Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 3 (15.2.1928)
- Article
- Dybuk
- Date
- 1928-02-15
- Page
- Seite 42 (sequence 4)
- Language
- German
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42 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 3 Das Gericht beschließt: So spreche Sender sein Leben lang den Kaddisch für Nissan und seinen unglücklichen Sohn; sein Vermögen, das schuld war an seiner Härte, schenke er zur Hälfte den Armen. — Nissan, der Tote, befehle seinem Sohn, daß er die Seele des Mädchens verlasse. Er verzeihe Sender und finde Ruhe im Grabe. „Amen", sprechen die Lebenden; aber der Tote schweigt. Er verzeiht nicht. Die Toten haben anderes beschlossen. Sie werden dem Toten die Braut nicht nehmen lassen. Rabbi Asriel — hier liegt die Tragik seiner Persönlichkeit — darf die Wege der Toten ahnen; folgen wird er ihnen nicht, darf ihnen nicht folgen. „Die Lebende gehört dem Leben," spricht der edle Arzt. Schlicht sagt er: „Herr der Welt, Deine Wege sind verborgen und geheimnisvoll. Dein Wille sei mein Leitstern, ich gehe meinen Weg, ich will nicht wanken. - Ist der Bräutigam bereit?" Und nun beginnt das Gewitter des Bannes in seiner ganzen Schrecklichkeit, gedoppelt von der Urkraft des Glaubens der Jahrtausende. Die zwiefache Wucht wird niederfahrend lösen, befreien, reinigen. Donnernd braust der Sturm auf ein unglückliches Weib, das unbewußt sich feftklammert an das, was in seinem Wahn ihm höchste Seligkeit schien. Blitz auf Blitz schleudert Asriel. Doch zwischen den Blitzen ein süßes Wetterleuchten: „Du sollst Ruhe finden!" Blitz auf Blitz schleudert Asriel nieder und — siegt. Der Dybuk weicht. Was ist geschehen? Ist eine Kranke gerettet? Ist eine Seele erlöst? Der schaurige Bote kündet es dunkel: „Der letzte Funke ist von der Flamme verschlungen." Mit letzter Kraft schreit Leah auf: „Die Zeit ist um, sprecht den Kaddisch!" Dann fällt sie in Bewußtlosigkeit." Rabbi Asriel geht seinen geraden Weg: Ist der Bräutigam bereit? — Der Bräutigam ist nicht da; ein Rad am Wagen ist gebrochen. Aber er ist nicht mehr weit. „Komme, was kommen soll," Asriel dumpf, ahnungsvoll, und geht dem Wagen entgegen. Leah läßt er zurück, ihre Dienerin ist bei ihr. Einen magischen Kreis hat er um sie gezogen. Er soll sie von den toten Geistern schützend trennen. Leah erwacht; sinkt wieder zusammen. „Laß mich schlafen, Mütterchen!" Und Freyda singt sie in Schlaf, innig, bis die Singende selber in Schlummer fällt. Lehrkurse der Israel. Kultusgemeinde München Museumssaal, Promenadestrafje 12 Sonntag, den 11. März und Montag, den 12. März 1928, abends 8.15 Uhr 2 Vorträge mit Lichtbilder : Universiiäisprofessor Dr. MAX EISLER, WIEN Die Kunst Liebermanns Vorher: Einführung in die Kunsib etr achlung Numerierter Sitzplatz RM. 2.—, Sitzplatz RM. 1.50, Stehplatz RM. 1.— für beide Vorträge Lebt Leah? Um sie klingen Stimmen, des Geliebten Stimme. Er ist da, er ist nah, er sucht sie, sucht die Braut. Wird er noch einmal zu ihr kommen? Asriels Bann kettet ihn. Lebt Leah? Ist sie tot? Sie erhebt sich, sie jubelt: „Geliebter, ich komme zu Dir, ich komme. Mit unseren Kindern wollen wir spielen!" Sie jubelt, sie schreitet; jubelnd schreitet sie hin; sie tritt hinaus aus dem Kreis. Sie geht über die "Brücke". Sie ist „drüben" bei ihm, dem Geliebten. Rabbi Asriel tritt ein, der schaurige Fährmann mit ihm. Der Kreis ist leer. Wer hat gesiegt? Demütig und groß spricht Rabbi Asriel: „Gelobt sei der Richter der Wahrheit." „Findet die Seele, in tiefe Wirklichkeit geschleudert, hinauf, hinüber zur hohen Heimat?" — „Sie findet, sie fand", klingt es traurig troftvoll aus. Dr. Louis Levinger. Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege. Der neueFührer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland wird Mitte März dieses Jahres erscheinen. Redaktionsschluß ist am 15. Februar. Es liegt im eigenen Interesse aller Einrichtungen, daß der neue Führer lückenlose und neueste Angaben bringt. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bittet daher dringend, alle Gemeinden, Wohlfahrtsorganisationen, Anstalten und so weiter, von denen etwa noch irgendwelches Antwortmaterial auf die Anfrage fehlt, es bestimmt bis zu dem genannten Tage einzusenden, an die Adresse: Zentralwohlfahrtsstelle der deutchen Juden, Berlin N 24, Oranienburger Straße 69. Reichsverband der jüdischen Lehrervereine. Auf der neunten Verbandstagung des Reichsverbandes der jüdischen Leh re rv e r e in e im deutschen Reiche vom 26. bis 28. Dezember 1927 in München, wurde ein Sozialer Ausschuß, der den Charakter einer Arbeitsgemeinschaft tragen soll, mit dem Heilpädagogen Georg Sawady als 1. Vorsitzenden, begründet. Dieser Ausschuß will das Interesse des jüdischen Lehrers an der Jugendwohlfahrtspflege wecken, fördern und wacherhalten, und ihm Rat und Hilfe in allen Fragen der Jugendwohlfahrtspflege erteilen. Er will dahin streben, daß die jüdische Schule und mit ihr die jüdische Lehrerschaft stärker Mitwirken bei der pädagogischen Ausgestaltung der gesamten Jugendwohlfahrtsarbeit. Zur Hilfsarbeit ist jeder jüdische Lehrer willkommen. Zuschriften sind zu richten an: Georg Sawady, 1. Vorsitzender des Sozialen Ausschusses des Reichsverbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche; Geschäftsstelle: Berlin dl 24, Oranienburger Straße 69, II. flus der Gemeinde Lehrkurse der Israelitischen kultusgemeinde München Lehrkurse Februar und März 1928 Programm A. Vorträge Universitätsprofessor Dr. Max Eisler (Wien): ..Die Kunst Max Liebermanns-. Zuvor Einführung in die Kunstbetrachtung. Zwei Vorträge mit Lichtbildern am 11. und 12. März 1928. 20 Uhr 15 Minuten, im Museeumssaal, Promenadestrahe 12. Numerierter Sitzplatz RM. 2.—. Sitzplatz RM. 1.50, Stehplatz RM. 1.— für beide Vorträge.