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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-05-15 · 9 (15.5.1928) · p. Seite 134

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
9 (15.5.1928)
Article
Überreste von kanaanitischen Kulturen bei Jerusalem
Date
1928-05-15
Page
Seite 134 (sequence 6)
Language
German
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134 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 ben. Daß sich auch sichere Anzeichen vorfinden, daß solche nichtjüdischen, sondern kanaanitischen Kulte sich noch bis in die hellenistisch-römische Zeit erhalten haben. — Daraus können wir eben nur den einen Schluß ziehen, daß der reine, typisch-jüdische Monotheismus eine für die breite Masse zu hohe Weltanschauung war, um von ihr damals schon ganz erkannt und anerkannt zu werden! Diese ideale, mit allen Juda umgebenden Ländern im Widerspruch stehende Lehre war, vor allem in den ersten Zeiten ihrer Verkündung, zu hoch, um von den niederen Volksschichten begriffen zu werden, war eigentlich zuerst nur Eigentum eines kleinen, geistig sehr hoch stehenden Kreises, nämlich des der Propheten und ihrer Anhänger. Hugo Winkler hat von dem „harten, jüdischen Bauernschädel" gesprochen; dieser gerade hing am alten, Allgemein- Orientalischen; für ihn war und blieb sehr lange der über Zeit und Raum erhabene Gott noch unverständlich. Sein eigentlicher Gott war der „jüdische Baal", der durchaus denselben Rang wie die Baalim der Nachbarstaaten einnahm. Ja wir wissen aus den sich immer wiederholenden Klagen der Propheten, daß, wenn der „jüdische Baal" nicht gleich die Wünsche seiner Verehrer erfüllte, man sich durchaus nicht scheute, sich den Anderen zuzuwenden, sie um Hilfe anzugehen! — Das war vom Standpunkt der höheren Lehre aus natürlich falsch und abgöttisch, aber durchaus menschlich. Wir müssen bei der Beurteilung jener Verhältnisse nicht von unserem heutigen Standpunkt ausgehen; denn uns ist der wahre Gottesbegriff durch lange Generationen hindurch zu eigen geworden; ein räumlich, ja sogar zeitlich begrenzter „Gott" ist für uns ein Nonsens! Aber damals war man noch nicht so weit, und es ist deshalb auch durchaus keine Herabsetzung des alten jüdischen Volkes, wenn man seine Schwächen, besser gesagt, die primitiveren Stadien seiner Entwicklung zum höchsten Ideal ruhig zugibt! Im Gegenteil! Denn dadurch wird erst das Wirken und Wollen jener Männer, die für ihre Idee mit der ganzen damaligenWelt rangen, der Propheten, ins rechte Licht gesetzt! Auch können wir heute in jenem Kampf, in den Widerständen, die sie zu überwinden hatten, eine Fügung der Vorsehung erkennen. Wie ich es bereits angedeutet habe, wäre nach den Gesetzen menschlicher Entwicklung ihr neuer, höherer Glaube ohne jene Widerstände wahrscheinlich verflacht und untergegangen. Der Stamm, der im lockeren, guten Erdreich wächst, wird vom Sturm viel leichter entwurzelt, als jener, der in zäher Ausdauer seine Wurzeln in schmale Felsritzen zwängen muß, nun aber fest verankert steht! Jene Stürme, welche die Propheten manchmal sogar in ihrem Leben bedrohten, wie wir es aus der Bibel wissen, sind das höchste Lob für die zähe Kraft ihres im Felse verankerten Glaubens! Ohne ihre Stärke und Beharrlichkeit wäre der Menschheit nie das höchste ideelle und ideale Gut, der wahre Gottesbegriff, zugänglich geworden! — Jene, teils rohen, teils verwitterten, bescheidenen Felsbearbeitungen, die oft nur das geschulte Auge erkennt, aber sind die Zeugen jenes Ringens der Propheten. Der Glaube, der diese Idole schuf, mußte überwunden werden, um dem höheren, wahren Platz zu machen. Selbst von manchen abgöttischen Gebräuchen, die die Bibel nicht erwähnt, geben sie Kunde; und daher paßt auf sie das Dichterwort: „Wenn Menschen schweigen, werden Steine reden!" Ja reden — zum Ruhm der höchsten Idee, deren der Mensch fähig war und auch zum Ruhm ihrer Verkünder! Die bayerische Israelitische Oemeindezettung amtliches Organ der Semeinde Gemäß gemeinschaftlichem Beschluß der Verwaltung und des Ausschusses der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg wurde die „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" zum amtlichen Organ der Kultusgemeinde Augsburg erklärt. (Siehe auch Bekanntmachung im amtlichen Teil!) Damit ist ein wichtiger Schritt in dem weiteren Ausbau unserer Zeitung getan; denn der Titel „Bayerische Israelitische Gemeindezeitung" ist nicht nur eine Namensbezeichnung, sondern zugleich auch die Bezeichnung einer Aufgabe. Der Aufgabe nämlich, in ganz Bayern festen Fuß zu fassen, das Zusammengehörigkeitsgefühl und Verantwortungsbewußtsein der bayerischen Juden zu stärken, sie mit Stolz auf die Leistungen ihrer Glaubensgemeinschaft und mit Liebe zu den ewigen Wahrheiten ihres Glaubens zu erfüllen, den Sinn für ihre historische Vergangenheit zu wecken und einem gesunden Fortschritt den Weg zu bahnen, der Stärkung des Verbandsgcdankens zu dienen, ohne den die Geschicke der Iudenheit in Bayern beute nicht mehr gedacht werden können. Die Augsburger Kultusgemeinde blickt auf eine lange Vergangenheit zurück. Sollen doch schon vor Christi Geburt in Augs- Augsburg bürg Juden gesessen sein, wenn sich hierüber Genaues auch nicht ermitteln läßt. Die ältesten urkundlichen Berichte über die Augsburger Juden stammen aus dem dreizehnten Jahrhundert. In vielen Beziehungen ist die israelitische Gemeinde Augsburg anderen bayerischen Gemeinden zum Vorbild gewesen. Als besonders charakteristisch sei erwähnt, daß die Gemeinden in München, Ingolstadt, Nördlingen und anderen Städten von König Ludwig dem Bayern die Privilegien der Augsburger Juden verliehen erhielten, ein Beweis, daß das Recht der Augsburger Juden der damaligen Zeit als musterhaft galt. Aber auch in der neuesten Zeit hat es gerade die Israelitische Kultusgemeinde Augsburg verstanden, durch Tüchtigkeit, Fleiß und gemeinnützige Gesinnung ihrer Angehörigen die Anerkennung ihrer Mitbürger zu erringen. Gelegentlich der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden zu Augsburg im Februar 1926 erklärte Bürgermeister Ackermann, daß Augsburg dank dem überlegten Sinn seiner Einwohner und dank der Zusammenarbeit aller Schichten der Bevölkerung von der Gefahr der Rassenverhetzung niemals ernstlich ergriffen worden sei. Wie Pianohaus Kaim E FLÜGEL PIANO SH Ältestes fachmännisches'Geschäft am Platze Augsburg*Obstmarkt D 100a" Telephon 824 ■■

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