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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1928-04-01 · 6 (1.4.1928) · p. Seite 90

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
4 (1928)
Issue
6 (1.4.1928)
Article
Geschichtliches vom ehemaligen Markt und der nunmehrigen Stadt Ichenhausen
Date
1928-04-01
Page
Seite 90 (sequence 3)
Language
German
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90 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 ihre Aufnahme in die Staatsgesellschaft gewährt wurde. Das galt auch von den Juden. Am 7. April 1824 leisteten die Schutzjuden Jchenhausens ihren Eid. Mit der Ortsherrschaft gab es beständig Streit bald über diese bald über jene Grundrentenoerweigerung, bis es schließlich zu einem förmlichen Prozesse kam (1829), der sich zehn Jahre hinzog. Inzwischen hatte die Regierung 1831 das Versprechen gegeben, die Gesetze über die Verhältnisse der jüdischen Glaubensgenossen zu revidieren. Als dies nicht geschah, wandten sich die Juden 1846 in ausführlichen Bittschriften zur Aufhebung aller Ausnahmegesetze an den Landtag. Ein im Jahre 1849 eingebrachter Regierungsentwurf gestand den israelitischen Staatsangehörigen fortan im ganzen. Umfange des Königreiches bei gleichen Pflichten auch gleiche staatsbürgerliche und bürgerliche Rechte mit den christlichen Staatseinwohnern zu und hob alle entgegenstehenden Bestimmungen früherer Gesetze und Verordnungen auf. Dieser Entwurf wurde zwar von der zweiten Kammer angenommen, von der Reichsratkammer aber wurde er am 16. Februar 1850 abgelehm. Der Prozeß zwischen der Gutsherrschaft und Judenschaft in Jchenhausen, in welchen die ganze politische Lage hineinspielte, endete mit einem Abgaben-Moderations-Vergleich (dem zweiten) in Augsburg am 9. Januar 1839, der Vertrag wurde im Protokoll des Landgerichts Günzburg am 29. Januar 1839 protokolliert und vom Königlichen Staatsministerium in München am 11. März 1840 ratifiziert. Beide Teile hegten den Wunsch, den langjährigen Streit, der beim königlichen Oberapellationsgericht schwebte, durch einen Vergleich zu beendigen. Die Juden hatten hiezu ermächtigt den Aron Schwab, Samuel Neuburger, Leopold Hirsch und Daniel Einstein. Der Rezeß von 1717 war zu gründe gelegt, wobei aber die Judenschaft auf den Fall, daß infolge der Zeit die israelitischen Glaubensgenossen im Königreiche Bayern sich gesetzlicher Emanzipation, d. h. völliger Gleichstellung mit den Bekennern der christlichen Konfession zu erfreuen hätten, sich in dieser Beziehung ihre Rechte vorbehielt, jedoch mit dem Zusatze, daß dieser Vergleich aus alle 15 Jahre von heute ab gilt. In diesem Vergleiche waren die Abgaben der Israeliten an die Gutsherrschaft bestimmt. Jeder verheiratete oder ansässige Jsraelite hatte jährlich zu bezahlen a) Grundzins 2 fl., b) Feldfrohn in Geld reluirt 3 fl., e) Küchengefälle 1 fl. 15 Kr., d) Herbergsgeld 2 fl., in ganzen 8 fl. 15 Kr. Nach dem Ablösungsgesetz vom 4. Juni 1848 siel das Herbergsgeld weg, so daß nur mehr 6 fl. 15 Kr, zu bezahlen waren. Jedes Haus, auch 1k, i/s, Vt, 7« Häuser, hatten das gleiche zu zahlen. Witwen zahlten bis zur Wiederverheiratung die Hälfte. Aus jedem zehentbaren Acker war der Zehent oder das fixierte Großzehentgeld zu entrichten. Die Erhebung der jährlichen Rechnungsgelder sollte geschehen wie früher in vier Quartalen, Sebastian, Georgi, Bartholomä und Martini. Der Vergleich sollte auch für die Nachfolger gelten — es war nur mehr einer. Die Israeliten mußten zugeben: Der Vertrag ist nicht Ausfluß der Leibeigenschaft, steht auch nicht im Widerspruch mit den in Bayern dermalen geltenden Gesetzen, sondern in Anerkennung des mehr als hundertjährigen Besitzes der Herrschaft. Gustav vom Stain verkaufte 1854—1858 seinen Jchenhauser Besitz. Was der Prozeß und das große Revolutionsjahr 1848 nicht geändert hatte, das änderte das Gesetz vom 3. Juli 1869, das alle noch bestehenden Beschränkungen der bürgerlichen Rechte der Israeliten beseitigte. Die Israeliten bilden mit den Christen seitdem eine polittsche Gemeinde, von dieser getrennt besteht ihre Kultusgemeinde und das Rabbinat, das von den ehedem elf Rabbinaten in Schwaben neben jenem von Augsburg verblieb als Distriktsrabbinat Jchenhausen. Bus dem Verbände Fürth. Die Ortsgruppe Fürth des jüdisch-liberalen Vereins trat am Abend des 23. d. M. im Berolzheimerianum nach längerer Pause wieder einmal mit einem Vortrage an die Öffentlichkeit. Der Vorsitzende, Distriktsrabbiner Dr. Behrens, wies in seinen einleitenden Worten auf die Ziele und Aufgaben des Vereins für das religiös-liberale Judentum hin und erteilte dann nach Begrühungsworten an die Versammlung und an den Redner de? Abends diesem selbst das Wort. Es war der Generalsekretär der Liberalen Vereinigung für Deutschland e. V., George G ö tz, Berlin, der nunmehr über das „Liberale Judentum und der Zeitgeist" sprach. Er zeichnete in einstündigem Vortrag streng sachlich und mit bemerkenswertem Elan das Werden des religiös-liberalen JudenhviACAn der Studiendirektor des Frankfurter Philanthropie, schreibt über die neue Zeitschrift für die jüdische lugend DAS ZELT in einem Brie! vom 15. März 1928 .... J .. spreche ich Ihnen meine volle Zustimmung zu Ihrem Unternehmen aus. Das Programm ist mir sympathisch und auf Grund der mir vorgelegten Hefte kann ich die Zeitschrift „Das Zelt" der lugend vorbehaltlos empfehlen." Und wie urteilt die Jugend selbst! (nur eine Stimme anstatt vieler) R. St., Bad Nauheim, in einem Brief an die D Redaktion des „Zelt" vom 22. März 1928 # „Sobald eine Zeitung ersdieinf, stürze ich mich mit aller Gier darauf, darum wird die Freude mit ihr immer größer." Das Aprilheft enthält neben zahlreichen Erzählungen und Artikeln über das Pessachfest wieder ein Preisausschreiben, sowie eine Ankündigung über Bücherprämien für Abonnentenwerbung! 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