Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 7 (15.4.1928)
- Article
- Zur Geschichte der oberpfälzischen Juden [Rezension]
- Date
- 1928-04-15
- Page
- Seite 106 (sequence 3)
- Language
- German
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8 Mitteilungen des Israelitischen Lehrervereins für Bayern Nr. 4 Oberregierungsrat Blaß, Vorsitzender des schriftlichen Teils war Herr Kreisschulrat Emrrch, des mündlichen Teiles Herr Oberstudienrat Dr. Abb. Ein Teil der abzuhaltenden Lehrproben hatte Stoffe des israelitischen Religionsunterrichtes zum Gegenstände. Von den 8 Absolventen werden 3 den Jeschiwa-Kurs des Seminars besuchen, 2 haben bereits Anstellung (Fürth, Mainz), 3 stehen in Unterhandlungen mit Gemeinden. Für das kommende Schuljahr (Beginn 19. April) wird die VI. Klasse 10, die V. (jetzige IV.) voraussichtlich 12 Schüler zählen. Angemeldet zur Neuaufnahme in Klasse VI sind von Höchberg 10, von verschiedenen höheren Schulen 5 Schüler. Für letztgenannte wird vor Schuljahrbeginn eine Aufnahmeprüfung abgehalten gemäß den Bestimmungen der Prüfungsordnung für Lehrerbildungsanstalten. Die Besuchsziffer in Höchberg beträgt voraussichtlich für das nächste Schuljahr in Klasse III 16, in Klasse II 16, neugemeldet zum Eintritt in Klasse I sind 23 Schüler. Die Neuaufnahme in Klasse I wird jedenfalls die letzte fein, da mit Schuljahrbeginn 1929/30 in Bayern die Neuordnung der Lehrerbildung einsetzt und an Stelle der 1. Präparandenklafse die 1. Klasse einer Aufbauschule treten soll. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird das Lehrerkollegium des Seminars einen Zuwachs erfahren in der Person des Herrn Dr. Bernhard Bamberger, Sohn des Herrn Hauptlehrers Dr. Jfak Bamberger (Nürnberg). Personalien Fischach. Am Schabbos Chol hamoed verschied im Alter von 72 Jahren nach längerer Krankheit Kollege Kantor Leopold Dorfzaun. In Rödelmeier (Unterfranken) geboren, kam er in jungen Jahren schon als Gemeindebeamter nach Königshofen, amtierte 21 Jahre in der Gemeinde Schwanfeld und seit 1897 bis zu seiner Pensionierung am 1. Januar 1925 als Kantor und Schachet in Fischach. Als Kantor war Dorfzaun Autodidakt, und es ist erstaunlich, wie er als solcher — mit unverwüstlicher Stimme begabt — die traditionellen Gesänge beherrschte. In der Schechitoh war seine Meisterschaft anerkannt. An seiner Bahre sprachen Herr Distrikts-Rabbiner Dr. Neuwirch (Jchenhausen), in Berücksichtigung der Feiertagsstimmung und dem Wunsche des Verewigten entsprechend, kurze Worte des Dankes und des Abschieds; Herr Kollege Obeikantor Steinfeld (Augsburg) entledigte sich seines Auftrages, im Namen des Israelitischen Lehrervereins in Bayern dem langjährigen Mitglied letzten Gruß und Dank für dessen treue Michilfe abzustatten, in kurzen, treffenden Worten. Zuletzt rief noch der älteste Sohn dem geschiedenen Vater herzliche Abschiedsworte nach. Die Beerdigung sah eine zahlreiche Trauerversammlung, da nicht nur die israelitische Gemeinde vollzählig sich beteiligte, sondern auch eine überaus große Zahl von Freunden und Bekannten aus der übrigen Bevölkerung von hier und der Umgebung sich eingefunden hatte. Der Israelitische Lehrerverein wird dem treuen und für die Förderung seiner Wohlfahrtseinrichtungen stets eifrig bestrebten Mithelfer ein dauerndes ehrendes Gedenken bewahren. F. Seltene Ehrung Unser Verwaltungsmitglied, Hauptlehrer a. D. Abraham Strauß in Uffenheim, wurde vor kurzem unter Überreichung einer künstlerisch ausgestatteten Ehrenurkunde zum Ehrenmitglied des Bezirkslehrervereins Uffenheim (Gruppenverband des Bayerischen Volksschullehrervereins) ernannt. Der Bezirkslehreroerein hielt aus diesem Anlasse eine besondere Festsitzung ab. Gleichzeitig wurde dem Geehrten auch die Anerkennung des Kreisvereins Mittelfranken für feine langjährige, treue und hingebends Mitarbeit im Bayerischen Lehrerverein ausgesprochen. Wir geben von diesen Vorgängen umso lieber Kenntnis, als wir in ihnen zugleich ein Zeichen dafür erblicken, daß in einer Zeit, in der sonst allenthalben Gegensätze und Trennungspunkte in den Vordergrund gerückt werden, doch auch ideale Arbeit im Dienste des Ganzen und wahrhaft kollegiales Zusammenwirken ihre Würdigung finden. konservative Vereinigung In der jüngst stattgehabten Delegiertenversammlung der Jüdischen Konservativen Vereinigung wurde für die Vezirksgruppe Rhein- Main ein Komitee gewählt, in das bei 40 Mitgliedern 13 Lehrer, darunter auch mehrere bayerische, berufen wurden. Hoffentlich wird durch die Mitarbeit so zahlreicher Lehrer die Aktionsfähigkeit des Komitees nicht beeinträchtigt. Bücherschau Dr. Julius Höxter. Quellenlesebuch zur jüdischen Geschichte und Literatur. 2. Teil (Spanien). Verlag: I. Kauffmann, Frankfurt am Main. Dem im Vorjahre erschienenen 3. Teil dieses Werkes, der die Geschichte der Juden in Deutschland, Frankreich und Italien im Mittelalter umfaßt, ist nun der 2. Teil mit reichem Material zur Geschichte und Literatur der Juden in Spanien gefolgt. Wir haben alle Ursache, dem Verfasser für seine wertvolle Arbeit zu danken, durch die er bei richtiger methodischer Behandlung eine schätzenswerte Handreichung zur Belebung und Vertiefung des jüdischen Geschichtsunterrichts, bietet und durch Hinführung zu den Quellen Gelegenheit gibt, dem Schüler ein Verständnis für das Werden geschichtlichen Lebens zu verschaffen. Es ist nur zu wünschen, daß das Werk Dr. Höxters, das voraussichtlich mit Beginn des neuen Schuljahres in den Religionsklassen der hiesigen Mittelschulen zur Verwendung kommen wird, auch in recht vielen anderen Schulen Eingang finden möge. Hans Brandt, Der Staat und die Juden. Verlag: Königsberger Hartungsche Zeitung- und Verlagsdruckerei. Preis RM. 2.—. Gestützt auf reiches geschichtliches Material zeigt der Verfasser vorliegender Broschüre, wie die Juden trotz ihrer verfassungsmäßigen Gleichberechtigung immer wieder in eine Ausnahmestellung gedrängt wurden. In staatsbürgerlicher wie allgemein rechtlicher Hinsicht, im Verwaltungs-, Lehr- und Militärdienst blieb den Juden die Gleichstellung versagt. Wenn auch das Schriftchen in erster Linie die Lage in Preußen behandelt, so bieten sich doch reichliche Parallelen und Hinweise auf die ähnlich gelagerten Verhältnisse in anderen deutschen Ländern. Rückhaltlos wird man dem Schlußwort des Verfassers zustimmen müssen: „Jeder Antisemitismus ist sowohl eines christlichen als auch eines republikanischen Staates unwürdig; er wandelt die Zivilisation in Barbarei. Die Zeit, die den Juden anders wertete als jeden sonstigen Staatsbürger, muß dahin sein." Die in frischer, ansprechender Form geschriebene Broschüre verdient als wertvolles Aufklärungsmaterial weiteste Verbreitung. Encyclopaedia Judaica Wie uns mitgeteilt wird, ist die „Ewer"-Buchhandlung (München, Ottostvaße) in der Lage, dieses Werk den Kollegen zu besonders günstigen Bedingungen (hoher Rabbat, bequeme, monatliche Teilzahlungen) zu liefern. Die Anschaffung dieses „Standard"-Werkes ist besonders jüngeren Lehrern aufs wärmste zu empfehlen. Aus praktischen Gründen wären gemeinsame Bestellungen durch die Leiter der Bezirksvereinigungen angezeigt. Einzahlungen im März 1928 Von: Pollack, Marktbreit RM. 7.50; Neumann, - Feuchtwangen 10.—; Fulder, Treuchtlingen 15.—; Strauß, Windsheim 5.—; Gutmann, Ottensoos 20.—; Gutmann, Nürnberg 20.—; Nofenwald, Frankfurt a. M. 25.—; Regensburger, Kriegshaber' 15.—-; Blumenthal, Neustadt a. d. A. 30.—; Bamberger Dr., Nürnberg 30.—; Bein, Nürnberg 15.—; Rosenberger, Hammelburg 30.—; Steinhäuser, Höchberg 30.—; Lion, Grünstaüt 30.—; Baracker, Mosbach 15.—; Fränkel, Erlangen 15.—; Kahn, Krumbach 12.—; Marx, Nürnberg 15.—- Haymann, Rodalben 21.—; Stein, Verolzheim 45.—; Fuchs, Cronheim 15.—; Wiedmann, Landau 15.—; Mannheimer, Dettelbach 15.—; Buttenwieser, Hamburg 20.—; Brückheimer, Marktbreit 15.—; Ochsenmann, Frankfurt a. M. 25.—; Kissinger I., Frankenwinheim 15.—. Durch: Dr. Bamberger, Nürnberg RM. 150.—; Gutmann, Öttingen 10.—; Ochsenmann, Frankfurt a. M., 5.—. Würzburg, 1. April 1928. M. H e l l m a n n. Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: M. Rosenfeld, München.