1928) · p. Seite 149

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
10 (1.6.1928)
Article
Jüdisches Leben in Augsburg
Date
1928-06-01
Page
Seite 149 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 10 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 149 bürg lebhaftem Interesse begegnen, das auch der Verband seinerseits zu würdigen verstand, als er vor einigen Jahren in den Mauern Augsburgs eine erfolgreiche Tagung abhielt. Daß die Bestrebungen, die auf die Schaffung eines Gesamtverbandes der deutschen Juden Hinzielen, sowie die Tendenzen innerhalb der Weltjudenheit: Palästinaaufbau, Krimkolonisation, Weltkonferenz für liberales Judentum — um nur einige der wichtigsten Brennpunkte jüdischen Geschehens zu nennen — mit Anteilnahme verfolgt werden, bedarf keiner näheren Ausführung. Was die Zukunftsaufgaben der jüdischen Gemeinde und mithin die Zukunstsmöglichkeiten jüdischen Lebens in Augsburg betrifft, so wird es in erster Linie immer wieder darauf ankommen, gegenüber Abbröckelungstendenzen innerhalb der Gemeinde eine einheitliche Front derer zu schaffen, die sich für ein gesteigertes jüdisches Leben auch in zukünftigen Zeilen verantwortlich fühlen. Zu dessen Verwirklichung bedarf es einer prinzipiellen Koordination aller Institutionen und Vereinigungen, die an einem stark entwickelten jüdischen Gemeinschaftsleben interessiert sind. Besonders die Pflege eines wachen und tätigen jüdischen Geistes innerhalb der Heranwachsenden Jugend und die nachhaltige Unterstützung aller solcher Bestrebungen muß eine der vornehmsten Aufgaben der Gemeinde sein. Es darf in diesem Zusammenhang die erfreuliche Tatsache vermerkt werden, daß der bisher nur mehr formell bestehende Jüdische Iugendverein im Herbst dieses Jahres eine energische und umfassende Reaktivierung erfahren wird, um wieder zu einem geistigen Mittelpunkt der gesamten jüdischen Jugend in Augsburg zu werden. Die jüdische Kultusgemeinde Augsburg hat im Vergleich zu den großen Zentren des deutschen Judentums, dessen Nöte und Kämpfe auch die ihrigen sind, gewiß eine mehr untergeordnete Bedeutung. Jedoch die numerische Begrenztheit der Gemeindearbeit hinsichtlich der Mittel und des Raumes braucht noch nicht eine solche des Lebens und des Geistes zur Folge haben. Denn gerade dieser Sachverhalt wird einer Intensivierung der zu bewältigenden Aufgaben in vielem recht förderlich sein. Auch an dem jüdischen Leben in Augsburg, Gegenwart und Zukunft überblickend, erfüllt sich die Wahrheit des Goetheschen Wortes: Wie fruchtbar ist der kleinste Kreis, Wenn man ihn wohl zu pflegen weiß! Zu unseren vildern Die abgebildeten Gegenstände stammen aus Bamberg. Bild 1 zeigt ein Thronschild, Arbeit eines auch sonst nachweisbaren Bamberger Meisters aus der Wende zum achtzehnten Jahrhundert. Die Ziermotive arbeiten mit spätbarocken Elementen, die Gestaltung mit ihrer zum fest geschloffenen Rechteck hinneigenden Form weist die im Norden Bayerns beliebte strengere Umrißbildung auf. Die Widmung auf dem kleinen Schildchen in der Mitte des . obersten durchlaufenden Streifens besagt, daß Esther, Frau d. R. Jonathan s. A., - sein gewaltsamer Tod möge von Gott geahndet werden! — aus Kronach im Jahre 1703 die Stifterin des schönen Stückes war. In Bild 2 zeigt sich ein zinnerner Purim- Teller, den die Gemeinde bewahrt. Die einfache Ätzung zeigt uns, Abbildung 1 wie die Volkskunst auch auf diese Dinge übergreift. Die drei ineinander verflochtenen Fische des Mittelkreises stellen ein allgemeines Symbol der Fruchtbarkeit dar, die hebräische Umschrift enthält mit dem Schlußteil des 22. Verses im 9. Kapitel des Buches Esther den Hinweis auf den Zweck des Tellers, die Gaben zur gegenseitigen Erfreuung an Purim aufzunehmen, und auch die Iahrzahl 1787. Ein im allgemeinen selten vorkommendes Mittel, der Gemeinde das sabbatliche „Gebet für die Obrigkeit" nyitsn inun vor Augen zu halten, finden wir in der Tafel, die Bild 3 wiedergibt. Sie stammt aus der Synagoge von Rekkendorf bei Bamberg und enthält den Namen des Grundherrn Abbildung 2

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