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Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern · 1928-05-15 · 5 (15.5.1928) · p. Seite 140

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Journal
Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1928
Issue
5 (15.5.1928)
Article
Konzert des jüdischen Kammerorchesters München
Date
1928-05-15
Page
Seite 140 (sequence 3)
Language
German
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10 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 5 besonders betont und heroorgehoben, „Ihre Kinder dürfen nicht dort bei Ihnen stehen, was Ihnen zur Darnachachtung hiermit mitgeteilt Diese Anordnung war ja doch nicht von Dauer. Das beweisen zwar nicht die Akten, wohl aber die in der Synagoge rechts und links der heiligen Lade ausgestellten kleinen Bänke für die Schuljugend, welche heute noch diesem Zwecke dienen. VI. Die Schulbibliothek Im Mai des Jahres 1856 wurde von dem praktischen jüdischen Arzte Dr. Binswanger dahier teils aus eigenen Mitteln, teils durch freiwillige Beiträge einzelner Gemeindemitglieder, besonders der Herren David und Tobias Bauer, der Grund zur Schulbibliothek gelegt. Dr. Binswanger stiftete hiezu einen Bücherschrank, entwarf Statuten, durch welche die Verwaltung der Bibliothek, die Ausleihordnung bestimmt und der dauernde Bestand der Bibliothek gesichert werden sollte. An der Spitze der Bibliotheksverwaltung stand das Direktorium, ihm zur Seite der Bibliothekar, d. i. der jeweilige Lehrer. Zur Erhaltung und Vergrößerung der Bibliothek sollte durch jährlich gesammelte freiwillige Beiträge ein „Kapitalstock" gegründet werden. (Fortsetzung folgt.) Pädagogischer Kongreß in Berlin Vom 12. bis 17. April tagte in Berlin ein pädagogischer Kongreß, der von 8000 Pädagogen, hauptsächlich Volksschullehrern, auch vielen Ausländern, besucht war. Mit dem Kongreß war eine Riesenschulausstellung verbunden, die den Besuchern ein eindrucksvolles Bild der „neuen Schule" gab und auch Fernerstehenden zeigte, welche Leistung mit dem Umbau der Volksschule geschehen ist. Die „Lernschule" ist abgetan ,die Kinder sollen in und durch die Schule die Gelegenheit haben, geistig und künstlerisch frei und selbständig zu werden. Um den Krieg zu begreifen, teilt sich z. B. eine Klasse einer Berliner Gemeindeschule in 7 Arbeitsgruppen. Sie sammelte Kriegsbilder, Karten, verschaffte sich eine Vorstellung Europas von 1914. Dann wurde gemeinsam über den Krieg gelesen, der Lehrer berichtete über Selbsterlebtes, der Bericht eines Vaters über das Leben hinter der Front wurde eingeholt. Als Kinder frugen bei Eltern und Verwandten nach, man besprach die Familienschicksale. Walter Flex' Bericht vom Tode des Freiwilligen Wurche wurde vorgelesen. Am Schlüsse schreibt ein Knabe für alle: „Ein schlechter Friede ist besser als der schönste Krieg." Ziel und Ausgabe der ganzen Bewegung faßte Kerschensteiner zusammen: „In allen Kulturstaaten der Alten und Neuen Welt vollzieht sich ein Wandel im Begriff Schule. Ihrem Ursprung nach war sie lediglich eine Stätte der Belehrung. Mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts setzte der Wandel ein. Die Notwendigkeit der Erziehung zur Gemeinschaft tritt in den Vordergrund. Damit werden an den Lehrer als Erzieher wesentlich erhöhte Anforderungen gestellt. Sobald der Lehrer Erzieher zum Gemeinsinn und zum sozialen Dienst sein soll, muß er selbst ein sozialer Geist sein. Pädagogische Liebe ist nichts anderes als Liebe zum werdenden „M e n - s ch en" im Kinde, d. h. zu dem Wesen in ihm, das ein Spiegel der geistigen Werte werden soll. Die Verfassung dieses Geistes ist zugleich eine religiöse Verfassung. Denn sie bedeutet Hingebung an ein Überindividuelles, Zeitloses, das alle geistigen Werte kennzeichnet. Nur muß dieses Überindividuelle, der Wert der Wahrheit, Gerechtigkeit, Güte, Sittlichkeit, Schönheit, Erlösung, in seiner ganzen Tiefe erlebt werden können." Freilich erhebt sich hier der Einwand, ob die Verallgemeinerung einer solchen aristokratischen Erziehung erwünscht sei. Die Wirtschaft brauche einen Menschen, der die Maschine bedient und dem kapitalistischen System dient und dem alles andere abzugewöhnen wäre. Gertrud B ä u m e r, die die Frage unter diesem Gesichtspunkte bespricht, hält trotzdem an der neuen Erziehung fest, weil der Gegenwartsmensch der freien Intelligenz bedürfe; die Gesellschaft der Gegenwart beruhe auf der anspruchslosen Koperation der vielen, die keine Sklaven sind. Weitere Vorträge befaßten sich mit der Auslese der Begabten, den Sonderschulen, der Landschule und dem Sport in der Schule. (Nach der Frkf. Ztg.) Personalien Hauptlehrer a. D. A. Strauß in Usfenheim, unser treubewährtes, verdientes Verwaltungsmitglied, feierte am 5. Mai seinen 70. Geburtstag. Dem lieben Kollegen, dessen Verdienste hier wiederholt gewürdigt worden sind, feien auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht. Ad meoh w'efrim schonoh! Die Religionslehrerstelle Haßsurt wurde dem Lehrer Lothar Stein, bisher in Baisingen (Württemberg), die Religionslehrerstelle A u b dem Lehrer Kammenmacher übertragen. Indexzahlen Nach den vom Statistischen Amt der Stadt München angestellten Berechnungen über die Lebenshaltungskosten betrugen für den Typ einer Münchener fünfköpfigen Durchschnittsfamilie, die vor dem Kriege (1913/14) rund 2450 Mark Jahreseinkommen hatte, die „Kosten des wichtigsten Lebensbedarfes" (Aufwand für Ernährung, Wohnung, Beleuchtung, Heizung) Anfang 1927 das 1.31fache und Ende 1927 das 1.35fache des Vorkriegsstandes. Die „Gesamtlebenskosten" (Aufwand für den wichtigsten Lebensbedarf, dann für Bekleidung, Verkehrsmittel, Körperpflege, Wirtschaftsgegenstände, Vor- und Fürsorge, Steuern, soziale Abgaben usw.) zeigten im allgemeinen dieselbe aufstrebende Richtung, und zwar in stärkerem Maße; sie betrugen zu Anfang 1927 das 1.39fache, zu Ende 1927 das 1.52fache des Vorkriegsstandes. Dabei darf man nicht übersehen, daß auch bei den „Gesamtlebenskosten" nur der notwendigste Bedarf berücksichtigt wird, Aufwendungen für kulturelle Güter, Bücher, Fortbildung, Kunst, Reisen usw. sind bei der Berechnung nicht mit einbezogen. Welcher Index würde sich wohl bei Berücksichtigung der Kosten für rituellen Haushalt und der Sonderaufwendungen des jüdischen Beamten für soziale Zwecke errechnen? Rabbiner-Seminar in Berlin Ein uns zugesandter Bericht des Seminars für 1925, 1926 und 1927 gibt ein betrübendes Bild der finanziellen Schwierigkeiten, mit denen das Institut wie alle ähnlichen Anstalten zu kämpfen hat. Während der Bericht für 1917 noch ein Vermögen von etwa 560 000 Mark Nachweisen konnte, beträgt dieses jetzt kaum mehr den zehnten Teil jener Summe. Dabei ist der Jahresbedarf von rund 99 000 Mark im Jahre 1925 auf rund 120 000 Mark im vergangenen Jahre gestiegen. Es gereicht dem deutschen Judentum zur größten Ehre, daß es für die Heranbildung eines geeigneten Rabbinernachwuchses solch bedeutende Beträge aufbringt, die um so beachtenswerter sind, als außer dem Berliner Seminar noch zwei weitere Anstalten für Ausbildung von Rabbinern bestehen, die gewiß einen mindest ebenso hohen Ausgabeetat zu bestreiten haben, wobei weiter zu beachten ist, daß nur etwa die Hälfte der Hörer deutsche Reichsangehörige sind. Von den Ausgaben entfallen etwa 50 000 Mark auf Gehälter, 18 000 Mark auf Stipendien. In dem Studienplan bzw. Vorlesungsverzeichnis fällt auf, daß für die pädagogische Ausbildung der Kandidaten lediglich eine einstündige, dazu nicht pflichtgemäße Vorlesung eines Studienrats über Religionsschulpädagogik vorgesehen ist. Nachdem der Unterricht zu den wesentlichsten Aufgaben eines Rabbiners zählt, der Rabbiner zudem häufig als Schulleiter wirkt oder ihm die Leitung eines ganzen Schulsystems obliegt, wäre ein vertieftes pädagogisches Studium der Rabbinatskandidaten gewiß nicht fehl am Platze. Einzahlungen im April 1928 Von: Adler, München 15.—, Eisfeld, München 15.—, Friedmann, München 7.50, Glaser, H., München 10.—, Glaser, S., München 30.—', .Rosenfeld, München 15.—, Blatt, Obbach 15.—, Lautmann, Frankfurt 15.—, Rosenwald, Frankfurt 15.—, Langstädter, Frankfurt 15.—, Steinern, Landau 30.—, Hammelburger, Mühlhausen 15.—, Wähler, Neustadt 15.—, Eldod, Höchberg 15.—, Hirnheimer, Höchberg 15.—, Liffgens, Rothenburg 15.—, Michel, Pirmasens 15.—, Ungenannt 50.—, Grünfeld, Heidingsfeld 15.—, Mandelbaum, Würzburg 15.—. Durch: Rosenfeld, München 100.—, Dingfelder, München 95.—. Würzburg, 1. Mai 1928. M. Hellmann. Bad Reichenhall. Die Restauration Marcowitz (Inh. Brandeis) gewährt Mitgliedern des Reichsverbandes jüdischer Lehrervereine 20% Nachlaß. Preiswerte Zimmer werden gerne besorgt. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.

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